Anzeige:
Die Box




6. August 2008
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Zurück im Sommer (R: Dennis Lee)
Zurück im Sommer (R: Dennis Lee)
Zurück im Sommer (R: Dennis Lee)
© Senator Film
Zurück im Sommer (R: Dennis Lee)
Zurück im Sommer (R: Dennis Lee)
Zurück im Sommer (R: Dennis Lee)

Zurück im Sommer
(R: Dennis Lee)

Originaltitel: Fireflies in the Garden, USA 2008, Buch: Dennis Lee, Kamera: Danny Moder, Schnitt: Dede Allen, Robert Brakey, Musik: Javier Navarrete, mit Ryan Reynolds (Michael Taylor), Willem Dafoe (Charles Taylor), Emily Watson (Jane Lawrence), Carrie-Anne Moss (Kelly Taylor), Julia Roberts (Lisa Taylor), Shannon Lucio (Ryne Taylor), Cayden Boyd (Michael als Kind), Hayden Panettiere (Jane als Teenager), Ioan Gruffudd (Addison), Chase Ellison (Christopher Lawrence), Brooklynn Preoulx (Leslie Lawrence), George Newbern (Jimmy Lawrence), 100 Min., Kinostart: 7. August 2008

Im Wettbewerb der Berlinale lief Fireflies in the Garden wahrscheinlich, weil es sich zum einen um die erste U.S.-Produktion der lange angeschlagenen, aber momentan durchaus qualitativ mit einigen Majors vergleichbaren Senator AG handelt, und der Film zum anderen ausreichend Starpotential hat, um den roten Teppich zu schmücken (auch, wenn Julia Roberts dann doch etwas Besseres zu tun hatte).

Davon abgesehen ist man womöglich etwas überfragt, was ausgerechnet diesen Film ausgezeichnet haben mag, Fireflies in the Garden versucht zwar einige interessante Dinge, scheitert aber relativ komplett dabei, ein vermeintlich kompliziertes Zeitkonstrukt und eine vermeintlich tragische Familiengeschichte miteinander zu vereinen. Der erste Höhepunkt des Films ist ein Autounfall, bei dem die von Julia Roberts gespielte (und in den Anfangsszenen auf alt getrimmte) Figur der Mutter Lisa stirbt. Dies wird ausreichend vorbereitet. Während man bei einer anderen Autofahrt folkige Musik hört, gibt es im Auto, in dem Lisa von ihrem Gatten Charles (Willem Dafoe) gefahren wird, vor allem Fahrgeräusche zu hören, Charles fährt eindeutig zu schnell und kümmert sich mehr um den Rücksitz als um die Fahrbahn - parallel geschaltet gibt es eine frühere Autofahrt, bei der der gemeinsame Sohn Michael (Cayden Boyd, später Ryan Reynolds) hinten im Auto sitzt - und so überrascht der Unfall dann auch nicht wirklich. Was aber noch hilfloser von Buch und Regie wirkt, ist die hier erstmals auftauchende Uhrzeit 11:11 (manchmal zur Abwechslung auch mal 2:22), die während des Films immer wieder Zusammenhänge schaffen soll, aber einfach nur blödsinnig und esoterisch wirkt.

In einer ausgedehnten Parallelkonstruktion zeigt der Film fortan die Jugend Michaels mit dem in der Frühpubertät verwirrenden Einzug seiner nur einige Jahre älteren Tante Jane (Hayden Panetierre, später Emily Watson) und der Geburt seiner Schwester Ryne (später Shannon Lucio), sowie das verunglückte Familienfest Jahre später, bei dem Michael endlich seinen missratenen Vater konfrontiert und versucht, bei der nächsten Generation (Janes Kinder) etwas gutzumachen, was sein Vater bei ihm verkorkste. Durch eine übertriebene Gegenüberstellung des jungen Michael mit seinem in der späteren Zeitschiene etwa gleichaltrigen Cousin Christopher (die Familienverhältnisse sind komplizierter als die oft direkt artikulierten Seelenzustände), der dann irgendwann verlustig geht und von der kompletten Familie gesucht werden muss. Außerdem gibt es dann noch die völlig überflüssige Figur eines jüngeren Kollegen (Ioan Gruffudd) des Literaturdozenten Charlie, der mit seiner “Studentin” Lisa eine Affäre hat, was dann weitere Bewegung in das Familienkonstrukt bringt.

Vielleicht hat der Film auch zu stark unter seiner Synchronisation geleidet, bei der etwa der Gedichtvortrag des ebenfalls literarisch ambitionierten Sohns Michael wie ein extrem schlechtes Gedicht rüberkommt, bis man dann irgendwann spitzkriegt, dass Michael ein bekanntes Gedicht von Robert Frost als sein eigenes Werk ausgegeben hat, weshalb Vater und die zu Besuch gekommenen Dozenetnkollegen etwas seltsam reagieren. Oder es liegt daran, dass der hier als Hauptfigur in einem doch recht hochkarätigen Ensemble fungierende Ryan Reynolds (bekannt aus Blödsinnsfilmen wie Blade: Trinity oder dem überflüssigen Remake von Amityville Horror) in der Rolle des in sich gekehrten Literaten zu keinem Moment zu überzeugen weiß, und beispielsweise von seinem jüngeren alter ego auch ohne gemeinsame Szene mit Leichtigkeit an die Wand gespielt wird.

Dennoch gibt es im Verlauf des Films einige wirklich gute Szenen und Ideen, insbesondere die Ruhestörung bei der Beerdigung und Michaels Versuche, gemeinsam mit den Kindern seiner Tante dieser etwas zu verheimlichen, waren sehr unterhaltsam.