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Die Box




10. November 2010
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Somewhere (R: Sofia Coppola)
Somewhere (R: Sofia Coppola)
Somewhere (R: Sofia Coppola)
© TOBIS Film
Somewhere (R: Sofia Coppola)
Somewhere (R: Sofia Coppola)

Somewhere (R: Sofia Coppola)
Harris Savides (Kamera)
und Sofia Coppola (Regie)


Somewhere
(R: Sofia Coppola)

USA 2010, Buch: Sofia Coppola, Kamera: Harris Savides, Schnitt: Sarah Flack, Musik: Phoenix, Production Design: Anne Ross, mit Stephen Dorff (Johnny Marco), Elle Fanning (Cleo Marco), Michelle Monaghan (Rebecca), Chris Pontius (Sammy), Lala Sloatman (Layla), Kristina Shannon (Bambi), Karissa Shannon (Cindy), Romulo Laki (Romulo), Nunzio Alfredo »Pupi« D'Angieri (Pupi), Jordu Schell, Joey Rocket, Jack Firman jr. (SPFX Make-Up Artists), Benicio Del Toro (Himself), 98 Min., Kinostart: 11. November 2010

Seit ihrem ersten Drehbuch, damals noch zusammen mit ihrem Vater für dessen Beitrag zu New York Stories, hat Sofia Coppola in allen ihren Original-Drehbüchern (Kurzfilme mal ausgenommen) das Thema der jungen vermögenden Mädchen, das in einem oder mehreren Hotels wohnt, variiert. Dass man da auf autobiographische Bezüge kommt, ist kaum zu vermeiden. Und wahrscheinlich gibt es auch kaum einen Filmschaffenden, der wie sie die Atmosphäre solcher Hotels - oder des Lebens in einem irgendwie irrealen Raum - beschreiben und wiedergeben kann. Die Frage, die sich aber stellt, ist: Wie lange kann sie ihr Publikum damit zufriedenstellen? Durch das Alternieren der Originaldrehbücher mit den Adaptionen (The Virgin Suicides und Marie Antoinette) fällt es vielleicht nicht ganz so auf, und es gibt ja auch einige Regie-Großmeister, die eigentlich immer wieder den selben Film gedreht haben (Hitchcock, Ozu oder Bergman, in unterschiedlicher Deutlichkeit, aber aufgrund ihrer umfassenderen Werke nicht wirklich vergleichbar), aber ungeachtet der vielen Preise, die sie gerade für Lost in Translation (u. a. Drehbuch-Oscar) gewann, wundert man sich doch über die vielen Déjà-vu-Momente beim Betrachten ihres neuen Films. Stephen Dorff ist ein wenig jünger als Bill Murray, und es geht auch nicht um eine vernachlässigte junge Ehefrau, sondern um seine 11-jährige Tochter, aber die gediegene Hotelwelt rund um den Presserummel eines Hollywoodstars ist sehr ähnlich. Da geht es wieder um überflüssige Blockbuster (damals spielte Anna Faris das blonde Dummchen, diesmal muss sich Michelle Monaghan mit ihrem Co-Star herumärgern), Telekommunikation innerhalb strapazierter oder zerrütteter Beziehungen (damals per Fax, diesmal per SMS), musikalische Betätigungen gegen die Langeweile (damals Karaoke, diesmal Guitar Hero oder wie das heißt), und sogar die Erfahrungen mit käuflicher Erotik sind ähnlich surreal und eher komisch (mehr will ich hier im Voraus gar nicht verraten).

Doch bisher ist dies dennoch ein Vergnügen. Coppola arbeitet mit einem subtilen feinsinnigen Humor, scheut sich aber auch nicht, mal deutlich zu werden (eines der ausführlichsten Gespräche zwischen Vater und Tochter dreht sich natürlich um Twilight), hat ihr ganz persönliches Erzähltempo, aus dem sie aber großes Kapital schlägt (die ersten fünf Minuten des Films sind so minimalistisch wie hypnotisch), und wenn die einzige Message des Films sein sollte, dass der Sinn des Lebens ist, sich in möglichst großem Luxus immer im Kreis zu bewegen, so ist dies trotzdem tiefsinniger als der Großteil der Hollywood-Produktion. Selbst bei ihrem Vater (der übrigens wieder mitproduzierte) ist es lange, lange her, dass er völlig unbeirrt solch persönliche Filme drehte (auch wenn er dabei ab den 1980ern nicht immer so vom Erfolg verwöhnt wurde, siehe beispielsweise One from the Heart, The Cotton Club oder Tucker), und man kann nicht umhin, Sofia Coppola dafür zu mögen. Wie heißt doch jenes Sprichwort? »Schuster bleib bei deinen Leisten.« Und wenn man ein toller Schuster ist, warum sollte man dann versuchen, Brötchen zu backen? Außer natürlich, die Leute wollen keine Schuhe mehr, sondern Backwerk, aber wenn es soweit ist, kann man darüber immer noch nachdenken ...