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Juli 2001
Anne Hahn
für satt.org



Anne Hahn:
Blub Blub

Aufgeschrieben anlässlich des Aufeinandertreffens von Verona Feldbusch und Alice Schwarzer in der Johannes B. Kerner Show.

Blub Blub

Ein Streitgespräch kam nicht zustande,
Alice Schwarzer und Verona Feldbusch
redeten aneinander vorbei.


»Brain trifft Body« hatte Bild getitelt. Alice Schwarzer trifft Verona Feldbusch in der Talkshow von Johannes B. Kerner. Um die Parallelen zwischen den beiden Frauen sollte es gehen. Das hatte sich der Moderator zumindest vorgenommen. Ihm gehören allerdings nur die ersten Augenblicke der 70minütigen Sendung. Weil viele Fans von Verona Feldbusch im Publikum sitzen, hält er es für nötig, Alice Schwarzer ausführlich vorzustellen. Die wirkt einigermaßen verblüfft ob seiner Frage, was die Emma-Chefin denn sonst noch so mache.

Das sei ja allgemein bekannt, erklärt sie, Bücher schreiben, in Talkshows gehen. Über Verona Feldbusch erfährt das Publikum, dass die vielbeschäftigte Werbedarstellerin neuerdings ein bisschen ausgepowert ist. Jetzt gehe es ihr aber wieder gut, erklärt Feldbusch. »Ich bin 58, und das ist auch gut so. Bei mir haben körperliche Beschwerden erst mit Mitte vierzig angefangen«, lässt Schwarzer verlauten. Und den Talkmaster fortan kaum noch zu Wort kommen.

Ihre Polemik ist gut vorbereitet, das Feindbild klar umrissen: die Inszenierung der gefügigen Frau. Kerner verharrt in der Beisitzerrolle, schaut selten, aber feierlich in die Kamera und wedelt hilflos mit seinen orangenen Kärtchen. Ein paar Fragen hat er also notiert. Aber die passen nicht zu den Antworten, die sich die beiden Gäste um die Ohren hauen.

Alice Schwarzer grätscht in Veronas Plappereien, und die pampt zurück. Vom Wissen der Männer sei sie beeindruckt. Das sehe man ja an ihrem ersten Ehemann, findet Schwarzer. »Dieter Bohlen«, kontert Feldbusch, »ist der absolute Vorzeige-Macho, wie Sie die absolute Vorzeige-Emanze sind, und ich nehm' auch gern die Barbie-Karte!« Lachen, Klatschen, Johlen. Unverständnis bei Alice Schwarzer. Das Publikum honoriert Feldbuschs Humor, dessen Charme Schwarzer verschlossen bleibt.

Feldbusch entschließt sich zum großen Statement. Ohne Rücksicht auf die deutsche Sprache erklärt sie Schwarzer: »Wir alle wollen doch die Welt verändern. Jeder auf seinem Platz. Da kann doch nicht einfach eine Frau daherkommen und sich immer über den Dingen stellen.« Was diese natürlich nicht auf sich sitzen lässt. »Ich sage den Frauen gar nichts!« Darauf Feldbusch: »Och, das finde ich aber nett von Ihnen. Es geht doch den ganzen Tag, kämpft, verändert euch, geht raus.« Schwarzer bleibt nur der strategische Rückzug. »Ich glaube, Verona, was das Mundwerk angeht, da stehen wir uns in Flottheit nichts nach.« Diese setzt noch eins drauf: »Das ist aber sehr optimistisch von Ihnen, na gut, ich lasse Sie gerne ausreden.«

Nun kommen Alice Schwarzer Bedenken über den Sinn der abendlichen Gesprächsrunde. Von »Kirmesveranstaltung« spricht sie, und dass sie Verona gern ein »kleines bisschen« ernster nehmen würde. Und Verona Feldbusch erklärt der Schwarzer noch mal »ganz langsam«, wie sie das in der Bild mit dem »Body« gemeint hat . »Na, ich ging davon aus, dass die mich meinen mit 'Brain'«, sagt sie, und Schwarzer antwortet: »Moment mal, ach so, Sie wollten einen Witz machen!?« »Ja, den hat nur keiner verstanden.«

Eigentlich ist Verona Feldbusch sehr gut zu verstehen. Was sie sich an diesem Abend zerstört, ist das Image einer Frau, die klüger ist als ihre Inszenierung. »Geballte Intelligenz auf kleinstem Raum« oder »Hier werden Sie geholfen« - waren Synonyme für witzige Werbestrategien, Sprachspiele und Selbstironie. Es stand jedoch zu vermuten, dass sich Verona Feldbusch diese Slogans nicht selbst ausgedacht hatte. Und nun das. Von Alice Schwarzer zunehmend in die Ecke gedrängt, gibt Verona ihre Deckung auf, pöbelt, wo sie nicht weiterkommt.

Den Anstoß zu diesem Treffen gab die kritische Bemerkung von Schwarzer, dass Verona Feldbusch »eine einzige Ohrfeige für uns Frauen« sei, die sie auch in direkter Konfrontation nicht zurücknimmt. Sie versucht, zwischen der Medienfigur Verona Feldbusch und der Privatperson (die sogar ihre eigenen Konten führt - glaubt Frau Schwarzer) zu unterscheiden. Feldbusch findet das zu kompliziert und behauptet, »was ich darstelle, das bin ich doch!« Und nach Sätzen wie »Schauen Sie mich an, das bin ich, das ist mein Body, mehr ist da nicht!« wissen wir Bescheid. Leider. Da sitzt also keine Verona zu Hause auf dem Sofa und lacht sich tot über die Werbebraut, die blub blub macht. Verona Feldbusch ist das ganz normale Dummchen, das gerne schäkert und kokettiert. Das ist traurig und peinlich.

Alice Schwarzer will nicht aufgeben. Sie versucht an einem eingängigen Beispiel der »lieben Verona Feldbusch« ihre Kritik an der Darstellung des »Weibchens« zu verdeutlichen. Kein schwarzer Amerikaner gebe sich mehr dazu her, den »Nigger« zu spielen, und kein Afro-Amerikaner könnte das tun, ohne den Zorn der gesamten Community auf sich zu ziehen. »Sie aber spielen das Weibchen.« - »Aber ich bin doch ein Weibchen«, erklärt Feldbusch und weist auf ihr tiefes Dekolleté.

Dann fällt ihr doch noch was ein. In einem Nebensatz macht Verona klar, dass sie nichts gegen Schwarze und Ausländer habe - wie schön. Also hat sie die »Nigger«-Parabel nicht verstanden. Sie ergänzt die Antwort mit dem Hinweis auf das Selbstbewusstsein der jungen Generation. Die wüsste ganz gut einzuschätzen, wie sie mit Werbung umgehen solle. Überhaupt sei ihre Werbung eigentlich ironisches Spiel. Also, wie denn jetzt?

Schwarzer bemerkt seufzend, dass man sich im Kreise drehe und begrüßt den Moderator, der jetzt eine Frage hat, mit den Worten: »Ach, der Kollege Kerner ist auch noch da!« Der Kollege Kerner will jetzt auf die Gemeinsamkeiten der beiden Frauen zu sprechen kommen und behauptet, beide hätten doch einen ähnlichen familiären Hintergrund, seien ohne Vater aufgewachsen. Nein, antworten alle beide. Meiner hat um die Ecke gewohnt und war immer für mich da, sagt Feldbusch. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen, die für mich Vater und Mutter waren, sagt Schwarzer.

Latente Bisexualität, das könnte die Parallele zwischen den beiden sein, hat sich Kerner beim Herumsitzen gedacht und fragt nach Freundinnen und sexuellen Ausrichtungen. Die Antworten geben nichts Sensationelles preis. Kerner resigniert. »Ich hätte ja gedacht, dass es eher Parallelen geben würde.« Wirklich? Am Ende steht das Lachen der Alice Schwarzer im Raum, entspannt prostet sie Verona zu und ruft: »Ich auch!« Aber der ist das Lachen vergangen.