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Die Box



Juni 2002
Frank Willmann
für satt.org




Fußball-WM 2002
Sport-Klause:

Ein Kneipenwirt
erlebt die WM
oder
die WM in der Kneipe
Bier/Ball
www.sport-klause.de
Das offizielle WM-Logo

Im Dienste des Gastes

Ein Kneipenwirt erlebt die WM
oder
die WM in der Kneipe



Jeden Morgen sechs Uhr wird Joachim “Schuppe” Fischer von seinem freundlichen Wecker darauf hingewiesen, dass es Zeit ist, sich auf die Socken zu machen.
Meist hat er dann nur ein Mützchen Schaf hinter sich, selten kommt er vor zwei Uhr in die Federn.

Schuppe ist Wirt und dieser Tage eine Spezies, die mit frappant wenig Schlummer auskommen muss.
Als “körperlich mittelstark geschwächt” bezeichnet er selbst seinen aktuellen Fitnesszustand.
Nach einem eiligen Frühstück zu Haus springt Schuppe zu Bäcker und Fleischer, holt die neuesten Tageszeitungen und bereitet frische Brötchen für die Gäste zu.
Auch von seiner Gemahlin Manuela gekochte Soljanka, sowie Bouletten mit Kartoffelsalat, selbstredend hausgemacht, geraten dem Gast und Freund des runden Leders zur Gaumenfreude.

Pünktlich acht Uhr öffnet er die Pforte seiner “Sport-Klause” in der Tieckstrasse 1a in Berlin-Mitte, und schon nach kurzer Zeit hat sich eine Fracht unbedingter Fußballkenner eingefunden, um die morgendliche Übertragung der WM-Spiele live zu verfolgen.
“Von acht Uhr dreißig bis etwa neun Uhr laufen Säfte, Kaffee und heiße Schokolade am besten. Danach wird schon mal am Bier gerochen, dann dauerts nicht lang, bis das erste Frischgezapfte bestellt wird. Ab der zweiten Halbzeit schwingt König Alkohol verstärkt das Zepter”.

Schuppe, im Nebenberuf Vorsitzender des Hansa-Rostock-Fanklubs “Berliner Fischköppe”, wirbelt als freundlicher Geist hinterm Tresen und versucht mit Kaffee, Orangensaft, vielen kleinen Mahlzeiten und Zigaretten fit zu bleiben.

Sein Publikum ist vielschichtig. Ihm ist jeder Gast, der sich “anständig benimmt”, willkommen. Verschiedene Typen sieht er als Bereicherung seines Horizonts. So wimmelt es in der “Sport-Klause” zur (An)Stosszeit u.a. von Bauarbeitern, die ihrem Bau davongelaufen sind, von bleichen Anzugträgern und schnieken Sekretärinnen der Start-up`s und Werbebüros um die Ecke, dem Schauspieler aus dem Berliner Ensemble, dem 80-jährigen Opi mit Spitznamen “Heidemörder” und vielen ausländischen Touristen, die von Schuppes Kneipe angelockt werden.

Meist geht es fidel zu, jeder gibt seinen Kommentar zum Spielgeschehen ab, selbst die angetretene Damenwelt ist nicht abgeneigt, zur angemessenen Stunde kluge Ratschläge unters Volk zu senden.

Gabriele über Winnie Schäfer:
“Er kann doch nix dafür, dass er gute Spieler bekommt”.

Anja zum Elfmetertor des Engländers
Beckham gegen Argentinien (Endstand 1:0):

“Ich hab von meinem Biologielehrer gelernt, einmal hacken ist besser als fünfmal gießen”.
Schuppe nimmt alles gelassen und waltet stoisch seines Amtes.
“ Meine Klientel reicht vom Sozialhilfeempfänger bis zum Bänker. Ansonsten kommen viele Ausländer rein, halt Berlin-Mitte. Ich hatte schon Japaner, Mexikaner, Spanier, Schweden, auch einen Kameruner, der schon gegen acht Uhr seinen ersten Whiskey trank, ja selbst ein Schotte mischt sich regelmäßig unter die Gäste”,
erzählt Schuppe, dem es Dank seines liebenswürdigen Wesens nicht schwer fällt, jeden WM-Gast freundlich zu empfangen.

Das 8:0 der Deutschen gegen Saudi Arabien war bisher laut Schuppe das schönste Spiel der Weltmeisterschaft. Im Endspiel wünscht er sich als Geschäftsmann Deutschland und England samt Wembleytor für Deutschland.

Der Fußball-Fan in ihm würde lieber Schweden gegen Deutschland spielen sehen, mit Deutschland als Weltmeister.
Enttäuscht ist Schuppe vom Abschneiden Polens. Als geborener Usedomer, das erklärt auch seinen Spitznamen, fühlt er mit dem Nachbarn. Auch Frankreich und Argentinien

“hinterließen bei der WM nur einen kleinen Pups, von den Schiedsrichtern ganz zu schweigen”.
Was ihm gefällt, sind die schönen Stadien und die Stimmung in Japan und Südkorea, und dann gibt es ja noch den Klose,
“den Vollbomber, der Deutschland ins Finale bringen wird” …
Die Sport-Klause




Schuppes “Sport-Klause”
Tieckstrasse 1a
Berlin Mitte
www.sport-klause.de