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Die Box




8. Juli 2009
Thomas Vorwerk
für satt.org


  La misma luna (R: Patricia Riggen)
La misma luna (R: Patricia Riggen)
La misma luna (R: Patricia Riggen)
Bilder © Senator Filmverleih
La misma luna (R: Patricia Riggen)
La misma luna (R: Patricia Riggen)
La misma luna (R: Patricia Riggen)


La misma luna
(R: Patricia Riggen)

Mexiko / USA 2007, Int. Titel: Under the same Moon, Buch: Ligiah Villalobos, Kamera: Checco Varese, Schnitt: Aleshka Ferrero, Musik: Carlo Siliotto, mit Adrian Alonso (Carlos “Carlitos” Reyes), Kate del Castillo (Rosario), Eugenio Derbez (Enrique), Maya Zapata (Alicia), Carmen Salinas (Doña Carmen), Angelina Peláez (Benita Reyes), Gabriel Porras (Paco), America Ferrera (Marta), Jesse Garcia (David), María Rojo (Reyna), Ignacio Guadalupe (Leonardo), Pailo Heitz (Billy), Mário Almada (Padrino), Ernesto D'Alessio (Oscar), Isaac Bravo (Chito), 106 Min., Kinostart: 9. Juli 2009

“Unter dem selben Mond”, aber dennoch weit voneinander entfernt sind die illegale Einwanderin Rosetta, die als Putzfrau und Nanny in den USA arbeitet, und ihr Sohn Carlos, der bei der Großmutter in Mexiko bleiben musste, zwar seinen Klassenkameraden teure Markenturnschuhe voraus ist, sich aber vor Sehnsucht nach seiner Mutter verzehrt. Wie diese Ferne und Nähe durch eine Parallelmontage eingeführt, ist eine der besten Ideen des Films.

Während Rosetta mit dem Gedanken spielt, den netten Security-Typen Paco zu heiraten (denn eine bösartige Chefin hat sie rausgeschmissen und ausgetrickst), macht sich der kleine Carlitos nach dem plötzlichen Tod seiner Oma auf den Weg in die Staaten, wobei er auf die “Hilfe” von Fixern, Schmugglern, Illegalen undsoweiter angewiesen ist.

Er träumt vom Mond, seine Mutter liegt neben ihm - der ganze Film hat etwas märchenhaftes an sich. Nur leider nicht im positiven Sinne. Carlitos lernt seinen Vater kennen, und der Zuschauer erfährt, dass sie ihren Hamburger ganz ähnlich bevorzugen. Doch wie bei allen sozialen Missständen, die man im Verlauf dieses Films kennenlernt, ist auch das Treffen mit dem Vater nur Staffage, ohne wirkliche Konsequenzen - zumindest für Carlitos, der süß, tapfer und manchmal clever ist - aber vor allem so harmlos und austauschbar wie der Film, der aus unerfindlichen Gründen nach fast zwei Jahren nun den Weg in die deutschen Kinos geschafft hat (auch eine Art Happy End), wo Dutzende andere Filme, die vielleicht nicht so süß sind, weiterhin draußen bleiben müssen, und kein neues Zuhause in deutschen Lichtspieltheatern finden. Das ist das größte Verbrechen innerhalb dieses auf Konflikte aufgebautem Film, bei dem diese Konflikte aber nacheinander wie Seifenblasen verschwinden. Die größte Lehre, die man aus dem Film ziehen kann, ist ein Song über Superman, der ja als Sohn des Planeten Krypton eigentlich auch ein illegal alien ist, gleichzeitig aber den amerikanischen Traum verkörpert, den man auch südlich der Grenze träumt. Wenn Superman so eine Karriere gemacht hat, dann sollte sie doch auch jedem einzelnen Mexikaner möglich sein - so das spanische Lied, das untertitelt ist. Es gibt nur ein Problem: Superman kann sich besser integrieren, weil er ja blond ist (!)

Innerhalb des Films gibt es einige Szenen, die durchaus interessant wirken (Rosettas Tanz mit Paco, Carlitos Treffen mit seinem Vater), und bei denen sich die Filmemacher(innen) durchaus Gedanken gemacht haben. Doch im Endeffekt und im Nachhinein betrachtet, wirkt La misma luna so mainstream-mäßig glattpoliert, dass einem die Galle fast so hoch kommt wie bei einem Film, der sich wirklich um Probleme kümmert und einen ob der Zustände auf diesem Erdball zweifeln lässt. Nur ist La misma luna eben kein Ärgernis wegen der angeprangerten Umstände, sondern wegen der Harmlosigkeit, wie sie hier dargestellt werden. Sicher will man als Zuschauer nicht, dass Carlitos in einem Kinder-Pornoring verschwindet und/oder seine Mutter niemals wiedersieht, doch wenn man den Zuschauern vor Augen führen will, was hier alles schiefläuft (und ich gehe einfach mal davon aus, dass dies zumindest Teil der Motivation hinter diesem Film war), dann sollte irgendetwas von diesen Missständen auch noch am Ende des Films präsent sein. Für mich machte der Film den Eindruck eines Verkehrsfilms für Vorschulkinder, der dann ungefähr so laufen würde: Ein Sprecher erzählt, dass man an der roten Fußgängerampel immer warten sollte, bis sie grün wird, dann noch mal links und rechts schauen, und dann zügigen aber bedachten Schrittes rüber. Da kommt der kleine Michael, ein süßer Fratz zur Ampel, sieht auf der anderen Straßenseite einen Hund / Clown / Eiswagen, und geht natürlich bei rot, schaut vielleicht noch kurz und sieht das Auto aber zu spät. Und dann kommt ein Schutzengel, blonder Superman oder was weiß ich, rettet ihn und setzt ihn beim Eiswagen etc. ab, sagt vielleicht noch “na na na” mit erhobenem Zeigefinger und bezahlt dann das Eis. Der Film ist zuende, die große Pause kommt, es ist heiß, und auf der anderen Seite der Straße steht ein Eiswagen. Das nennt man dann “Survival of the fittest”.

Ich bin mir nicht 100 % sicher, was ich eigentlich aussagen will, aber die Mittel dieses Films stehen für mich in keinem Verhältnis zu den Themen. Wenn man Verkehrsschutz betreiben will, sollte man keine Eis-Reklame drehen.