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Die Box




14. Oktober 2009
Friederike Kapp
für satt.org


  Away we go – Auf nach irgendwo (R: Sam Mendes)
Away we go – Auf nach irgendwo (R: Sam Mendes)
Bildmaterial © TOBIS Film
Away we go – Auf nach irgendwo (R: Sam Mendes)
Away we go – Auf nach irgendwo (R: Sam Mendes)
Away we go – Auf nach irgendwo (R: Sam Mendes)
Away we go – Auf nach irgendwo (R: Sam Mendes)


Away we go
Auf nach irgendwo
(R: Sam Mendes)

Originaltitel: Away we go, USA 2009, Buch: Dave Eggers, Vendela Vida, Kamera: Ellen Kuras, Schnitt: Sarah Flack, Musik: Alexi Murdoch, Kostüme: John Dunn, mit John Krasinski (Burt), Maya Rudolph (Verona), Jeff Daniels (Jerry), Catherine O’Hara (Gloria), Allison Janney (Lily), Jim Gaffigan (Lowell), Carmen Ejogo (Grace), Maggie Gyllenhaal (LN), Josh Hamilton (Roderick), Chris Messina (Tom), Melanie Lynskey (Munch), Paul Schneider (Courtney), Samantha Pryor (Ashley) Conor Carroll (Taylor), Bailey Harkins (Wolfie), Colton Parsons (James), Katherine Vaskevich (Katya), Jerome Walter Stephens (Ibrahim), Brianna Eunmi Kim (Cammie), Isabelle Moon Alexander (Annabelle), 98 Min., Kinostart: 15. Oktober 2009

“Freedom’s just another word for nothing left to lose”, heißt es in einem alten Song. Sam Mendes (American Beauty) nimmt das moderne Phänomen zunehmender Mobilität und abnehmender Bindungen als thematischen Rahmen für eine Episodenkomödie, in der er verschiedene Lebensentwürfe durchspielt. Die Protagonisten der einzelnen Episoden sind dabei schwankartig überzeichnet, was dem Komödiantischen nützt und dem Exemplarischen nicht schadet. Regie, Darsteller und Ausstattung überzeugen mit Hingabe an das eigene Tun und mit Liebe zum Detail.

Burt (Krasinski) und Verona (Rudolph) führen ein ungebundenes Leben – zumindest räumlich. Ein häßlicher alter Bungalow dient schon seit Jahren als Unterkunft, ein aus Studententagen verlängerter Zustand. Burt und Verona haben sich im Provisorium häuslich eingerichtet. Als Verona schwanger wird, kommen Zweifel. Wollen wir so leben? Wo soll unser neues Zuhause sein und wie soll es aussehen? Sind wir überhaupt in der Lage zu einem anderen Leben? (“Burt, are we fucked up? We have a cardboard window.”)

Beide sind Freiberufler, die ihre Aufträge von jedem beliebigen Ort aus erledigen können. Burts Eltern (Catherine O’ Hara, Jeff Daniels) – die einzige persönliche Bindung am Ort – verkünden fröhlich, daß sie sich nunmehr ihren Lebenstraum verwirklichen und nach Belgien auswandern wollen. Mist! Die Sinn- und Standortfrage gewinnt an Brisanz. Das Paar beschließt eine ausgedehnte Studienreise zu verschiedenen Bekannten und Verwandten auf dem nordamerikanischen Kontinent, auf der Suche nach einem Platz zum Leben und um zu sehen, wie es andere machen.

Da ist zunächst Veronas ehemalige Chefin Lily (Janney) in Phoenix, äußerlich immer noch eine gepflegte Frau, die sich zu einer zotigen Schießbudenfigur entwickelt hat und beständig lauthals Mann und Kinder zur Schnecke macht. Da ist die Professorin LN, vormals Ellen“ (Gyllenhaal), deren radikalesoterische Rechthaberei ein gemeinsames Abendessen auf das Schönste zum Entgleisen bringt. Da ist die glückliche Vorbild-Familie in Montreal mit den vielen glücklichen adoptierten Kindern – daß kein leibliches dabei ist, hat die Mami, Munch (Melanie Lynsky), jedoch nie wirklich überwunden. Da zeigt sich auch bei den übrigen Besuchen: Allerorts wird nur mit Wasser gekocht. Nirgendwo das ersehnte Idyll, das zum Bleiben einlädt, kein Ankerplatz für das umherschweifende Pärchen.

Geläutert durch ihre Erfahrungen, bestärkt durch die Imperfektionen der anderen finden Burt und Verona zu guter Letzt doch noch ihren Platz im Leben: das verlassene Familiendomizil aus Veronas Kindertagen. Das Haus am Fluß, Orangenbäume im Garten. (Doch, ehrlich!) There’s no place like home.