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Die Box




7. Januar 2011
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Das Leben ist kein Heimspiel (R: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech)
Das Leben ist kein Heimspiel (R: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech)
Bildmaterial © Hoffenheim
Das Leben ist kein Heimspiel (R: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech)
Das Leben ist kein Heimspiel (R: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech)
Das Leben ist kein Heimspiel (R: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech)


Das Leben ist kein Heimspiel
(R: Frank Marten Pfeiffer, Rouven Rech)

Deutschland 2010, Kamera: Frank Marten Pfeiffer, Schnitt: Catrin Vogt, Musik: Schuhmann&Bach, mit Jochen A. Rotthaus, Dietmar Hopp, Thorsten »Torro« Hartl, Ingrid Kunkel, Norbert Kunkel u. v. a., 91 Min., Kinostart: 5. Januar 2011

Von 2006 bis 2009 verfolgten zwei Dokumentarfilmer, wie eines der Wunder der jüngeren Fußballbundesliga entstand, wie der vermeintliche Traditionsverein TSG 1899 Hoffenheim durch geschickte Geschäftsführung und finanzielle Unterstützung des umstrittenen Mäzens Dietmar Hopp erst in die zweite und dann die erste Liga aufstieg. Für den Film interessanter als die Spielergebnisse sind aber die Ereignisse im Hintergrund, die Planung von Werbestrategien, das Design des neuen Stadions (Zwiegespräch: »Blau ist eine kalte Farbe« --- »Es gibt nur eine Farbe!«), die Diskussion über das Stadionlied und die kleinen planerischen Probleme (»670 Parkplätze kann man nicht als 600 auf den Fragebogen schreiben!«).

Dabei stehen zwei Männer für entgegengesetzte Lebensentwürfe: Torro, ein Fan noch aus den Zeiten, als Hoffenheim nur ein kleiner Stadtteil-Verein der Kreisstadt Sinsheim war, freut sich zwar über die sportlichen Erfolge, steht aber ansonsten der Entwicklung eher skeptisch gegenüber. Plötzlich sprießen die Fanclubs wie Pilze aus dem Boden, und neue Emporkömmlinge reißen das Ruder an sich. Dynamische Erfolgsmenschen wie der Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus, dessen zukunftsweisende Vision man schon miterleben kann, wenn vom geplanten Stadion eigentlich noch nichts zu sehen ist, er aber mit den Filmemachern über die Wiese fährt und bereits weiß, wo das Tor stehen wird und wo sich die Damentoiletten befinden werden. In dramaturgisch durchaus überzeugender Weise erzählt der Film sowohl vom Aufstieg einer stadionnahen Tankstelle (wo die Profifußballer durchaus noch mal vor einem Auswärtsspiel einkaufen) als auch von der ablehnenden Haltung anderer Bundesligamannschaften (bzw. vor allem ihrer Fans). Geradezu zum Showdown gerät dann der Kampf darum, ob bei der großangelegten Aufstiegsparty auch die alteingesessenen Fans kommen werden (Dietmar Hopp lädt sie persönlich ein) oder ob man sich lieber im alten Vereinshaus ein paar Bierchen über den Durst reintut. »Früher waren es die Fans und die Spieler - Jetzt sind es die Kunden und die Produkte.«

Einige Szenen finde ich als Dokumentarfilm-Purist zwar bedenklich (man könnte auch sagen »unglaubwürdig« oder »inszeniert«), aber wer sich nur ein bisschen für Fußball interessiert, wird bei diesem Film auf seine Kosten kommen.