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Marc Degens: Verführung der Unschuldigen. Roman





7. Oktober 2026
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Alte Liebe (Andreas Dresen)


Hope
(Na Hong-Jin)

Originaltitel: Hope, Südkorea 2026, Buch: Na Hong-Jin, Kamera: Hong Kyung-Pyo, Schnitt: Sunmin Kim, Kostüme: Cho Hee-Ran, Szenenbild: Lee Hwokyoung, Musik: Michael Abels, VFX-Supervisor: Kim Hanjoon, mit Hwang Jung-Min (Bum-Seok), Zo In-Sung (Sung-Ki), Hoyeon (Sung-Ae), Michael Fassbender, Alicia Vikander, Taylor Russell, Cameron Britton, 160 Min., Kinostart: 8. Oktober 2026

Ich kann mir viele Namen von koreanischen Regisseuren merken, aber bei Na Hong-Jin war mir zunächst nicht klar, dass ich seinen Film The Wailing kannte, auch interessant fand, aber mir das Thema nicht so lag. Diesmal geht es um eine Art außerirdische Invasion (ich wiederhole hier naheliegende Einschätzungen der Filmfiguren auf Ereignisse, über die man aber diskutieren könnte), so was liegt mir eher.

Zu Beginn des Films wird eine grausig zugerichtete Kuh gefunden. Die Gemeinde Hope Harbor, nahe an der demilitarisierten Zone, ist stark überaltert, die noch fitten Anwohner, ob Polizisten oder eher zwielichtige Gestalten, machen sich auf die Suche, einen vermeintlichen Tiger zu erlegen (obwohl jedermann recht schnell klar ist, dass das kein Tiger sein kann.

Die Handlung folgt zunächst vor allem dem Polizisten Bum-Seok (Hwang Jung-Min, der war auch schon in The Wailing mit dabei. In koreanischen Filmen mit einem gewissen Action-Faktor gibt es gern Helden, Schurken, aber auch Tölpel. Ich würde nicht soweit gehen, Bum-Seok der letzten Gruppe zuzuordnen, aber er scheint durch die Situation anfänglich ziemlich überfordert.

Die gefühlt erste Stunde des Films dreht sich um die Entdeckung des monströsen Aliens. Hier bei durchstreift Bum-Seok mal zu Fuß, mal mit Auto, die Ortschaft, und entdeckt zerstörte Häuser und Straßen, Tote und Verletzte, aber der Alien bleibt immer unsichtbar. Daraus wird im Film sogar ein Witz, denn beim ersten Zusammenstoß ist Bum-Seok der einzige, der das Monstrum nicht sieht.

Das ist inszenatorisch gut gemacht und unterhaltsam, aber mit der Zeit verlieren die spektakulären Kulissen ihren Schauwert, und dann folgt eine überlange Verfolgungsjagd mit dem Auto, bei dem ein Großteil der Bewegung sich in einem Hin und Her erschöpft. Wenn ein Auto von einem geübten Fahrer beherrscht, rasante Wendungen vorführt, ist das nur so und so lang interessant.

Nebenbei lernt man auch andere Personen kennen, am spannendsten ist die junge Polizistin Sung-Ae (Hoyeon, bekannt aus Squid Game), die unerschrocken gegen den Alien kämpft, aber nebenbei auch als Pflegerin arbeitet (wodurch sie auf Umwegen mehr über die Bedrohung erfährt).

Der Film arbeitet auf mindestens drei Ebenen. Da gibt es die Action-Handlung, die leider immer mehr in Richtung eines typischen Egoshooters mit Autos abdriftet (Ich habe Grand Theft Auto nie gespielt, aber wenn da die Prostituierten mit Aliens ausgetauscht werden, könnte es ähnlich ablaufen).

Dann ist da die langsame quasi-detektivische Ermittlung um alles, was irgendwie mit den Aliens zu tun hat. Es bleibt nicht bei dem einen, die Aliens sind nicht einfach nur blutrünstig oder so, sondern haben ihre eigenen sozialen Beziehungen zueinander.

Dieser Alien-Plot hält die Action am Laufen, entwickelt aber auch eine eigene Dynamik. Und ist im letzten Drittel des Films der Kern einer... ich nenn's mal Genre-Wandlung

Und dann geht es noch um die Menschen in Harbor Hope. Die Alten spielen eine gewisse Rolle (ich liebe das lange Gespräch der Polizistin mit einem greisen Augenzeugen, das entsprechend bestimmter koreanischer Vorlieben absurde Züge annimmt), aber es gibt auch so was wie eine "Heldenreise", die aber leider darunter leidet, dass die Hauptfiguren sich beim (ziemlich langen) Showdown irgendwie nicht mehr wie Menschen verhalten, sondern wie Figuren in einem Videospiel, die zum Beispiel ohne Probleme kilometerweit laufen können, solange der Zocker am Joystick es so fordert.

(Nein, es gibt in diesem Film keinen "Zocker am Joystick", aber für mich ergab diese physische Eigenart der Figuren im Zusammenspiel mit einer gewissen Ästhetik einfach diesen Eindruck vom Film.)

Von den Schauspiel-Weltstars, die in diesem Film auch eine Rolle spielen (und sie sprechen weder Koreanisch, noch quatschen die Koreaner mit ihnen auf Englisch), will ich gar nicht sprechen. Die sind auch eine tolle Idee, aber Hope schafft es einfach nicht, mit durchaus guten Ansätzen und Ideen, einer Menge Action, Spektakel und Humor, die 160 Minuten Laufzeit nicht irgendwann wie ein ausgekautes Kaugummi erscheinen zu lassen.

Und das, obwohl mir das Thema ja durchaus liegt.

Ich kann nicht drauf schwören, aber ich glaube, wenn es nach dem ersten Drittel des Films nicht so dauerhaft auf Adrenalin-Befeuerung weitergegangen wäre, und der Film nach zwei Stunden vorbei gewesen wäre, kann mein Eindruck eigentlich nur besser ausfallen.

Verfremdetes Bild

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Kleiner Hinweis in eigener Sache: Auf Initiative des Film-Redakteurs (aber im allgemeinen Interesse des satt-Teams) haben wir uns entschieden, die Verwendung von Bildmaterial bei Filmkritiken deutlich herunterzufahren. Die aktuelle Herangehensweise ist vielleicht nur eine Zwischenlösung, der vergleichsweise arbeitsaufwändige Witz läuft Gefahr, sich abzunutzen.