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Die Box




20. Januar 2009
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Bolt – Ein Hund für alle Fälle (R: Byron Howard & Chris Williams)
Bolt – Ein Hund für alle Fälle (R: Byron Howard & Chris Williams)
Bolt – Ein Hund für alle Fälle (R: Byron Howard & Chris Williams)
Bilder © Walt Disney Studios
Motion Pictures Germany
Bolt – Ein Hund für alle Fälle (R: Byron Howard & Chris Williams)
Bolt – Ein Hund für alle Fälle (R: Byron Howard & Chris Williams)
Bolt – Ein Hund für alle Fälle (R: Byron Howard & Chris Williams)
Bolt – Ein Hund für alle Fälle (R: Byron Howard & Chris Williams)


Bolt
Ein Hund für alle Fälle
(R: Byron Howard &
Chris Williams)

USA 2008, Originaltitel: Bolt, Buch: Dan Fogelman, Chris Williams, Musik: John Powell, Art Direction: Paul A. Felix, mit den Original- / deutschen Stimmen von John Travolta / Christian Tramitz (Bolt), Miley Cyrus / Luisa Wietzorek (Penny), Susie Essman / Vera Teltz (Mittens), Mark Walton / Axel Stein (Rhino / Dino), Malcolm McDowell / Lutz Riedel (Dr. Calico), James Lipton / Tom Vogt (The Director), Greg Germann / Axel Malzacher (The Agent), Diedrich Bader / ? (Veteran Cat), Nick Swardson / ? (Blake), J. P. Manoux / ? (Tom), Dan Fogelman / ? (Billy), Kari Wahlgren / ? (Mindy), Grey DeLisle / ? (Penny’s Mum), Tim Mertens / Wilfried Herbst (Bobby), Randy Savage / ? (Thug), 96 Min., Kinostart: 22. Januar 2009

Wie es sich für einen Disney-Film fast schon gehört, baut Bolt ganz auf den Stärken des Studios auf. So beginnt der Film mit der Adoption eines extrem süßen Hundes aus dem Waisenhaus (“Oh, ist der süß!”), um dann aber schon beim Vorspann (“5 Jahre später”) ganz auf die mittlerweile typischen Superhelden-Vorspanne à la Spider-Man zu rekurrieren - und man mag sich erinnern, dass einer der großen Erfolgs-Animationsfilme aus dem Hause Disney (bzw. dem übernommenen Tochterbetrieb Pixar) auch aus diesem Genre kam: The Incredibles. An die einem Realfilm durchaus ebenbürtigen Action-Sequenzen von The Incredibles nähert sich auch Bolt an - nur mit einem Unterschied: sie werden einem nicht für bare Münze verkauft, sondern sind nur Teile von Episoden einer Fernsehserie, in der der mit Superstärke, Supergeschwindigkeit, Hitzeblick und “Turbo-Beller” ausgestattete Superhund Bolt sein halbwüchsiges Frauchen Penny (die ein wenig an die Disney-Figur Kim Possible erinnert, und im Original von der Hannah Montana-Darstellerin Miley Cyrus gesprochen wird) immer wieder aus den Fängen des aufgrund seiner Katzenliebe ein wenig an den Bond-Schurken Blofeld gemahnenden Dr. Calico retten muss. Um Hunde-Darsteller Bolt zu Höchstleistungen anzuspornen, haben sich Produzenten und Regisseure überlegt, ihn gar nicht erst darüber aufzuklären, dass all seine Superkräfte erst durch Filmtechnologie entstehen und Penny niemals wirklich in Lebensgefahr schwebte. Und somit baut der Film auf einer Prämisse auf, die sozusagen Galaxy Quest um 180 Grad dreht. Hier sind es nicht außerirdische Zuschauer, die eine Fernsehserie als “historische Dokumente” fehldeutet, sondern ausgerechnet einer der Darsteller bildet sich ein, er sei ein Superheld.

Das humoristische Potential dieser Grundsituation ist offensichtlich, und so findet sich Bolt schnell in einem kleinen “Superteam”, das ihn (nur zum Teil freiwillig) dabei unterstützt, auf der Suche nach Penny den amerikanischen Kontinent zu durchqueren. Die eher zynische Katze Mittens wird von Bolt gleich als Bestandteil einer weltumspannenden Katzenverschwörung gesehen (er kennt nur die Katzen Calicos) und sozusagen als Geisel genommen, doch der füllige Hamster Rhino (in der deutschen Version “Dino”) ist ein riesiger Fan der Fernsehserie, der sogar die Filmmusik selbst beisteuert und somit in den diegetischen Bereich herüberrettet.

Bolt ist ein durchweg gelungener Animationsfilm für die ganze Familie, clever, spannend und sehr humorvoll. Die deutsche Synchronisation ist sehr gelungen, und auch die 3-D-Version des Films ist sehenswert, wenn auch die Brille bei der Pressevorführung Probleme bei der Darstellung feiner Lichtnuancen hatte, wodurch einige der liebevollen Animationen (man achte beispielsweise auf die wie handgemalt wirkenden Hintergründe) so wirken, als seien sie von bmp auf gif konvertiert worden.

Wenn Pixar das Nonplusultra des modernen Computer-Animationsfilms darstellt, so erreicht Bolt davon in der Animation 90%, in der Story 75% und bei den Figuren 60%. Der letzte Wert ist so gering, weil einige Nebenfiguren etwas schablonenhaft wirken, oder auch - wie “Mindy from the Network” - wie wiederverwertete frühere Figuren - in diesem Fall die Schneiderin aus The Incredibles. Aber der erste Non-Pixar-Film, den Pixar-Mastermind John Lasseter (inszenierte Toy Story, A Bug’s Life, Toy Story 2, Cars) produzierte, trägt sozusagen die Fackel der Qualität ins Haupthaus.