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Die Box


 
April 2004
Christian Bartel
für satt.org


Monopol
Magazin für Kunst und Leben

Monopol - Magazin für Kunst und Leben

Nr. 1 April/Mai 2004

Herausgegeben von Florian Illies und Amélie von Heydebreck

» www.monopol-magazin.de

Monopol
Magazin für Kunst und Leben



Da habe ich mir doch das Monopol gekauft, dieses neue, recht dickleibige Magazin, herausgegeben von Florian Illies und Amélie von Heydebreck. Ein Magazin, so behauptet es, für Kunst und Leben. Von beidem verstehe ich wenig, von letzterem versteht aber auch Florian Illies nichts, wenigstens erweckte seine koddersoziologische Studie "Generation Golf" diesen Eindruck. Was meinen Kunstsinn und –verstand angeht: der ist progressiv wie eine Kirchweih im Nordhessischen. Trotzdem habe ich die Beiträge des Magazins, die sich der bildenden Kunst widmen, freudiger gelesen als den redaktionell reichlich unentschieden plazierten Rest.

Monopol - Magazin für Kunst und Leben

Zunächst gibt es da ein Interview mit Uschi Obermaier. Das macht die Süddeutsche auch immer, wenn im Magazin noch Platz ist. Irgendwas sagt sie ja immer und der Fotograf kann melancholische Alternde-Diva-Fotos machen. Wirklich lesen möchte man das allerdings nur alle zehn Jahre mal, an Frau Obermaiers runden Geburtstagen vielleicht.

Dann hat sich Christian Kracht, der formidable Reisenotizen schreiben kann, zusammen mit Ingo Niermann nach Vanuatu aufgemacht, um den Cargo-Kult der Insel Tanna zu beobachten. Niermann qualifiziert sich für diese Arbeit durch sein Buch über gescheiterte Businesspläne der new economy, die ähnlichem Regelwerk und Anschauungen unterlagen wie die Cargo-Kulte. Der Cargo-Anhänger verehrt John Frum, eine messianische Figur, deren Wiederkunft dafür sorgen soll, daß die Jünger mit Cargo, Konsumgütern, versorgt werden.

Leider verabsäumen es Niermann und Kracht, den Leser über die Grundzüge dieser durchaus reizvollen Religion zu informieren, statt dessen ergehen sie sich in dunkelster Andeutung und halbszenischer Darstellung. Nebenbei verbraten sie nicht weniger als achtundzwanzig Fußnoten, ein Fakten- und Kommentarwust, der bisweilen die halbe Seite einnimmt, zur Wahrheitsfindung nur sehr bedingt beiträgt. Lesbar ist dieser Text nicht, lediglich bei belastbarer Wertschätzung für Herrn Kraft sollte der Versuch unternommen werden.

Nick Hornby ist vermutlich ein passabler Zeitgenosse, mit dem man gern einmal ein paar pints heben würde, schreiben kann er allerdings nicht. Seine Romane sind so gewöhnlich, wie die Essays geschwätzig und hier – in der Literatur-Kolumne mit dem herausragend bescheuerten Titel "Gute Seiten, schlechte Seiten" – macht er keinen Unterschied. Er quatscht unentwegt auf den Leser ein ("Mann, über Seymours Augen will ich echt nichts wissen.").

Lichtblicke gibt es dennoch, denn es wächst ja das Rettende auch, wo selbst Wolfgang Joop übers Bilderkaufen schwadronieren darf. Obwohl ich eigentlich Artikel über Automobil-Design aus religiösen Gründen ablehne (unrein, haram, ein Greuel), hat Peter Richters Bericht über den Design-Standort Pforzheim jene Eleganz und den Charme, den das Bisherige vermissen ließ. Und auch Illies überzeugt mit einer emphatischen Würdigung eines bewegten Lebens. "Graf Cool" lautet die Überschrift, aber nicht Snoopy ist gemeint, sondern Harry Graf Kessler, dessen Tagebücher jüngst bei Klett-Cotta erschienen sind.

In einem Porträt wird der polnisch-stämmige afrikanische Künstler Tonio Trzebinski gewürdigt, Niklas Maack besorgt dies nicht ohne Pathos und romantischen Gestus, schließlich wurde der Maler nach einem abenteuerlichen Leben unter mysteriösen Umständen ermordet.

Amélie von Heydenbreck schließlich stellt den jungen polnischen Maler Zbigniew Rolgalski vor, es ist dies wohl der didaktischste Text des Magazins, geschrieben im Duktus klassischer Bildbetrachtung. Da wird auch einmal "lustvoll [ …] ein Verwirrspiel betrieben" und eine "Distanz" ist selbstverständlich eine "ironische". Aber genau das gefällt mir ja, ich will belehrt werden.

Monopol aber will Lustlektüre sein, Alternativen zum reinen Rezensionsfeuilleton bieten und sieben Euro kosten.