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25. März 2026 | Hartwig Mauritz für satt.org |
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Macht es Sinn, wenn Engel Pilze sammeln im brennenden Wald?Zum Gedichtband von Klára Hůrková „Andere Lichter“Die tschechische Dichterin, Malerin, Philosophin und Lehrerin Klára Hůrková hat mit „Andere Lichter“ einen neuen Lyrikband vorgelegt, den sie in diesem Jahr in der „edition offenes feld“ in Dortmund veröffentlicht hat. Der Band ist in fünf Kapitel gegliedert und entfaltet eine poetische Bewegung von intimer Liebeserfahrung über Trauer und Erinnerung bis hin zu Fragen künstlicher Intelligenz und Spiritualität. Ihre Gedichte sind von einer feinen Bildsprache geprägt. Besonders gestaltet Klára Hůrková die Übergänge zwischen Tag und Nacht, Nähe und Distanz, Herkunft und Gegenwart. Licht steht in der poetischen Tradition für Liebe, Emotion und Spiritualität. Licht dient auch als Metapher für Wissen, Wahrheit oder Erkenntnis. Damit reiht sich die Poetin in die Tardition der „Dichter des Lichts“ ein, deren Gedichte von Helligkeit, Sonne, Transzendenz oder einer optimistischen Weltanschauung geprägt sind. Klára Hůrková transportiert eine fast durchweg positive und dem Leben zugewandte Weltsicht. Das erste Kapitel enthält Liebesgedichte, die an der Nahtstelle von Nacht und Tag angesiedelt sind. So kann sich das Liebespaar auf S.9 nicht entschließen aufzustehen „Und den Handy-Wecker/ der dreimal klingelt und uns trotzdem/ nicht überreden konnte, aufzuhören“. Auf Seite 11 spricht sie von der Ambivalenz der Liebe. „Schreib mir Gedichte und Liebesbriefe/ nur nimm die Liebe raus“. Die Autorin beschreibt auf S.13 die Trennung von Liebe und Hingabe. „Was mein Körper tut/ darf mein Herz nicht mitmachen“. Sie bedient sich manchmal auch spielerisch verschiedener Begriffe aus den Bereichen Philosophie, Religion und Physik: „...ich sterbe mehrmals unter deinen Flügeln / und werde geboren / im Chaos der Äonen / wo Himmel und Hölle einander vergeben"(S.14). Im zweiten Kapitel thematisiert die Autorin die verschiedenen Fassetten der Liebe und verknüpft sie auf S.22 mit den Schwingungen der Musik „Deine Hand/ wandert/ schickt Wellen/ und findet Resonanzen/ an den Stellen/ meiner Haut“. Auf S. 26 tanzt das lyrische Ich in einer Meditation über „Sympathy for the devil“ von den Rolling Stones mit dem Teufel. Auch ein englischsprachiges Gedicht ist von der Anglistin auf S.28 zu finden. Immer wieder thematisiert sie die großen philosophischen Fragen, so in „Die alte Doku“ auf S. 32 woher der Mensch kommt und wohin er gehen wird. In „Sternzeichen Luft“ auf S.35 mischt sich in eine alltägliche Beziehungsszene die Kosmologie „Leider fallen die Dinge/ Schwerkraft vielleicht/ oder die Krümmung des Raumes.“ Das dritte Kapitel enthält Gedichte, die Klára Hůrková ihrem 2023 verstorbenen Mann gewidmet hat. Schon der Titel „Am anderen Ufer“ steht als Metapher für Tod und Trauer, die in berührende poetische Bilder verwandelt wird. So heißt es im Titelgedicht auf S.41 „Landschaften können wehtun/ Deine Stimme/ weht durch das Dünengras/ und das Meer/ trägt deine Augenfarbe“. In den weiteren Gedichten geht es um die Erinnerungen an gemeinsame Spaziergänge und „Am Fluss, ohne dich“ auf S.41 enthält ein weiteres Bild für den Tod, das das lyrische Ich zu der Erkenntnis führt „Ohne deine Augen/ sehe ich weniger“. Das Licht wird auf S. 45 in „Du bei mir“ metaphysisch aufgeladen „Wenn ich meine Augen schließe/ stehst du neben mir/ Deine Liebe ist nicht Asche geworden/ Im Gegenteil, sie leuchtet/ als helle Flamme/in mir../“.
Das vierte Kapitel enthält Gedichte, mit unterschiedlicher Thematik. Eindrucksvoll beschreibt die Autorin ihre Kindheit in der sozialistischen Tschechoslowakei der siebziger Jahre. In „Klein“ auf S.49 heißt es. „Die Stadt erstarrt im Morgengrauen/ verschlafen und doch/ wachgehalten/ durch monotone Befehle/ aus dem Radio“. In „Ostern“ auf S.52 thematisiert sie ihre Heimat im tschechischen Erzgebirge, in dem noch die Spuren der von Benesch nach dem Zweiten Weltkrieg initiierten Vertreibung der Sudetendeutschen zu finden sind „Wieder liegt Nebel im Erzgebirge/ Grenzen so unwirklich wie noch nie/ Man sieht noch vereinzelt/ zerfallene Häuser/ und Steinhügel, wo früher/ Kirchen standen.“ Geschichte wird atmosphärisch verdichtet. Und es ist wieder das Licht, das die Spuren der Vergangenheit ins Bewusstsein bringt, ein Licht, dass die Möwen in Nordnorwegen im Sommer nicht schlafen lässt („Norwegen, Ende Juli“). In „Die Welt ist vollkommen“ auf S. 59 meditiert die Autorin über die Verbundenheit des Individuums „mein eigenes Licht“ mit dem Universum. Das letzte Kapitel „Übermorgen“ enthält Gedichte zur KI, Gespenstern, und Geisterteilchen. In „Deepfake“ auf S.76 fragt sich die Autorin „Wer ist das Gespenst/ mit dem Gesicht von Bruce Springsteen/ bei der Trauerfeier von Charlie Kirk?“ Sie erwähnt dabei den tschechischen Schriftsteller Karel ?apek, der 1920 in seinem Drama R.U.R. den Begriff Roboter geprägt hat. In „Ratschlag eines Schülers“ auf S. 68 thematisiert sie ChatGPT und in „Geisterteilchen“ auf S.69 durchqueren Neutrinos „wie eine unsichtbare Gang/ in großen Scharen/ unsere Körper“. Es ist das Licht der Gegenwart und der Vorahnung einer „ich-losen Zeit“. „Andere Lichter“ ist ein vielschichtiger Gedichtband, der persönliche Erfahrung, historische Erinnerung und philosophische Reflexion miteinander verschränkt. Klara Hůrková gelingt eine bemerkenswerte Balance zwischen Emotionalität und gedanklicher Tiefe. |
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