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Die Box



April 2002
Thomas Vorwerk
für satt.org


Bill Viola:
Going Forth By Day
2.2.02-5.5.02
Ort:
Deutsche Guggenheim
Unter den Linden 13
10117 Berlin
Eintritt: 3/2 Euro
Montags Eintritt frei

Links:
Guggenheim
Bill Viola



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Bill Viola

Going Forth By Day

Bill Viola: Der Weg

Bill Viola im: Deutsche Guggenheim
vom 2. Februar bis 5. Mai 2002

Das »Deutsche Guggenheim« zeichnet sich als Kunstgalerie vor allem dadurch aus, daß man wegen der nicht eben üppig bemessenen Ausstellungsräume zumeist im Museums-Shop mehr Zeit verbringt als in der eigentlichen Ausstellung. Bei der Video-Installation des Amerikaners Bill Viola sollte dies anders sein.

Beim Betreten des Raumes steht man bereits im Licht eines der Video-Beamer, die »Feuer-Geburt« zeigt Bilder zwischen Embryoaufnahmen und Lavaströmen, zugegebenermaßen diejenige der vier Wände, die der Besucher im weiteren Verlauf am wenigsten intensiv studiert. An der linken Wand ein langgezogenes Waldpanorama (zumindest, wenn der linke Beamer funktioniert), das von unzähligen Personen durchschritten wird. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Gesellschaftsschichten machen sich auf den »Weg«, tragen dabei teilweise erstaunliche Gepäckstücke mit sich (Was durch die Besucher der Ausstellung, die sich zumeist in der selben Richtung bewegen und mitunter diese seltsamen Stehhocker mit sich führen, noch verstärkt wird …).

Am Kopf des Raumes eine Häuserfront, frisch renoviert und voller Stuck. Auch hier sind die Leute in Bewegung, doch wenn man länger und genauer hinschaut, sieht man etwa, wie der ältere Mann im abgewetzten Anzug immer wieder einen neuen Stapel von Büchern von links nach rechts trägt. Das Treiben wird immer geschäftiger, schließlich strömen auch Menschen aus der Haustür, wie in Panik, immer schneller. Es folgt dann jener Effekt, der auch den jüngeren Besuchern der Ausstellung viel Freude macht, doch ich will die Überraschung nicht verderben.

An der letzten, abermals langen Wand sogar zwei Videoprojektionen.

Links »Die Reise«: Ein Haus auf einem Hügel, ein Schiff am Grund des Hügels. Der Prospekt zur Ausstellung macht es viel klarer, als es mir wahr, was hier geschehen soll, doch ich kann dem Betrachter nur empfehlen, sich zunächst mal sein eigenes Bild zu machen, die beiden Bildteile (und alle fünf Projektionen) zueinander in Beziehung zu setzen.

Rechts »Das erste Licht«: Zunächst erscheint dieses bewegte Bild dem Betrachter am langweiligsten, doch insbesondere die Veränderung des Farbspektrums am (offensichtlich künstlichen) Himmel ist schon den Anblick wert und erinnert an das Godley & Creme-Video zu »Don’t give up« von Peter Gabriel und Kate Bush. Und auch hier gibt es einen gewissen Knalleffekt.

Fünf Bilder, die Geschichten erzählen, ohne dabei narrativ zu wirken. Eine Allegorie auf das Leben, aber auch eine Aufforderung, zu verweilen, und auf Details zu achten. Die zirka 35 Minuten langen Bildsequenzen beginnen gleichzeitig und wiederholen sich in einer Endlosschleife, sie ergeben ein Gesamtkunstwerk, das von Klang und Licht, Raum und Zeit lebt und das jeder für sich entdecken, erkunden und erleben kann. So lange er will. Ein eigentümliches, aber reizvolles Erlebnis irgendwo zwischen Museum und Kino, also wie geschaffen für den Rezensenten …