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Die Box




31. März 2010
Marc Degens
und Franziska Felber
für satt.org

Das Interview entstand für das Feuilleton der Zeitung "Die Welt".
» Mehr zum Thema "Blogs in Buchform".
Airen: STROBO

STROBO:
Der Blog, das Buch,
Airens erster Roman

Wurden die Blog-Texte für die Buchversion stark bearbeitet?

Marc Degens: Ja, das wurden sie. "Strobo" ist kein ausgedruckter Blog, auch wenn das immer wieder in der Presse zu lesen ist. Nein, "Strobo" ist ein von mehreren Personen, auch von mir lektorierter episodenhafter Roman, der redigiert, umgestellt, ergänzt und gekürzt wurde. Und das in einem langwierigen, mehrere Monate dauernden Prozess – sehr zum Leidwesen des Autors. Airens Debütroman "Strobo" hat einen Anfang und ein Ende und zeigt eine Entwicklung.

Weshalb veröffentlicht man Blogs als Buch?

Marc Degens: Es gibt viele Arten und Gründe, Blogs zu schreiben, insbesondere für Literatur mit einem stark autobiographischen Hintergrund. Einerseits simuliert das Publizieren im Internet Gleichzeitigkeit, das war sicherlich ein wichtiger Grund für die beiden Internetschreibprojekte von Rainald Goetz. Hey, gestern war ich da und dort und das ist mir dabei passiert ... Das macht es ja auch für die Blog-Leser so spannend, man ist quasi "live" dabei. Und "live" heißt ja auch Airens Blog.

Andererseits kann das kontinuierliche Veröffentlichen im Internet auch eine Disziplinierungsmaßnahme sein, das war beispielsweise ein wichtiger Grund für Jens Friebe, dessen Buch "52 Wochenenden" auch zunächst als Blog veröffentlicht wurde. Disziplinierung spielt auch eine wichtige Rolle für Jochen Schmidt und sein Blog/Buch "Schmidt liest Proust".

Ein anonymisierter Blog wie der von Airen bietet weiterhin gleichzeitig Schutz und Öffentlichkeit. Man bekommt Feedback und Reaktionen. Das alles macht das Blog-Schreiben so attraktiv.

Letztlich ist das Medium für den Verfasser aber wichtiger als für den Verlag – wir hätten "Strobo" auch veröffentlicht, wenn die Texte nicht in einem Blog, sondern auf Baumrinde geschrieben worden wären. Für uns zählte nur die literarische und insbesondere die sprachliche Qualität des Werkes.

Und gibt es bei Ihnen weitere Pläne zur Veröffentlichung von Blogs?

Marc Degens: Nein, aber wir würden uns nicht sträuben. Allerdings befürchte ich, daß die Airens in Deutschland rar gesät sind.

Marc Degens ist Schriftsteller, Programmleiter von SuKuLTuR, Herausgeber von "Strobo" und hat den Roman teilweise lektoriert.

Die Fragen stellte Franziska Felber.