Für immer 16
(Brezel Göring)
Deutschland 2026, Buch: Brezel Göring, Lit. Vorlage: Françoise Cactus, Kamera: Stephan Holl, Kostüme: Brezel Göring, SchauspielerInnen, Musik: Brezel Göring, Stereo Total, mit Lilith Stangenberg (Charlotte), Chang Wang (Oskar), Mücke (Helena), Twiggy (Rudolph), Anton Garber (Taxifahrer), 74 Min., Kinostart: 27. August 2026
Françoise Cactus und Brezel Göring waren einst das Kern-Duo innerhalb der Berliner Underground-Chanson-Punk-Band Stereo Total. Und auch privat ein Paar. Cactus verstarb 2021 und hinterließ ein posthum veröffentlichtes Textkonglomerat, zu dem auch ein Romanfragment namens "Lebenslänglich vierzehn" gehörte. Brezel, der zwischenzeitig Musikvideos drehte und Theaterstücke und Hörspiele inszenierte, verfilmte nun dieses Werk unter dem geringfügig geänderten Titel "Für immer 16". Der Grund für die Titeländerung hat nichts mit Jugendschutz zu tun, "Für immer 16" ist einfach der Titel eines existenten Songs von Stereo Total, und wenn der Film ohnehin das musikalische Repertoire räubert, schadet ein wenig Publicity für den back catalogue ja nicht.
Kernhandlung: Ein Trio, das zu Jugendzeiten kleine Filmchen drehte, sich aber zerstritt, findet wieder zusammen und knüpft an die alten Zeiten an. Charlotte (Lilith Stangenberg) ist mittlerweile ein gefeierter (und wohlhabender) Schauspielstar, was nur ein Grund für direkt wiederaufgenommene Feindseligkeiten und Eifersüchteleien ist. (Die Urlaubsbekanntschaft Rudolph spielt da aber auch eine Rolle.)

© Rapid Eye Movies
Die eine Kernprämisse des Films ist, dass sie nicht wirklich dazugelernt zu haben scheinen. Die zweite führt auch zum künstlerischen Film-im-Film-Prinzip, denn durch erneute Filmaufnahmen will man einen langweiligen gemeinsamen Urlaub etwas aufpeppen.
Wobei das etwas obsolete Super8-Material, mit dem die drei bevorzugt arbeiten, auch die Wahl ist, die der "äußere" Regisseur Brezel Göring fällt. Die Filmfotos zeigen das "gestochen scharfe" Ergebnis, aber noch schwerer wiegt, dass Super 8 halt ohne Ton aufzeichnet. Und so wird reichlich Musik von Stereo Total druntergeschnitten, und die eigentümliche Nachsynchronisation prägt das filmische Erlebnis.
Oder direkter gesagt: Das euphemisiert vielleicht "naiv" zu nennende film malking innerhalb der Handlung wird auch durch das Ergebnis der ... und ich verwende den Begriff nicht gern ... "professionellen" Dreharbeiten gespiegelt.

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Für immer 16 durchlief tatsächlich das Prozedere der hierzulande üblichen Filmförderung, aber angesichts der evidenten production values kann man sich die Förderung überzogen gesagt so vorstellen:
"Okay, hier habt ihr 'nen Hunni, macht was draus! Aber wenn was übrig bleibt, wird das unaufgefordert zurückgegeben, klaro!? Und keine Mätzchen!!
Ein paar Beispiele aus dem Film:
(Vorsicht, zunehmend deutlichere Spoiler in dieser Aufzählung!)
- Die aufdringliche Männlichkeit der Filmfigur Oskar wird zu einer Witzfigur, weil er von einer zierlichen kleinen Asiatin (Chang Wang) mit einem krakelig aufgemalten Schnurrbart gespielt wird.
- Oskar zeichnet sich auch durch eher gewollte Sprachfehler aus ("Lebenschmittel", "Scharlotten", "Depetzionen").
- Bei den Urlaubsaufnahmen entdeckt man zwischendurch Einstellungen, die unterschiedlich auffällig klar in Berlin aufgenommen wurden.
- Im Film-im-Film spielt Charlotte die männermordende "Demenzia", die am Strand diverse Kerle (alle gespielt von Rudolph) umbringt. Wenn sie auf eines ihrer Opfer einsticht oder einschlägt, ist das Timing gefühlt immer eine Viertelsekunde daneben. Natürlich mit Absicht.
- Es kommt dann auch zu einem Todesfall, der eher außerhalb des fiktiven Drehs stattfindet. Mit krassen Anschlussfehlern, was zum Beispiel tomatenhaltige Blutspuren angeht...
- Wenn dann später ein ermittelnder Polizist auftaucht, ist nicht nur dessen "Uniform" interessant, er wird auch ebenfalls von Twiggy, dem Darsteller des Rudolph gespielt.

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Jeder, der schon mal selbst einen Film gedreht hat (und sei es zu Schulzeiten oder für Youtube) wird hier an die eigenen Fehler erinnert werden. Und das ist allein schon sehr unterhaltsam. Aber bei aller gewollten Dilletanterie hat Für immer 16 auch Momente, in denen man erkannt, dass Brezel Görings Werk durchaus Ambitionen und erkennbare filmische Vorbilder hat. Über Jean-Luc Godard weit hinaus!
Aber man muss sich darauf natürlich einlassen. Als Filmkritiker habe ich in meiner aktiven Zeit auch viele unglaublich schlechte Filme gesehen. Aber es gab fast immer auch Momente, die zumindest kurzfristig hochinteressant waren. Wer bei diesem Film immer nur rummeckert und nicht erkennt, dass das absichtliche Rebellieren gegen die Regeln des Filmemachen auch eine Qualität offenbart, der tut mir leid!

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In meiner persönlichen Jahres-Rangliste schafft es Für immer 16 knapp ins beste Drittel.
Ich habe übrigens noch einen VHS-Mitschnitt eines Films, den ich in der achten Klasse gedreht habe (es gab keinen Regisseur, wir haben da alle dran 'rum gebastelt). Meine liebste inszenatorische Idee des Films betraf eine Hochzeitsszene, bei der ich den Bräutigam spielte, und meine Filmbraut jetzt nicht so super prickelnd fand. Wir drehten die Szene dann aus der Sicht des Pfarrers, der über den Rand der Bibel hinaus auf uns als Paar blickte, und nachdem er dann proklamierte "ihr dürft euch jetzt küssen!" hob er die Bibel weit genug an, so dass sie den vermeintlichen Kuss verdeckte.
PS: Birgit war damals ähnlich *heiß* darauf mich zu küssen wie umgedreht. So viel Ehrlichkeit muss sein. Aber die Bibelidee kam 100 Prozent von mir. Alles kann die Kreativität beflügeln...