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12. November 2025
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Predator: Badlands (Dan Trachtenberg)


Predator: Badlands
(Dan Trachtenberg)

Originaltitel: Predator: Badlands, USA 2025, Buch: Patrick Aison, Story: Patrick Aison, Dan Trachtenberg, basierend auf Figuren von Jim Thomas und John Thomas, Kamera: Jeff Cutter, Schnitt: Stefan Grube, Dan Trachtenberg, Musik: Sarah Schachner, Benjamin Wallfisch, Production Design: Ra Vincent, Supervising Art Directors: Andy McLaren, Adam Wheatley, Kostüme: Ngila Dickson, Set Decoration: Gareth Edwards, Senior Prosthetic Artist / Creature FX: Carly Marr, mit Elle Fanning (Thia, Tessa), Dimitrius Schuster-Koloamatangi (Dek, Njohur), Michael Homick (Kwei), Rohinal Nayaran (Bud) u.a., 107 Min., Kinostart: 6. November 2025

Die letzten 3, 4 Predator-Filme gingen irgendwie an mir vorbei, darunter u.a. der mit Adrien Brody und Prey vom auch hier zuständigen Regisseur Dan Trachtenberg. Davon hatte ich nur die ersten zwanzig Minuten auf Pro 7 gesehen, und offenbar wollte er schon da das testosteron-geschwängerte Action-Franchise mit weiblichen Co-Stars etwas auffrischen. Nach einer US-indigenen Kriegerin ist es mit der eher zierlichen Elle Fanning nicht nur ein aus dem anderen Monster-Scifi-Franchise quasi entlehnter Weyland-Yutani-Android, sondern auch früher oder später so was wie eine (Überlebens-)Partnerin für den Alien-Jäger (meines Wissens ein neuer Handlungskniff).

Aber ich starte mal mit dem Anfang des Films: Auf Yautja Prime, dem Heimatplaneten der uns als "Predator" bekannten Aliens, durchlebt ein vermeintlich schwacher junger Krieger den Prüfungs-Ritus, den jeder Yautja bestehen muss, ehe er sich seinen "Cloak", also den bei typischen Yautja-Aktivitäten sehr hilfreichen Tarnmechanismus, verdient.

Yautja are prey to none.
Friend to none.
Predator to all.

Predator: Badlands (Dan Trachtenberg)

© 2025 20th Century Studios. All rights reserved.

Der junge Krieger wird von seinem älteren Bruder ganz schön hart rangenommen, denn innerhalb des Yautja-Kodex ist jede Form von Schwäche etwas, was ausgemerzt werden muss. Das bekannte Sprichwort "Jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied" gilt auch für Yautja-Klans, mit der Schlussfolgerung, dass man die vermeintlich schwachen Glieder auch mal "entfernt", die Stärke des Klans ist wichtiger als irgendeine Familienverbindung. So hat es der Vater, ein Klan-Chef, seinen Söhnen immer vorgelebt. Aber wie man erst im harten Kampf der Brüder langsam erkennt, ist das Band zwischen den Brüdern etwas stärker als im Kodex vorgesehen.

Zumindest sind die beiden nicht ohne weiteres gewillt, den anderen Bruder (bei aller demonstrierten Härte) mal flugs über die Klinge springen zu lassen. Eine überflüssige Ausnahmeregelung, die der Vater mit martialischer Macht ausmerzen will, wodurch die beiden Brüder in einer ziemlich ungünstigen Grundsituation füreinander einstehen, was ungünstig ausgeht, und der Überlebende landet (Euphemismus!) auf dem "Todesplaneten" Genna, wo neben diversen tödlichen Gefahren auch der als "unkillable" geltende Kalisk lebt. Dek (Dimitrius Schuster-Kolomatangi) will mit der Trophäe dieses Monstrums zurückkehren, um seinem Vater zu beweisen, dass er einen Fehler gemacht hat.

Vorm Kalisk hat sogar sein Vater "Respekt", und auf Genna haben wohl schon diverse Yautja-Krieger vergeblich versucht, den legendären Strumm zu erlegen. Ich habe das jetzt mal einigermaßen ausführlich beschrieben, weil ich finde, dass die Saat für eine Figurenentwicklung schon recht clever gesät wurde.

Predator: Badlands (Dan Trachtenberg)

© 2025 20th Century Studios. All rights reserved.

Denn nach einigen mit knapper Not überlebten Begegnungen mit Wesen, die auf Genna deutlich unterhalb des Kalisk in der Nahrungskette eingeordnet zu sein scheinen (jede Menge spektakuläre Sci-Fi-Action) trifft Dek, abermals in sehr ungünstiger Situation, auf Thia (Elle Fanning), einen Android, der vielleicht seine einzige Chance bedeutet, sich aus einer lebensgefährlichen Notlage zu befreien. Nachdem das Problem gelöst worden konnte, besteht Dek darauf, dass Thia kein Partner sei, sondern er sie nur als "tool", also Werkzeug gebrauchen wird, also wie eine Schlagbohrmaschine, die ja selbst Arnie nutzt, wenn er mal nicht alles mit seinen bloßen Händen hinbiegen will.

Mit den "Synths" aus dem Alien-Franchise hat man ja mehrfach negative Erfahrungen gemacht, die Aufgabenstellung stand meist vor dem bonding mit z.B. menschlichen Co-Workern. Aber Thia wirkt schon außergewöhnlich teamfähig, auch wenn Dek sich von ihrem Charme nicht einwickeln lässt.

Nach der gefühlt ersten Hälfte des Films mit Action-Dauerbeschuss gibt es dann auch mal Gespräche, die natürlich zu der erzählten Geschichte gehören, die ich aber nicht als Schwäche sehe. Nicht zuletzt auch, weil ein bisschen Humor und "Hand-in-Hand" (keine Angst, Romantik spielt hier keinerlei Rolle!) eine gern gesehene Abwechslung sind zu dem Ehrenkodex-Gedöns und Macho-Gehabe.

Während ich diese Kritik schrieb, lief nebenbei in der Glotze eine Folge How I met your Mother, in der Marshall und Lily als prägenden Moment ihrer Beziehung mal den Original-Predator sehen. Da fällt auch ein Arnie-Zitat, das in etwa so lautet:

"If it bleeds, we can kill it."

Was Dek im Verlauf dieses Films lernen muss (zumindest bis zu einem gewissen Punkt) ist sowas wie "If I don't kill it, it may help me..."

In der einen Kritik zum Film, die ich las, wird von der Gefahr gesprochen, dass so eine Botschaft das Franchise (ja, sorry, das Wort schon wieder...) "schwächen" könnte. Lötzinn! Nicht erst im 21. Jahrhundert hätte man merken können, dass jede Form von community, von Partnerschaft, von Zusammenhalt... im Kern zukunftsweisender ist als irgendein blutiger Ehrenkodex irgendeines Klans.

Love trumps hate, no discussion!

Während sich im Film gaaanz laangsam so was wie eine Zusammenarbeit zwischen Dek und Thia entwickelt (und ich liebe die Momente, wenn das mal wieder verzögert wird), taucht eine indigene Kreatur vom Planeten Genna auf, die wie ein junger Menschenaffe mit großen Augen, viel Kraft und einer harten Schale wirkt. Auch der erweist sich Dek gegenüber mal hilfreich, Thia nennt ihn sogar "Bud" (kurz für buddy). Der spielt eine gewisse Rolle in der noch fragilen community, ist aber keineswegs ein "niedlicher Sidekick", der das Franchise irgendwie für ein jüngeres Publikum (well, it's Disney!) vorbereitet. So, wie "Bud" Arme abreißt, Köpfe abbeißt und dergleichen, ist er keineswegs kindertauglich.

Predator: Badlands (Dan Trachtenberg)

© 2025 20th Century Studios. All rights reserved.

Auch zwischen Dek und Thia sind die stärksten bonding-Momente die, wenn sie sich in blutrünstiger Brutalität (und der Wertschätzung dafür) ähneln.

Noch ein Punkt zum Thema Blut: Für die Altersfreigabe eines Films ist es durchaus von Vorteil, wenn nicht unzählige Menschen massakriert werden, sondern z.B. Zombies, Monster oder Roboter. In Predator: Badlands stirbt kein einziger Mensch, es kommt nicht mal einer vor. Aber macht es für das Publikum einen Unterschied, ob irgendwo im Dschungel ein Söldner schmerzhaft verblutet, oder ob ein Predator-Bruder stirbt? Wichtiger als die Farbe des Blutes ist ja irgendwie die emotionale Intensität. Kein Predator-Film drehte sich jemals um menschliche Schicksale jenseits eines body counts, und auch hier sind eine brutale Kampfidee oder ein etwas höhnischer Gag ca. 12 mal wichtiger als die subtilen Synergien einer patchwork family.

Aber die Saat ist gesät, und die neue Richtung ist eine nicht zur Diskussion stehende Verbesserung.