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10. Dezember 2008
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Der Tag, an dem die Erde still stand (R: Scott Derrickson)
Der Tag, an dem die Erde still stand (R: Scott Derrickson)
Der Tag, an dem die Erde still stand (R: Scott Derrickson)
Bilder © 2008 Twentieth Century Fox
Der Tag, an dem die Erde still stand (R: Scott Derrickson)
Der Tag, an dem die Erde still stand (R: Scott Derrickson)
Der Tag, an dem die Erde still stand (R: Scott Derrickson)


Der Tag, an dem
die Erde still stand
(R: Scott Derrickson)

USA 2008, Originaltitel: The Day the Earth stood still, Buch: David Scarpa, Buch des Originalfilms: Edmund H. North, Lit. Vorlage: Harry Bates, Kamera: David Tattersall, Schnitt: Wayne Wahrman, Musik: Tyler Bates, mit Keanu Reeves (Klaatu), Jennifer Connelly (Helen Benson), Jaden Smith (Jacob Benson), Kathy Bates (Regina Jackson), Jon Hamm (Michael Granier), John Cleese (Professor Barnhardt), Kyle Chandler (John Driscoll), Robert Knepper (Colonel), James Hong (Mr. Wu), John Rothman (Dr. Myron), Kinostart: 11. Dezember 2008

Robert Wises The Day the Earth stood still von 1951 war in der Zeit des kalten Krieges, in der sowohl die kommunistische Bedrohung als auch die Gefahren der Atomkraft dankbare Themen für die US-amerikanische Science-Fiction (sowohl im Film als auch in der Literatur) abgaben, eine echte Ausnahme in der Filmproduktion. Zwar stand auch hier die außerirdische Bedrohung als Platzhalter, doch ging die eigentliche Gefahr indirekt vom eigenen Land / Planeten aus, da der Gesandte Klaatu und sein unzerstörbarer und nahezu allmächtiger Roboter Gort nur auf die drohende Selbstvernichtung der Erde durch atomare Aufrüstung und den noch bis in die 1980er Jahre unvermeidbar erscheinenden Atomkrieg reagierten. Und so hatte der Film eine eher pazifistische Aussage, der allerdings die Angriffe des US-Militärs gegen Gort und die Verfolgung von Klaatu etwas gegenwirkten.

Im unvermeidlichen Remake ist dies ganz ähnlich, doch scheint der Widerspruch den Film hier geradezu zu zerlegen, den wo bei Wise (zumindest aus heutiger Sicht) vieles harmlos, naiv und liebenswert, aber durchaus stimmig wirkt, hat man bei der Neuverfilmung durch Scott Derrickson (The Exorcism of Emily Rose, Hellraiser: Inferno) ein wenig das Gefühl, als hätte man aus Outtakes von Roland Emmerichs Independence Day und John Carpenters Starman einen neuen Film zusamengepfriemelt. Bei dem ganz auf Keanu Reeves zugeschnittenen Streifen, den eine komplizierte Internet-Kampagne zum Megahype hochzüchten soll, hat man einerseits die riesigen Action-Effekte, auf die wohl einige testosteron-überfütterte Spätpubertäre stehen sollen, und andererseits die für ein weibliches Ziel-Publikum (das noch immer beim Anblick von Keanu weich um die Knie wird) konzipierte Geschichte der alleinerziehenden Mutter / Witwe (die Familiengeschichte ist etwas komplizierter als im Original), die sowohl durch ihr wissenschaftlich geschultes Gehirn als auch durch ihre ausgeprägte Gefühlswelt den gutaussehenden Außerirdischen “rumkriegen” soll, eine Rolle, auf die sich eigentlich jede Frau geschlechtspezifisch einstimmen können sollte, denn die großen Kriegstreiber sind ja zumeist Männer*. Doch wie mein Vergleich mit den Filmen von Emmerich und Carpenter klarmachen sollte, funktioniert das Remake so gar nicht. Die Beziehungskiste bleibt klinisch und keusch, Keanu / Klaatu ist mehr damit beschäftigt, seine Fähigkeiten zu demonstrieren, als sich auf einen echten Dialog einzulassen. Und die Kriegsmaschinerie wirkt zwar hilflos gegenüber dem hochgezüchteten Cylonen Gort, aber das hindert die Filmemacher nicht daran, sowohl die neuesten Errungenschaften des US-Militärs vorzuführen (inklusive Product Placement bis zum Abwinken) als auch die (in Trailern prominent gefeaturete) “Zersetzungswolke” Gorts, den wahrscheinlich unfreiwillig komischstens Aspekt des Films, denn was hier ganze Trucks in Sekundenschnelle verschwinden lässt, bis auf eine Ausnahme bei Menschen aber vor allem als um einiges später einsetzendes Nasenbluten visualisiert wird, zeigt man uns auch in vergrößerter Ansicht, und dabei sieht die Bedrohung aus, als hätte man Urzeit-Krebse (die aus “Yps mit Gimmick” oder der vorletzten Micky Maus) mit einer sehr kleinen Nagelschere gekreuzt.

Die drei Hauptdarsteller, Keanu Reeves, Jennifer Connelly und der kleine Jaden Smith (dessen Geschichten vom Vater, der als Soldat gegen die Außerirdischen gekämpft hätte, uns noch zusätzlich an Independence Day erinnern, wo Jadens Vater Will exakt so eine Rolle spielte) geben sich zwar redlich Mühe, doch gegen die immense Bilderproduktion, die aber oft peinlicher wirkt als manche uralte Spezialeffekte bei Wise, können sie nicht gegenankämpfen. Und nachdem eine der ersten Visualisierungen der Außerirdischen als Licht, das hinter einer Kathedrale hervorströmt, bereits sehr thematisch motiviert wirkte, versetzt man dem Film mit seinem allerletzten Dialog noch den Todesstoß: “It’s leaving.” - “No, he’s leaving.” Hierbei hat man nicht das Gefühl, dass der Außerirdische zum Freund wurde, dem man nun das männliche Geschlecht angedeihen lässt, nein, offensichtlich ist Klaatu nur der Zweitname von Jesus K. Christ. Geht in eine gutsortierte Videothek und holt euch das Original!

* Wenn auch in einem kurzen Nachrichtenclip während des Films mal Angela Merkel zu sehen ist, doch selbst die wirkt eher wie eine Schlichterin als eine Aggressorin, und ist mehr ein kleiner Erklärungsversuch für die Rolle von Kathy Bates als “Repräsentatorin des US-Präsidenten” - womöglich auch aufgrund des aktuellen Machtwechsels in den Staaten, den die Filmemacher so geschickt umgehen.