Anzeige:
Die Box




Juli 2007
Thomas Behlert
für satt.org

Frank Schäfer: Kleinstadtblues


Frank Schäfer:
Kleinstadtblues

Erzählungen
Maro Verlag,
Augsburg 2007

Frank Schäfer: Kleinstadtblues. Erzählungen

118 S., 14 Euro
   » amazon

Der in Braunschweig lebende Autor Frank Schäfer hat sich in bewährtes Fahrwasser begeben und seinen Büchern „Die Welt ist eine Scheibe“ und „Verdreht“ einen dritten Band hinterher geschickt: „Kleinstadtblues“. Was bei „Spiderman“ und dem Piratenquatsch „Fluch der Karibik“ so ziemlich in die Hosen ging, konnte Frank Schäfer mit gut aufgerüsteten PC clever klären: Es gibt keinen Abklatsch, nichts Aufgewärmtes und auch die Helden sind mehr normal als tuntig.

So ein Buch kann nicht einfach aus dem Nichts erschienen, da lauern irgendwo Vorbilder. Danach befragt, meint Frank Schäfer: „Jimi Hendrix und Ritchie Blackmore jedenfalls nicht. Nein, Arno Schmidt war eine prägende Lese-Erfahrung, aber von dem kann man nichts lernen, als Schreibender meine ich jetzt. Ich habe es versucht anfangs, aber es wird unvermeidlich ein Plagiat. Die Gedichte Uli Beckers fand ich grandios und finde ich immer noch. Wenn es mit rechten Dingen zuginge, dann müßte der mit Preisen überhäuft werden und nicht dieser poetische Dreikäsehoch Durs Grünbein oder noch schlimmer Michael Lentz.“ Hier leuchtet doch wahrhaftig die Kellerlampe Bescheidenheit aus den Worten, denn selbst hätte Frank Schäfer auch mal eine Auszeichnung verdient.

Im „Kleinstadtblues“ geht es um erwachsene Männer, die das Leben eng sehen, in den Seilen hängen, Väter werden und auch noch heiraten. Verdammt viel Autobiographisches kommt da zum Vorschein. Mancher der Antihelden denkt nun, das Leben ist beendet und nach der Familiengründung ist mit keinem Abenteuer mehr zu rechnen. Insgesamt sind die Geschichten voller Melancholie und mit einem Schuß wirklicher Traurigkeit. Aber nach den Aufgekratztheiten und sprachlichen Pirouetten in den letzten satirischen Büchern, war diese Art zu schreiben mal wieder dran: „Ich wollte es etwas mehr down to earth, einfach eine Geschichte erzählen wo die Sprache in erster Linie als Medium funktioniert und sich nicht so sehr selbst in den Vordergrund spielt“. Sogar die erste Geschichte „Blindgänger“ des leider recht schmalen Bändchens ist trotz ihres famosen Witzes zur Melancholie verdammt. So richtig klappt es mit der Liebe nämlich noch nicht: Man geht einfach zum angeblichen Partner, läßt sich beschmusen und landet am Ende doch nur an einem Lagerfeuer mit Musik, die es zu erraten gilt. Wenn man nur der zweite Depp ist, das Mädel beim Freund bleiben möchte und nur gelegentlich eine neue Herausforderung im Bett benötigt, dann muß eben solch Satz gesagt werden: „Mann, Pfaffe, du Blindgänger … das ist mein Problem. Ich komme mit so’ner Scheiße nicht klar“. Eine eindeutige Antwort, mit der Frank Schäfer fest meißelte, daß zu seiner Jugendzeit wahre Liebe noch möglich war, auch in Braunschweig, sie allerdings nur selten zum Ausbruch kam.

„Kleinstadtblues“ dürfte für Frank Schäfer nur ein kleiner Meilenstein auf dem Weg zum literarischen Olymp sein. Da er aber dort neben Grass, Mann und Goethe sitzen müßte, bleibt er lieber auf dem Boden und veröffentlicht demnächst die Zeitgeschichte „Zensierte Bücher“ und irgendwann etwas über die sagenhaften Thin Lizzy. Wir warten.