Anzeige:
Die Box




Oktober 2007
Crauss
für satt.org

personenschaden!
        /chronologie einer lektüre

Florian Neuner:
zitat ende
Prosa.
Ritter Verlag,
Klagenfurt, Wien 2007



168 S., 13,90 €
   » amazon

Florian Neuner zitat anfang prosa: in schöppingen liegt schnee. ein trüber, regnerischer novembertag, daneben eine notiz: „lohaus/ text-gender“. dass es sich um eine prosa handelt, wird behauptet, sagt aber wenig über das buch. text-gender. kann ein text ein soziales, kann er ein biologisches geschlecht haben? zitat ende. diese grosse, traurige erzählung wird von zornalbträumen und angstreaktionen unterbrochen. dauerniederschlag beginnt zu fallen. beginnt, sich niederzuschlagen: in erzählungen, novellen und romanen spielt sehr oft das wetter eine grosse rolle (schnee in schöppingen), vor allem am beginn eines textes. dunkle wolken über bremerhaven. wer nicht depressiv wird, reagiert mit lust- und schwindelgefühlen. call us crazy! so kann eine prosa geschlechtlich erzählt werden. wenn es sich bei den gattungsbezeichnungen etwa um das biologische geschlecht handelt, was ist dann das text-gender? diese folge verwirrender gedanken und gefühle. sich zufällig aneinanderreihender sätze (dem leser aber wird nichts mitgeteilt. das erzeugt verstimmungen, nieselregen, regen oder schnee). es kommt deshalb zu interferenzen, zitate werden aus ihrem ursprünglichen kontext gelöst, um mit- oder gegeneinander fronten zu bilden, zu altern, und sind manchmal nur noch als rasch driftende wolkenfelder zu beobachten (ich komme gleich darauf zu sprechen). autobiographisches ist zwar grundsätzlich willkommen, allerdings nur dann, wenn bestimmte grenzen genannt werden. die grenzen werden nicht benannt, fronten jedoch permutativ demonstriert. die wolkenwand wandert. in ausgeprägten passagen mögen ein auffallend nervöses und aufgedrehtes verhalten oder aber verlangsamung und gleichgültigkeit des textes eine folge sein. einander ausschliessende gegensätze. wenn aber ein text, in dem sich jene gegensätze so innig vereinen, dass sie zu einem in ihm werden, dass sie ihre ursprüngliche unterscheidende form ablegen und umkehren, dass das, was sprechblasenhäute über köpfe stülpt, kein wunder ist. NATÜRLICH WAR ES ZUFALL, irgendetwas aus urvordenklicher zeit, dass mit ende von seite acht an Hölderlin erinnerte. notiz: „1) hier ja auch!“

die gerichtsmedizin ist längst dazu übergegangen, die wetterlage in das juristische kalkül einzubeziehen. es kann aber nicht darum gehen, mit hilfe von wettermetaphorik seelenzustände zu illustrieren oder atmosphäre zu schaffen, sondern eine avantgardistische arbeit zu leisten, die in tiefere gegenden der sprache und des eindrucks vordringt. „einst war ich tief in die wälder des mimas hineingeritten und kehrte erst spät abends zurück.“ (dasselbe kann über wasauchimmer gesagt werden). natürlich: im text – genauer gesagt auf seiner quasi-mimetischen oberfläche – werden die elemente dieser beiden realitäten gleichrangig behandelt, so dass bei ihm und für ihn das sprechende unaussprechlich oder unauszusprechend, dass also jene beiden gegensätze in ihm zu einem werden, weil sie in ihm ihre unterscheidende form umkehren und sich auch insoweit vereinigen, als sie im ursprünglichen gefühle verschieden sind und wirklichkeit die nichtwahrnehmung einer fensterscheibe ist. in schöppingen liegt schnee und ein bild taucht auf. Florian Neuner sass in der gaststätte lohaus im münsterland und las die münsterland zeitung: „vor genau zwei jahren sorgten schneefall und eiswinde für die grösste naturkatastrophe, die es je im münsterland gegeben hat.“ ich hatte das auf einigen blättern notiert, die mir verlorengegangen sind. jetzt aber entsteht der eindruck des disparaten und damit eines unverbundenen nebeneinander. zahllose bereiche der verschwommenheit, driftende wolkenfelder. die verschiedenen stränge werden sprachlich gleich behandelt. haltetöne, die fast den halben satz lang dröhnen: helgoland bei schwerer see, nebelhörner und ein wunderschönes kapitel über die unzerstörbare insel in einem gelben buch. dröhnende haltetöne, weil ich die platte, die ich beim lesen höre, auf halber geschwindigkeit abspiele: manche worte und bilder liegen so tief, dass sie erst lange gesucht, abgetastet (gedichte von Dieter Roth und remixes der doors) und miteinander verglichen werden müssen, ehe sie ein material ergeben, das sich aus dem rauschen und knacken der rillen herauslöst. der informationswert der schallereignisse. eine einzige, endlos lange zeile, in der das, was wie zufällig ins blickfeld geraten ist, zb die eingeknickten strommasten im münsterland, die jetzt wieder in allen zeitungen zu sehen sind, das erschrecken, das schneechaos etc, einen kuchen am kamin ergeben.

kann ein text geschlecht haben, sind die erfundenen landschaften so lebendig wie das nicht erfundene, faktische, sinnlich wahrgenommene in der erinnerung? was ist erinnerung? was ist wirklichkeit? wirklichkeit ist nicht, was wirklich ist, und es ist wirklich nicht, was es ist. „seufzend kehrte ich nach meinem hause wieder um. ich ging zurück in das zimmer, legte mich auf das bett und schlief ein. im staub stob eine lemmingherde an mir vorüber; so half ich mir durch.“ es rief die erinnerung an zahllose filme wach, in denen diese szene nachgestellt wurde. Hölderlin wird nicht müde, die üblichen metaphern zu gebrauchen, nach festen konventionen zu lügen, also die ollen kamellen hinter sich zu lassen, die da heissen roman/ erzählung/ gedicht. Florian Neuner „kann das nicht mehr hören, ich ertrage das nicht mehr.“ der leser wolle doch nicht wissen, wie häufig der autor onaniert. notiz am rande: „doch!“ notiz am rande: „sprach-/ text-gender“. notiz am rande: „wörter sex schnitt“ (Rolf Dieter Brinkmann, originaltonaufnahmen 1973. im selben jahr erscheint eine erste best-of-platte der doors als quadrophon-abmischung). end of citation.

„experimentell meint, dass ich mit inhalten operiere, sie in andere als die gewohnten konditionen versetze oder auch zurückübersetze ins offensichtliche.“ (dasselbe kann über wasauchimmer gesagt werden). nach und nach gewöhnen sich die augen an die dunkelheit. was geschieht? „black sun. the dark experience“ ist eine party bei völliger dunkelheit mit extrem verdreckten, siffigen turnschuhen, auch eingriffe in den wortkörper sind denkbar. möglichst versaut und offen für alles. vorherrschaft des genitalen. aber wozu bedarf es überhaupt kategorien wie biologischem oder sozialem textgeschlecht? oder einer handlung. ein junger mann will um jeden preis karriere beim film machen und landet bei einer porno-produktionsfirma, wie ihm erst nach und nach klar wird. das ruft die erinnerung an zahllose filme wach, in denen diese szene nachgestellt wird. ich bin also eingeschlafen, während der text weiterläuft, eine einzige, endlos lange zeile, der text ist dabei ständig unterbrochen, fast wie gefaltet. eine öffnung wird angestrebt, ein ende des angeführten zitierens angestrebt, um den textfluss nicht ständig unterbrechen zu müssen. die frage nach dem verweischarakter von zitaten wird zunächst ausgespart oder, wahlweise, überschrieben, wo sie bereits angedeutet war. „was sich als offenheit präsentiert, erweist sich als eine öffnung ins beliebige. wenn diese offenheit nicht vom text wegführen soll, bedarf sie der mehrdeutigkeit.“ zitat ende dokumentiert den versuch, nicht die anordnung des versuchs. „ich weiss nicht genau, was entstehen wird, aber ich weiss, was ich mache.“ notiz am rande: „einiges klingt wie selbstzitat aus jena paradies.“ anderes war bereits früher einmal perspektive (p33: „ich möchte meiner phantasie freien lauf lassen. mit hilfe der dafür notwendigen gewalt.“).

oft stehen die zitate auf meinen zetteln ohne quellenangaben, habe ich nicht ordentlich bibliographiert. würde man ein paarmal dasselbe sagen als sei es etwas anderes. würde man ein paarmal dasselbe sagen, wäre es jedesmal etwas anderes, stünde es jedesmal in einem anderen zusammenhang. das unbehagen gegenüber unreinen konjunktiven bleibt. freilich stehen dazu nur bescheidene, illusionäre mittel zur verfügung. die schwierigkeit einen satz zu schreiben, der kein zitat ist. als wäre es etwas anderes. als seien es scheinzitate, erinnerte zitate. was ist erinnerung. die bezugnahme auf das, was zitiert wird, der verweischarakter wird zunächst ausgespart. „trotz fehlender syntaktischer glättung entstehen häufig sinnzusammenpassungen.“ am rande: zwei einkreisungen und eine über mehrere zeilen hinweggleitende verbindungslinie zwischen den worten „warme pisse“ und „naturalistischem kitsch“. ab und zu muss ich pissen und lasse meine warme pisse in meine trainingshose laufen. wer sich bei expliziten stellen zuviel ausmalt, wird längst darüber hinweg sein, einem text geschlechtlichen charakter zuzuordnen. biologischer fliesstext versus abnutzung von gendertheorien durch permutative wiederholungen. wann haben wir es mit zitaten in nichtverbalen systemen zu tun? einiges klingt wie selbstzitat, anderes war bereits früher einmal perspektive (p48: „aus kampf wird aneignung. mit der dafür notwendigen gewalt.“). notiz am rande: „alles ausser jazz“.

zwei jahre vor dem erscheinen von zitat ende publiziert Florian Neuner ein kapitel seines buchs in nummer 48 der österreichischen zeitschrift perspektive. zu diesem zeitpunkt ist der dichter Crauss damit beschäftigt, „material“ für eine von ebenjener zeitschrift angefragte bearbeitung seines lyrischen monsieur le commissaire zyklus’ zu sammeln, die dann als sex mix und beatbaby mix in p50 erscheint. aus kampf wird aneignung. monsieur le commissaire hat lange nicht gespielt. seine persönlichkeit hat im verlauf der jahre anlass zu vielerlei spekulation gegeben. aber nach dem konzert ist davor und wie weit man gehen kann, eruieren Crauss und Neuner im gespräch.

wie weit man gehen, wie weit man die grenze hinausschieben könne, fragt sich Florian Neuner. alles ausser blut, scat und sinnlose gewalt, überlegt er.
der hals ist eine röhre, entgegnet Crauss. perlonröhre (-hülse). alles ausser blut, scat und pflaumen. und später: alles ausser blut, scat, scheidenzäpfchen (mit liebender begier/ spazieren wollt ich reiten).
Crauss verliert sich mit einer quellenkunde bei Ambrosius Metzger, einem dichter aus des knaben wunderhorn und Neuner versucht zu deuten:
gestaltung des erlebnismaterials (die vorkommnisse der letzten wochen und monate), das alltägliche. also gegen mittag aufgestanden, im bademantel in die küche, verkatert. korrekt, bestätigt Crauss. bademantel. brusthaar. der kommissar sei grad dabei, die königin zu suchen. das mache ihm den hals so schwoll. das mache seine lenden voll zwo drei. bademantel borneogetränkt. alles ausser blut, scat, scheidenzäpfchen.
Neuner: melancholisches benehmen. geht das leben so vor sich?
Crauss: mir is so weepingly zumut … alpines gift, free market – schnee, wohin du blickst. clix, personenschaden! schreit Neuner. zum teufel. und denkt sich tief ins münsterland zurück.
call us crazy, aber so wars. die coda war zutiefst frivol, und: “warum darf ich nicht unsinn machen?”

die teile entbehren der notwendigkeit. einige könnten hinzugefügt oder weggelassen werden, ohne dass der text sich wesentlich veränderte. freche behauptungen und mist. fragmentierung und defragmentierung. das hängt davon ab, ob das faktum der montage zum verschwinden gebracht wird. alles vollgestopft mit zeug, was bleibt ist die rätselhaftigkeit der gebilde und aufeinanderpassungen, etwa in der art wie Gurgelmiltsam, als sie mit dem gurgelkindlin Gurgellantule schwanger gieng, ein grossen wust kutteln frasz und darvon genas. lamento freilich half noch nie, denn nicht nur bei wort- und namenverdrehungen, dem eigenmächtigen eingriff in die überlieferte form, zeigt sich das verhältnis zum wort. Fischarts verhältnis zum wort. Johann Fischarts verhältnis zum „wilden wald der wörter“ („denn unser wissen ist stückwerk“) in der auffentheuerlich naupengeheuerlichen geschichtklitterung von 1532. wie sehr für Fischart sprachliche wirklichkeit wirklichkeit erst ist, erweist sich, wenn er einen realen sachverhalt (schnee in schöppingen, die hochsee vor helgoland) in eine kette von worten umsetzt: „es glückt bass, wann ich mit singen darzu pass – sechs unnd siben haben mich vertrieben auß meinem gewand. und ab unnd and muss pissen, eins, vier, acht, unnd hab schon meine lenden voll gemacht zwo drei. so fangt mein wunderböses weib daheimen an zuprumen, ja prummen. ach wein du bist mir viel zu lieb: du schleichst mir ein gleich wie ein dieb …“

so sucht auch Neuner das zur chiffre erstarrte wort mit den mitteln der komik, der wortschöpfung, der reihen zu konkretisieren, es vieldeutig und in seiner historizität zu veranschaulichen. sprachskeptisch und sprachgläubig zugleich, legt Neuner die bedeutungsvielfalt der worte bloss (in knappen worten, die in klammern gesetzt sind). die coda ist zutiefst frivol. das ist vorhersehbar. mit einer vorausdeutung ist allerdings nicht garantiert, dass ein ereignis auch wirklich eintritt. dies ist keine rezension. dies ist kein zitat. was du liest ist palimpsest. zitat ende. die leser verlieren den sinn für die sukzessive chronologie, zumal es sich ja um einen fiktionalen text handelt: „roman/ erzählung/ gedicht“ (Neuner) spannungen und sprünge, instabilitäten und widersprüche. alles ausser jazz. weil ich die platte, die ich beim lesen höre, auf halber geschwindigkeit abspiele, werden geräusche umgedeutet, wenn sie undeutlich sind. sprünge, „instabilitäten sind in wirklichkeit gar keine wassergeräusche.“ notiz am rande: „handelt es sich in wirklichkeit um garkein zitat.“

die musik geht über in korrespondenzen, vor- und rückverweise, kneipengeräusche. es sind ja nur ein paar schritte hinüber zur feinkost mild. die orte gehen ineinander über wie wolken (schnee in schöppingen, hochsee vor helgoland, grazer tressen und zwerghöhepunkte). was also soll man erinnern? dass die 24/7pizzeria nicht tivoli hiess, sondern tropical? dass rosis tante emma kneipe nicht fein oder meindl war, sondern mild? feinkost mild. ich versuche es, so gut ich kann. habe versucht, so gut ich konnte mitzureden. mitzutrinken war nicht das problem. dinge, kurzschlüsse, zu viele richtige statements. was ist der text? ich trinke ein glas rotwein, dann ist der sommer zu ende. "ich hatte kein notizbuch dabei, musste die idee für ein gedicht also am unteren rand auf seite 74 unterbringen, worte umkreisen, pfeile malen und punkte." zitat ende. jahreszeit adé.

das schreien der kinder vom boltzplatz
klingt brüchig, die stimmen gehn unter
in mopedgeräuschen älterer brüder.
ich trinke ein glas rotwein, dann
ist der sommer zu ende.
von nun an
ist etwas verloren
gegangen. vorm haus
ein ball, eine vergessene grossmutter.
ich find mein notizbuch nicht wieder.

das konstatieren von bezügen ist natürlich immer auch das herstellen von ebensolchen. dann wird vielleicht der versuch unternommen, das verfertigen oder den umgang mit literatur politisch zu begründen – etwas „unfertiges“, ein „missverständnis“ (alles ist nicht nur in allem anderen enthalten, es wirkt ach auf alles andere ein). mit der dafür notwendigen gewalt. denn durch schreiben bringt man ordnung hervor und „man kann auch in der gaststätte lohaus über den werkbegriff diskutieren. warum [ …] darf ich nicht unsinn machen? die nacht ist jung und so schnell gebe ich nicht auf.“ Florian Neuners projekt ist für überraschungen gut, das kunstwerk hat einen bestimmten anfang und ein bestimmtes ende, es ist abgeschlossen und aufgrund dieser abgeschlossenheit unveränderlich. notiz am rande: „?“ zweite notiz am rande: „aber im inneren sozusagen dauerhaft veränderlich, etwa beim lesen. der leser verändert das werk.“ zum beispiel korrigiere ich auf seite 85 einen tippfehler, während ich über die beabsichtigte falschschreibung eines autorennamens auf seite 80 zu schmunzeln vermochte. „dann ist das schon ein ausdruck von freiheit und damit auch von opposition zum status quo,“ konstatiert der autor. das wort macht das werk diskutierbar, der autor macht mich unangreifbar nicht nur durch verwischung der zitate, sondern auch durch die verwischung seines verhältnisses zu dem zitierten. ein sprechen voller standpunktspässe: „meine texte sind aus aufgelesenen stücken zusammengesetzt, aus von überall hergeholtem zeug. aus literarischem abfall, unvollendetem, angefangenem und stehengelassenem. ich beabsichtige nichts, ich setze es einfach so hin. und trotzdem bedeutet es etwas.“ da staunt der autor vor den eigenen ergebnissen. denn nicht nur beim eigenmächtigen eingriff in die überlieferte form zeigt sich das verhältnis zum wort. einiges könnte weggelassen werden, ohne dass der text sich wesentlich veränderte. weiter hinten jedoch wird zumindest der ton diarisch, die ausführungen breiter wo vorher „ein oszillieren von sinnzusammenpassungen“ stattfand, gekürzt, zerschnippelt, zerknüllt, wiederaufgenommen. da wird ein scheissdreck wieder abgezogen, das ist sagenhaft! das buch wird zusehends meditativer, in sich gekehrter, ohne die permutative kraft einzubüszen, während sich im gleichen augenblick ein neuer kontext öffnet (wenn diese offenheit nicht vom text wegführen soll, bedarf sie der mehrdeutigkeit.). notiz am rande: „ …?“

in der gaststätte lohaus wird der autor von zwei jugendlichen angesprochen, die ihre erfolgreich bestandene gesellenprüfung feiern. man verwickelt den mit seinem buch beschäftigten schriftsteller in ein gespräch (dialog sei doch wohl wichtiger als literatur! notiz am rande: „trifft auf den gesamtkomplex des buches zu.“), die burschen fragen den feingeist, ob er nicht lust habe, sie in die nahegelegene diskothek zu begleiten. „und käme schwarzer sturm gerauscht,“ denkt der autor und folgt den burschen lieber ins boudoir: „die beiden sind leicht betrunken, und nachdem sie sich gegenseitig die hose aufgeknöpft haben, hält jeder mit dreistem griff den schwanz des anderen in der hand. hinter der tür eine steile, schlecht beleuchtete stahltreppe.“ der autor überlegt, wie kurzatmig sexuelle rebellion sei, seine augen gewöhnen sich aber nach und nach an die dunkelheit. „wir haben angst. vor dem, was herumliegt, vor dem durcheinander, und wir haben angst vor der sexualität.“ wir haben angst davor, nicht sagen zu können, wer spricht. „einst war ich tief in die wälder des mimas hineingeritten, kerle wateten darin herum, sie schmierten sich gegenseitig ein und bewarfen sich mit schlamm. das rief die erinnerung an zahllose filme wach, in denen diese szene nachgestellt wurde.“ Neuner hat gründlich sich unterscheiden gelernt von dem, was ihn umgibt: „zufällig sah ich einen augenblick darauf in den spiegel und glaubte, drin ein zweideutig lächeln zu bemerken. betroffen blickte ich um mich.“ wenn diese offenheit nicht vom text wegführen soll, bedarf sie jedoch der mehrdeutigkeit. in seiner phantasie vermischen sich die wälder des mimas mit darkrooms in graz und kellern in schöppingen (hochsee vor helgoland), aber er ist „sehr damit beschäftigt, klarheit zu schaffen. das problem ist, eine gewisse kontinuität durch die zusammenstellung disparater sprachlicher materialien aufzubauen.“ in einer synthese aus variation und wiederholung (helgoland bei schwerer see, nebelhörner und ein wunderschönes kapitel über die unzerstörbare insel in einem gelben buch) gelingt zitat ende schliesslich das ankommen in einer anderen welt. alles was aussen ist, gerät in vergessenheit („es gab keine entwarnung. es wurde nur über lautsprecher gesagt, dass die insel zerstört sei.“). in einer anderen, kleinen welt. beim schreiben wie beim lesen solcher texte muss man stark sein und sich aufs einsamsein verstehen. der text wird durch das generiert, was in ihm nicht vorkommt. ich höre ein remix-vinyl mit doors-stücken und wqgt4095w uhb b9werh632z4j5(c)rauss2007jh 3j36mkki,5k7 ki78iu70ibj6tmentz#ß´#~´#ü798709pü0ß´r654ewathnnh diese ganze angelegenheit ist wie ein puzzlespiel. jedes teil, das man einsetzt, passt, und wenn man damit fertig ist sieht man, dass es garnicht das bild ist, das man erwartet hat. dies ist keine rezension. dies ist kein zitat. was du liest ist palimpsest. zitat ende.

Crauss: m. le commissaire. 7 clix to rhythm. ; Crauss: auf den hahn. Florian Neuners neue prosa feiert den trinkrhythmus als strukturierendes element. (2007); Crauss: ich zitiere - zitate. ein sprechen voller standpunktspässe in Florian Neuners neuem ritterroman. (2007); Johann Fischart: auffentheuerlich naupengeheuerliche geschichtklitterung. mit einem auszug aus dem gargantua des Rabelais. frankfurt/ main: eichborn 1997; Florian Neuner: zitat ende. prosa. klagenfurt, wien: ritter verlag 2007; 13,90 € für 168 seiten