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Die Box




Dezember 2007
Ilse Kilic
für satt.org

ZwischenBildTexte

Hybrid und lieb

Als wir (das fröhliche wohnzimmer) im Jahr 2007 wiederum an der Mainzer Minipressenmesse teilnahmen, hatten wir die Freude, dort die EditionKonter und den Lichtblau Verlag kennenzulernen. Soweit so gut. Bücher und Gedanken wurden ausgetauscht und jetzt, viele Monate sind vergangen, möchte ich die beiden Bücher, jenes von Franz Konter aus der EditionKonter und jenes von Michael Bloeck aus dem Lichtblau Verlag, anderen neugierigen Leserinnen und Lesern vorstellen.

Zugleich – und gar nicht anders möglich – wird dadurch auch ein Blick auf die beiden Verlage geworfen – und natürlich kann man auch selbst via Internet nachschauen, was die beiden Verlage auszeichnet. Beide betreiben eine Homepage, nämlich unter edition-konter.de beziehungsweise lichtblau.blogspot.com (es gibt aber auch eine Seite unter lichtblau-verlag.de).

Franz Konter: ZwischenBildTexte

„Sehen beginnt, wo die Bilder aufhören“ Dieser Satz steht auf der Homepage von Franz Konter und er steht auch auf dem Buchumschlag - er könnte also vielleicht auch als Motto für sein Buch mit dem Titel „ZwischenBildTexte“ gelten. Oder doch nicht? Denn eigentlich braucht das Buch kein Motto, es zeigt sich von jeder Seite ein bisschen anders, führt also jedes Motto immer wieder ad absurdum. Das Buch von Franz Konter ist – so lese ich es – ein wilde Wellen werfender „Strom des Bewusstseins“, der schon mal über sich selbst zusammenbrechen kann, ein Strom der Assoziationen und kritischen Betrachtungen, wo die Gewissheiten plötzlich zu einem schwarzen Loch werden, und – schwupps – taucht „der Alltag“ auf, damit wir uns an ihm festhalten können. Etwa so: „sieht fast so aus, als ob’s heute warm wird“. Der Text läuft und läuft und läuft doch nie davon, will heißen, er ist ein Lernprogramm, eines, durch das (zunächst) der Autor nach Worten sucht, Worte als Versuche, sich der Wirklichkeit anzunehmen, die Wirklichkeit also am Schopf zu packen. Die Bilder sind dabei Teil des Textes und wenn ich mir mein Lieblingsbild darin anschaue, so steht darunter „Can’t help but cry“, aber oben lacht die Sonne – oder lacht sie gar nicht und sticht mit ihren spitzen Strahlen einfach in der Gegend herum – man kann nie wissen ... also: weiterlesen, es wird sich schon finden!

Michael Bloeck: Hybrid und lieb

Ganz anders „gestrickt“ sind die Texte von Michael Bloeck. Sie sind eben ganz und gar nicht „aus einem Guss“, wollen das auch nicht sein und spielen mit verschiedenen Zugangsweisen zur Wirklichkeit. Die Bilder von Kerstin Lichtblau begleiten die Texte einerseits, bieten aber manchmal durchaus auch schon eine kleine Interpretation an. Ein Beispiel: Der Miniaturtext „Wo ich schon mal war, und wo ich mal hin will.“ wird von einem dreibeinigen, quasi verkehrt in der Luft stehenden Vogel begleitet. Unter ihm drei Wolken. Weiters drei Farbklekse, vielleicht Blumen? Wo könnte man hinwollen, angesichts dessen? Gibt’s Wünsche in diesem Luft-Raum, in dem die Vögel nicht mehr fliegen wollen? Man überlegt. Und Text und Bild beginnen zu wirken. Weil Michael Bloeck uns aber keinesfalls der Melancholie oder Trauer überlassen möchte, geht es auf der nächsten Seite ganz anders weiter. Hopplala! Das Gedicht heißt „Frankfurt ist ein Durchlauferhitzer“ und sofort möchte ich lächeln. Das Gedicht nimmt kein Blatt vor den Mund, und die Schornsteinfegerin ist mir auch gleich sympathisch, obwohl man zum schornsteinfegen bei uns in Wien ja rauchfangkehren sagt. Vom Kalt ins Warm und umgekehrt könnte eine Devise dieses Buches sein – das gefällt mir, man kann das Buch einfach aufschlagen, wo man möchte und sich einen eigenen Weg suchen. Und dabei lernt man sich selber kennen. Ein bisschen jedenfalls. Ich hab meinen Lieblingstext gefunden. Es ist die oben bereits zitierte Miniatur.



Franz Konter: ZwischenBildTexte.
Texte und Zeichnungen (20 Diptychen, Tusche und Kugelschreiber
sowie 3 doppelseitige Skizzenbuch-Faksimiles).
EditionKonter, Frankfurt am Main 2007. 22 Euro.
ISBN 978-3-9811586-0-1
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Michael Bloeck: Hybrid und lieb.
Zusammengestellte Reim- und Poesieformen,
Hybridgedichte, multipoetische Lyrik.
Gedichtband mit Zeichnungen von Kerstin Lichtblau.
Lichtblau Verlag, Frankfurt am Main 2007. 9,80 Euro.
ISBN 978-3-9811683-0-3
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