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Die Box



Juni 2002
Frank Willmann
für satt.org




Fußball-WM 2002
Deutschland-Kamerun
11.06.02
Endstand: 2:0
Das offizielle WM-Logo

Winni Schäfer
Das Blonde unter der Sonne



Afrika ist seit jeher ein von der ersten Welt ausgebeuteter Kontinent. So nimmt es wenig Wunder, dass diese Wirklichkeit sich ebenso in der Welt des Fußballs wiederspiegelt.
Die guten afrikanischen Spieler wandern an die Fleischtöpfe der europäischen Klubs, eine Gegenwanderung expediert Trainer-Sondermüll aus der ersten Welt nach Afrika.
So wie es bisher fast jeder europäische Coach geschafft hat, aus Gold Scheiße zu machen, versucht sich gegenwärtig „Winnie“ Schäfer bei der Nationalmannschaft Kameruns. Winni Schäfer

Ein alptraumhaftes Szenario tut sich auf, wenn man an Schäfers Trainerkarriere in Deutschland denkt.
In den 80ern und 90ern wütete er selbstherrlich fast ein Jahrzehnt lang schön weit unten im Süden der Republik beim Karlsruher SC, den er, bis auf einen eher zufälligen Auftritt im Europapokal, im Mittelmass hielt und infolgedessen von einigen aufmüpfigen Fans freundschaftlich „Schweine-Winnie“ tituliert wurde.
Dann der Tritt in den Hintern, Winnie musste den Trainerposten beim gruseligen VFB Stuttgart antreten. Das führte im wackeren Schwabenland zu einer Massenerhebung, die Fans verweigerten die Nahrungsaufnahme und begannen ihre Bausparverträge zu kündigen!
Alsbald schritt die ehrwürdige Staatskunst ein, kurz darauf landete Winnie abermals auf der Strasse und war gerade dabei, sich dort häuslich einzurichten, als ein Ruf wie Donnerhall aus Berlin erschallte.
Die listige Göttinger Gruppe, die es sich zur schönen Aufgabe gemacht hatte, den traditionsreichen Berliner Tennisklub mit Fußballabteilung namens Tennis Borussia Berlin zu Grabe zu tragen, brauchte noch einen würdigen Exekutor.

Eilends steckte man Winnie einiges an Kleingeld zu, und der Winnie konnte schon nach einem Jahr Vollzug melden:
Mission erledigt, TB am Boden zerstört, statt Champions-League knobelte TB nun im Abstellraum der Oberliga Nordost.
Doch irgendwie wollte nach diesem Husarenstreich keiner mehr was von Winnie wissen.

Einsam saß er im Regen, gebeutelt vom bösen Unstern. Wenn man ihn einen Fußballplatz betreten sah, ließ man sofort die Doggen los.
Winnie trieb sich auf den zugigen Stadion-Tribünen der Welt herum, wedelte mit seinem kuscheligen Blondhaar, dackelte mit dem blauen Augenpaar und harrte aus.

Er harrte und hoffte.

Und so wie dauernder Tropfen den Stein höhlt, kam auch für Winnie die gute Fee in Erscheinung eines Trainervermittlers im schwarzen September des Jahres 2001 und überbrachte ihm, kurz bevor er sich als Würstchenverkäufer keinen Namen gemacht hätte, das Trainerpatent Kameruns. Spätestens jetzt konnte jeder Wettfreund Kamerun aus dem Kreis der WM-Favoriten ausradieren. Winnie würde ihnen schnellstens all das austreiben, was sie einmal groß gemacht hatte. Disziplin, Ordnung und andere Unzulänglichkeiten des Deutschen Blassfarbigen, machten binnen kurzem aus Kameruns stolzen, unbezähmbaren Raubtieren einen Haufen zahnloser Köter auf Stütze.

So erreichten sie bei der laufenden WM ein glückliches 1:1 gegen die Iren, und stümperten gegen Saudi-Arabien ein freudloses 1:0 über die Zeit.
Winnie scherte sich keinen Deut, er faselte von fehlender Disziplin, schüttelte die Mähne und zählte die Scheine.

Doch spätestens heute kommt für Winnie der Tag der Abrechnung.

Die Bundesrepublik Deutschland gewinnt 2:0 in einem Spiel ohne Glanz. Winnie bezieht seinen bestimmungsgemäßen Tritt und fliegt heim nach Ettlingen, den Spielern Kameruns hingegen empfehle ich einen Monat Reha-Klinik zur Entwinnieisierung.

Uns Freunden des runden Leders bleibt dann nur die Hoffnung, dass hilfreiche Geister Winnie vom Fußballplatz fernhalten. Nicht auszudenken, er geriete letztlich dennoch zum Wiedergänger und landete neben einem anderen Exemplar dieser angsterregenden Spezies, seinen furchtbaren Namen ich nicht auszusprechen vermag, auf der Trainerbank des ruhmvollen VFL Bochum …