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Die Box



Dezember 2002
Thomas Vorwerk
für satt.org




Euro-Collector Pocket-Edition
Nebel Verlag, Utting 2002

Euro-Collector

14,95 EUR
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Euro

Euro-Collector
Pocket-Edition

Ein Jahr gibt es den Euro, und neben den mitunter nervigen "Teuro"-Tiraden ist das erstaunlichste an der neuen Währung die aufkeimende Sammlerleidenschaft, die Jagd nach den ausländischen Versionen der Münzen, die auch mich ergriffen hat.

Als Comic-Sammler lernt man es schnell, sich mit Mylar-Tüten, Backer-Boards und "long boxes" auseinanderzusetzen, als Trading Card-Sammler weiß man zwischen Two-, Three- und Four-Ring-Bindern und Seiten für neun oder sechs Karten zu unterscheiden, und ähnlichen Sammlerbedarf gibt es natürlich auch für Telefonkarten-Jäger oder Philatelisten. Wahrscheinlich gibt es gar schon entsprechendes für die Freunde von Bierdeckeln, Streichholzschachteln und Kronenkorken.

Als mir ein entfernter Bekannter einen Satz irischer Euro-Münzen aus dem Urlaub mitbrachte, entdeckte ich auch, wie Numismatiker ihre Schätze zu archivieren pflegen, doch fehlte es mir am nötigen Ehrgeiz, derlei Sammelseiten auch für meine nichtirischen Münzen zu organisieren, und so kam mir dieses eigens für halb-ernste Sammler wie mich erdachtes Heftchen wie gerufen.

Im zweifach gefalteten Format 16 x 27 cm finden zwölf Achter-Sets jener wichtigen EU-Mitgliedsstaaten Platz, die eigene Euro-Münzen erstellten (die nur zu völlig überteuerten Sammlerpreisen erhältlichen Kleinstauflagen-Talerchen aus den Winzstaaten San Marino, Monaco und dem Vatikan wurden gnädigerweise außen vor gelassen). Dazu muß man nur die vorgestanzten Papp-Konterfeis der Münzen entfernen, und der "Euro-Collector" macht durchaus den Anschein, als würden die in die nun freigewordenen Öffnungen gedrückten Münzen nicht so schnell wieder herausfallen. Nachdem man seine kleinen Schätze dann gruppiert hat, kann man jederzeit auf einen Blick sehen, welche Münzen noch in der Sammlung fehlen und wie diese aussehen (falls man dessen bedarf und nicht schon lange eines der Poster aus der nächsten Sparkasse an der Badezimmerwand hängen hat). cent

So weit, so gut. Wer beabsichtigt, Münzen im Nennwert von fast 50 Euro in seinen Schrank zu stellen, kann sich auch kaum am Preis des "Euro-Collectors" stören, dafür braucht man eigentlich nur seine erfahrungsgemäß reichlich vorhanden doppelten Österreicher und Niederländer lockermachen. Und insbesondere mit der "Pocket-Edition" (die "Classic"-Version ist mit 30 x 50 cm etwas unhandlich) kann man dann seine Münzen hin und wieder zum Angeben irgendwohin mitbringen (Was aber natürlich das Einladen junger Frauen zur Begutachtung der hinreichend bekannten "Briefmarkensammlung" unnötig macht und stattdessen die alte Frage "Zu mir oder zu dir?" zurückbringt.)

Etwas enttäuscht bin ich jedoch vom ergänzenden Informationsheft. Zwar kann man hier in nicht weniger als neun Sprachen einiges erfahren, was durchaus von Interesse ist (Nicht "Sissi", sondern die Friedensnobelpreisträgerin von Suttner ziert den Ösi-Zweier, und wer hätte schon gewußt, daß zu den skurrilsten Motiven die finnische Sumpfhimbeere, portugiesische Siegel aus dem 12. Jahrhundert oder Marcus Aurelius auf seinem Pferd gehören?), doch die vermeintlich kosmopolite Aufmachung dünkt mir ziemlich lieblos, insbesondere das Bestreben, tabellarisch aufgeführte Angaben zu den Mitgliedsstaaten durch Symbole darzustellen, die ohne Blick auf die Legende nur schwer auszumachen sind, erscheint ziemlich unausgegoren.

Fazit: Für Gelegenheitssammler oder als Weihnachtsgeschenk (am besten natürlich bereits gefüllt …) durchaus zu gebrauchen, doch bei weitergehendem Interesse vermisst man einige Kleinigkeiten, dann beispielsweise würde man ja vielleicht auch wissen wollen, welche Motive man vermisst, weil man kein Set aus San Marino sein eigen zählen kann. Aber wer weiß, welche neuen Euro-Münzen auf den Markt kommen, wenn die ersten Königshäupter das Zeitliche segnen oder sich doch noch einige Länder entschließen, beim Euro mitzumachen. Dann gibt es vielleicht eine zweite, verbesserte Auflage …