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16. September 2010
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Ponyo - Das große Abenteuer am Meer (R: Hayao Miyazaki)
Ponyo - Das große Abenteuer am Meer (R: Hayao Miyazaki)
Ponyo - Das große Abenteuer am Meer (R: Hayao Miyazaki)
Bildmaterial © 2010 Wild Bunch / Universum Film
Ponyo - Das große Abenteuer am Meer (R: Hayao Miyazaki)
Ponyo - Das große Abenteuer am Meer (R: Hayao Miyazaki)
Ponyo - Das große Abenteuer am Meer (R: Hayao Miyazaki)
Ponyo - Das große Abenteuer am Meer (R: Hayao Miyazaki)


Ponyo
Das große Abenteuer am Meer
(R: Hayao Miyazaki)

Originaltitel: Gake no ue no Ponyo, Japan 2008, Buch: Hayao Miyazaki, Kamera: Atsushi Okui, Schnitt: Takeshi Seyama, Musik: Joe Hisaishi, Lieder: Fujioka Fujimaki, Künstlerische Leitung: Noburo Yoshida, mit den Original- / US- / deutschen Stimmen von: Yuria Nara / Noah Cyrus / Alina Freund (Ponyo), Hiroki Doi / Frankie Jonas / Nick Romeo Reimann (Sosuke), Tomoko Yamaguchi / Tina Fey / Anja Kling (Lisa), Jôji Tokoro / Liam Neeson / Christian Tramitz (Fujimoto), Yûki Amami / Cate Blanchett / ? (Gran Mamare), Kazushige Nagashima / Matt Damon / ? (Kôichi), Tokie Hidari / Cloris Leachman / ? (Noriko), Kazuko Yoshiyuki / Lily Tomlin / ? (Toki) Akiko Yano / ? / ? (Ponyos Schwestern), 101 Min., Kinostart: 16. September 2010

Im Presseheft heißt es: »Ponyo [...] ist das Anime-Kino-Highlight dieses Jahres, das bereits Millionen Zuschauer in aller Welt begeisterte.« Kunststück! Denn der Film ist bereits gute zwei Jahre alt, seit Disney vielerorts den Vertrieb der Ghibli-Filme übernahm, sind solche Verspätungen keine Einzelfälle. Das ist etwa so, als wenn Pepsi Bionade aufkauft, und plötzlich in den Regalen der Supermärkte öfters mal Bionade ausverkauft ist. Mit dem Unterschied, dass Bionade-Trinker nicht ohne weiteres auf die Idee kommen als Alternative Pepsi zu saufen, während die teilweise doch sehr jungen Zuschauer, für die etwa Ponyo gemacht wurde (auch, wenn sich auch Erwachsene daran erfreuen können), im allgegenwärtigen Kampf um die Gunst der Kinozuschauer genügend andere Zerstreuung finden. Und die wahren Ghibli-Fans sich nach immer neuen Startverschiebungen (nach dem geplanten Start im Oktober 2009 verschwand der Film zwischenzeitig mal ganz aus der Planung) längst die Import-DVD ausgeliehen oder bestellt haben.

Doch diese stiefmütterliche Behandlung ändert natürlich rein gar nichts an der Qualität des Films, die auch mit zwei Jahren Verspätung die momentan kaum vorhandene Konkurrenz in Sachen klassischer Zeichentrickfilm schlichtweg ausblendet.

Die Kurzinahltsangabe des Films dreht sich um ein »Goldfischmädchen, das davon träumt, ein Mensch zu werden« - und man mag sich mit Recht fragen, was zum Teufel denn ein Goldfischmädchen ist. Doch die Filme von Hayao Miyazaki sind nicht dafür gemacht, mit Worten erklärt zu werden, zumindest nicht mit wenigen, leicht verständlichen Worten. Ponyo heißt eigentlich Brunhilde und ist das größte vieler (größtenteils weiblicher) Geschwister, die durch eine Verbindung des Unterwasserzauberers Fujimoto mit einer Meeresgöttin entstanden. Und Ponyo hat das Gesicht eines Menschen (mehr oder weniger) und ist sehr neugierig, und so gerät sie in Küstennähe in Gefahr und landet in einem Marmeladenglas aus dem sie der fünfjährige Sosuke (das u wird eher vor als hinter dem s gesprochen) befreit. Daraus entwickelt sich eine Freundschaft über die Elemente hinweg, die an Hans-Christian Andersens kleine Meerjungfrau erinnert, hier aber schon deshalb andere Akzente bekommt, weil Fünfjährige andere Prioritäten haben als 17jährige. Und weil Ponyo größtenteils aus eigener Kraft immer wieder ihre Form ändert, aber als Goldfisch, als Mädchen und als Zwischenstadium immer liebenswert und ein großartiger Spielkamerad ist.

Wie so oft bei Miyazaki geht es auch um den Kampf größtenteils vergessener Mythologien gegen Industrialisierung und Umweltverschmutzung, und hier sorgt Ponyo unabsichtlich dafür, dass das Meer teils in einen Urzustand versetzt wird und nebenbei auf gefährliche Art ansteigt, was sowohl Sosuke und seine Mutter Lisa bedroht als auch Sosukes Vater, der auf einem Schiff von den seltsamen Geschehnissen überrascht wird. Und die Seniorinnen in dem Altersheim, von denen eine noch verlacht wurde, als sie sagte »Fängt man einen Fisch mit einem Menschengesicht, dann kommt ein Tsunami!«

Ponyo ist übrigens sehr viel geeigneter auch für jüngste Zuschauer als die dramatischeren und teilweise dunkleren Miyazaki-Filme Sen to Chihiro no kamikakushi oder Mononoke hime. Und auch im Character Design scheint man sich eher wieder klassischen Anime-Vorbildern anzunähern. Was aber das Vergnügen an diesem Zeichentrickjuwel nicht schmälert.

Ponyo hat mir übrigens noch weitaus besser gefallen als Summer Wars, aber jeder halbwegs informierte Filmfan weiß, dass Miyazaki-Filme ein Muss sind, und somit gibt es nicht schon wieder einen Animationsfilm als »Film des Monats«, sondern den eher übersehenen Fish Tank in der nächsten Woche. Der übrigens auch etwas mit den Abenteuern eines kleinen Mädchen mit der Unterwasserwelt zu tun hat. Nur ohne schillernd bunte Fische und eher für ein etwas größeres Publikum.