Anzeige:
Die Box




31. März 2010
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Greenberg (R: Noah Baumbach)
Greenberg (R: Noah Baumbach)
Fotos: Tobis Film
Greenberg (R: Noah Baumbach)
Greenberg (R: Noah Baumbach)
Greenberg (R: Noah Baumbach)


Greenberg
(R: Noah Baumbach)

USA 2010, Buch: Noah Baumbach, Kamera: Harris Savides, Schnitt: Tim Streeto, Musik: James Murphy, mit Ben Stiller (Roger Greenberg), Greta Gerwig (Florence), Rhys Ifans (Ivan Schrank), Jennifer Jason Leigh (Beth), 107 Min., Kinostart: 1. April 2010

Sein komödiantisches Potential konnte Ben Stiller zuletzt bei der Oscarverleihung im Na'vi-Kostüm unter Beweis stellen, doch wie so viele seiner komischen Kollegen (siehe etwa Jim Carrey in I love you Philip Morris) fühlt er wohl auch den Drang, zwischendurch mal ernste oder halbernste Rollen zu spielen, und damit zu zeigen, dass er nicht nur ein Witzeerzähler, sondern ein "ernstzunehmender" (im doppelten Wortsinn) Schauspieler ist.

Hier soll er als Roger Greenberg das Haus der in Urlaub gefahreen Kleinfamilie seines Bruders hüten und nebenbei mit dem Hund Gassi gehen, wobei er auf die als "Mädchen für alles" angestellte Florence trifft (Newcomerin Greta Gerwig ist Stiller mindestens ebenbürtig), und sich eine sehr komplizierte Beziehung entwickelt. Oder eben auch nicht, denn wenn Florence zögerlich einbringt "I just came out of a long relationship", korrigiert Roger "This isn't a relationship", was schon den Ernst der Angelegenheit und die zu erwartenden Probleme andeutet.

Roger hätte beinahe mal Karriere als Musiker gemacht, doch jetzt ist er meist damit beschäftigt, Beschwerdebriefe an große Konzerne wie Starbucks oder McDonald's zu schreiben. Theoretisch soll er auch eine Hundehütte für "Mahler" bauen, aber der Hund ist vielleicht sogar die Figur des Films, der das Schicksal am stärksten zusetzt ("I'm sorry your dog has AIDS!").

Noah Baumbach legt seinen Film ähnlich wie The Squid and the Whale irgendwo zwischen Komödie und Familiendrama an, doch diesmal hat man das Gefühl, dass der Film einerseits nicht komisch genug ist, und andererseits auch nicht "unkomisch" genug. Um wie bei Lourdes eine Analogie zu Lebensmitteln zu bemühen: das Popcorn ist weder richtig salzig, noch richtig süß, sondern irgendwie dazwischen. Auf der Berlinale lief der Film zeitlich nah zu Thomas Vinterbergs Wettbewerbsbeitrag Submarino, der ein ähnliches Problem hatte, nur noch eine Spur uninteressanter war. Ferner verbindet die beiden Filme die Band Duran Duran. Bei Submarino steht eine späte LP der Band irgendwo in der Wohnung herum, bei Greenberg will Roger mit Rio eine Party "beleben" (eine der besseren Szenen des Films, insbesondere, wenn man schon ahnt, wie die Reaktion sein wird, und die Vorfreude fast noch besser ist als das Resultat).

Laut Pressematerial hat Baumbach versucht, die Atmosphäre der L.A.-Filme von Paul Mazursky, Hal Ashby oder Robert Altman aus den 1970ern einzufangen, was ihm meines Erachtens aber nicht gelungen ist, denn Altman und Ashby waren selbst bei ihren fahrigsten Filmen niemals so uninteressant (für Mazursky will ich meine Hand nicht ins Feuer legen).

Womöglich ist der Film für Personen, die die Schauplätze in Los Angeles wiedererkennen, eine echte Offenbarung, aber das hilft mir auch nicht weiter. Der Soundtrack von James Murphy (von LCD Soundsystem) ist vielleicht noch das, was an diesem Film am ehesten im Gedächtnis bleibt. In Anlehnung an ein bekanntes Oscar-Wilde-Zitat sagt Greenberg mal "Life is wasted on people". Es ist viel zu einfach, dieses Zitat auf den Film (oder seine ignoranten Zuschauer) umzumünzen, und deshalb lasse ich es.