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7. Januar 2015
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Wild Tales: Jeder dreht mal durch! (Damián Szifron)
Wild Tales: Jeder dreht mal durch! (Damián Szifron)
Bildmaterial © 2014 PROKINO Filmverleih GmbH
Wild Tales: Jeder dreht mal durch! (Damián Szifron)
Wild Tales: Jeder dreht mal durch! (Damián Szifron)Wild Tales: Jeder dreht mal durch! (Damián Szifron)


Wild Tales: Jeder dreht mal durch!
(Damián Szifron)

Originaltitel: Relatos salvajes, Argentinien / Spanien 2014, Buch: Damián Szifron, Kamera: Javier Julia, Schnitt: Pablo Barbieri Carrera, Damián Szifron, Musik: Gustavo Santaolalla; Pasternak mit Darío Grandinetti (Salgado), María Marull (Isabel), Héctor Drachtman (Padre Pasternak), María Rosa López Ottonello (Madre Pasternak); Las ratas (Die Ratten) mit Julieta Zylberberg (Moza), César Bordón (Cuenca), Rita Cortese (Cocinera); El mas fuerte (Straße zur Hölle) mit Leonardo Sbaraglia (Diego Iturralde), Walter Donado (Mario); Bombita mit Ricardo Darín (Simón Fisher), Nancy Dupláa (Victoria); La propuesta (Die Rechnung) mit Alan Daicz (Santiago), Oscar Martínez (Mauricio), Germán de Silva (Casero), Osmar Núñez (Abogado); Hasta que la muerte nos separe (Bis dass der Tod euch scheidet) mit Erica Rivas (Romina), Diego Gentile (Ariel); 122 Min., Kinostart: 8. Januar 2015

Im Episodenfilm Four Rooms (1995) hat Quentin Tarantino einst Man from the South, eine der berühmten schwarzhumorigen Kurzgeschichten von Roald Dahl adaptiert, auf die auch schon Hitchcock für seine Fernsehserie Alfred Hitchcock presents immer wieder gerne zurückgriff (in der von Hitchcock produzierten Fassung derselben Geschichte spielten übrigens Steve McQueen und Peter Lorre mit). Geschichten wie die von Dahl, mit einem kleinen Twist zum Schluss (»Wir konnten das Baby retten! Es ist ein Junge, Frau Hitler!«) und immer auch ein wenig Blutvergießen haben vermutlich auch Damián Szifron zu seinem Episodenfilm in Eigenregie inspiriert.

Auf eine Inhaltsangabe der sechs einzelnen Episoden verzichte ich hier mal komplett, weil man eigentlich schon aufgrund der Roald-Dahl/Tarantino-Herangehensweise gut absehen kann, ob einen dieser Film gefallen wird. Wer sich zudem an den Rachefantasien eines Michael Douglas wie in Falling Down oder einer eskalierenden Familienfeier wie in Thomas Vinterbergs Dogma-Klassiker Festen erfreut, der wird auch hier auf seine Kosten kommen, wobei man nicht nur von den Geschichten und der Inszenierung her überzeugt, sondern nebenbei auch noch Kritik an typisch argentinischen Missständen übt, etwa am korrupten Rechtssystem. Ein richtiger Durchhänger ist eigentlich nur eine der Geschichten, und selbst die ist dann doch noch ganz passabel und interessant. Und ein bis zwei der »Wild Tales« haben wirklich Pointen, die auch Roald Dahl nicht verschmäht hätte.

Und als hätte ich mit Tarantino und Hitchcock nicht schon ausreichend Regielegenden des Mainstream-Spannungskino erwähnt, erinnert eine Episode auch noch an Steven Spielbergs Karrierebeginn Duel – nur eben viel kompakter und um einiges durchgedrehter – quasi in der »Itchy und Scratchy«-Version.

Relatos salvajos erfindet jetzt nicht das Rad neu oder revolutioniert die Filmgeschichte, aber für einen durchweg unterhaltsamen Kinoabend mit ein wenig exotischem Lokalkolorit (natürlich nur, wenn man die OmU-Fassung bekommen kann) ist das schon ein ziemlich hohes Niveau, weshalb auch die Einreichung für den »Auslands-Oscar« (bei den letzten neun war der Film noch im Rennen) durchaus in Ordnung geht.