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13. August 2008
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Star Wars: The Clone Wars (R: Dave Filoni)
Star Wars: The Clone Wars (R: Dave Filoni)
Star Wars: The Clone Wars (R: Dave Filoni)
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Star Wars: The Clone Wars (R: Dave Filoni)
Star Wars: The Clone Wars (R: Dave Filoni)

Star Wars:
The Clone Wars
(R: Dave Filoni)

USA / Singapur 2008, Buch: Henry Gilroy, Steven Melching, Scott Murphy, Story, Figuren: George Lucas, Schnitt: Jason Tucker, Musik: Kevin Kiner, mit den Originalstimmen von Matt Lanter (Anakin Skywalker), Ashley Eckstein (Ahsoka Tano), James Arnold Taylor (Obi-Wan Kenobi / 4-A7 / Medical Droid), Dee Bradley Baker (Clone Troopers / Captain Rex / Cody), Tom Kane (Yoda / Narrator / Admiral Yularen), Nika Futterman (Asajj Ventress / Tee-C-Seventy), Ian Abercrombie (Chancellor Palpatine / Darth Sidious), Corey Burton (General Loathsom / Ziro the Hutt / Kronos-327), Catherine Taber (Padmé Amidala), Matthew Wood (Battle Droids), Kevin Michael Richardson (Jabba the Hutt), David Acord (Rotta the Huttlet), Samuel L. Jackson (Mace Windu), Anthony Daniels (C-3PO), Christopher Lee (Count Dooku), 98 Min., Kinostart: 14. August 2008

Irgendwann in den etwa drei Jahren zwischen Episode II und III finden die Klonkriege statt, ein historisches Ereignis der Star-Wars-Saga, das schon in dem Film von 1977, der angeblich schon damals Episode IV: A New Hope geheißen haben soll, mal am Rande erwähnt wurde. Inzwischen weiß man auch ungefähr, worum es in diesem Krieg ging: Unzählige Klone von Jango Fett ("Vater" des Kopfgeldjägers Boba Fett, der später Han Solo das Leben nicht nur zu Weihnachten schwer machen wird) kämpfen unter sachkundiger Führung der Jedi-Ritter gegen die zumeist aus Robotern bestehenden Armeen von Count Dooku (Christopher Lee).

Nun folgt der "erste Kinospielfilm" von Lucasfilm Animated, der eigentlich der Zusammenschnitt der ersten Episoden einer Fernsehserie ist (was man auch anhand der Dramaturgie leicht nachvollziehen kann). Hierbei baut man einerseits auf Konzepten einer früheren kurzen Zeichentrickserie auf, distanziert sich aber auch durch die 3D-Computeranimation und einen bewusst anderen Stil, den Lucas mal wieder als bahnbrechend und innovativ darstellt, er sich aber abgesehen von den interessant modellierten Versionen der größtenteils bekannten Figuren vor allem dadurch auszeichnet, dass die Mimik ziemlich hölzern erscheint, die Wange von Obi-Wan Kenobi bei Nahaufnahmen auf der Kinoleinwand aussieht wie das Detail eines sich bewegenden van Gogh- oder Munch-Gemäldes, und die Hintergründe aus unerfindlichen Gründen eher zweidimensional wirken und eine Farbpalette demonstrieren, die an die kitschigsten Momente der Star-Wars-Saga (oder Disneys Pocahontas) erinnern.

Als neue Figur wird die junge (laut Presseheft 14jährige) Ahsoka Tano eingeführt, die als Jedi-Schülerin (oder "Padawan") unter die Obhut Annakin Skywalkers gestellt wird. Rein graphisch wirkt sie interessant (orange Hautfarbe mit weißen Markierungen), doch durch die himmelblauen Augen wird der Alien-Effekt bereits etwas zunichte gemacht, denn der Heldenaspekt der Figur ist ähnlich wie beim extrem langweilig aussehenden Anakin offensichtlich wichtiger als die eigentliche, durchaus interessante Figur dahinter. Nun könnte man darüber mutmaßen, auf welche Art das Schicksal Ahsokas für die weitere Entwicklung Anakins ausschlaggebend sein sollte, doch abgesehen von einigen zu Beginn des Films auffälligen Demonstrationen seiner Arroganz löst sich die neue Serie laut ihren Machern ganz vom nachfolgenden, dunklen Kapitel der Saga ab, und präsentiert Skywalker als strahlenden Helden und Ahsoka als eine Art Bindeglied zwischen Anakin und Kenobi, da sie sowohl die Ungestümheit Anakins als auch die Geduld Kenobis bewundert, was immerhin zu einer interessanten Figurenkonstellation führt.

Leider ist eine Serie, in deren Titel nicht nur zweimal das Wort "Krieg" vorkommt, sondern beide Mal sogar in der Mehrzahl, meines Erachtens nicht unbedingt für ein doch eher junges Zielpublikum geeignet, insbesondere weil der Kriegsaspekt einerseits durch immer neue Schlachten und Kämpfe betont wird (wie man es ja aus Star Wars kennt), andererseits aber das Ganze völlig ohne Konsequenzen wirkt, weil ja größtenteils nur Klone gegen Roboter kämpfen (einige unter unterschiedlichen Namen fungierende Klone schieben sich zwar ein wenig in den Vordergrund, aber diese haben dadurch auch wieder eine höhere Lebenserwartung), während die menschlichen (und außerirdischen) Figuren im Kampfgetümmel offenbar keine Opfer zu befürchten haben (müssen ja größtenteils zu Beginn der Episode III noch alle gut beieinander sein). Noch schwerer wiegt aber, dass Lucas, der sich für seine Episode I schon einiges an Antisemitismus-Vorwürfen anhören musste (und das zurecht), nun auf dieser Längenwelle fortzufahren scheint, denn die erste Star-Wars-Figur, die mal zumindest andeutet, eine Sexualität zu besitzen, die über das übliche Kindergarten-Niveau der kompletten Saga (von den unzähligen Romanen und Comics, die ich nicht kenne, mal abgesehen) hinausgeht, Jabbas Onkel namens "Ziro, the Hutt", der eindeutig in Richtung Transe geht, ist natürlich nicht nur genauso fettleibig und übelriechend wie die ganze Sippe, sondern auch noch ein Verräter, was für den Film zwar keine große Rolle spielt, für mich aber noch ärgerlicher ist als das andauernde Geballer, die langweilige Figurenzeichnung oder der mir komplett schleierhafte Sinn hinter der ganzen Unternehmung (mal abgesehen vom Sinn, Kohle zu scheffeln). Der kontinuierliche Niedergang der Star-Wars-Franchise, wie man ihn seit Ende des 20. Jahrhunderts miterleben durfte, wird fortgeführt. Wenn man bedenkt, dass einzig drei der originalen Darsteller hier auch ihren animierten Versionen die Stimme leihen, wäre es wahrscheinlich interessanter gewesen, neue Abenteuer von Han Solo und Chewbacca zu erleben. Da hätten neue Figuren auch nicht das Problem gehabt, dass sie drei Jahre später von niemandem mehr erwähnt werden dürfen. Aber vielleicht bringt Lucas ja in zwanzig Jahren, wenn BluRay bereits veraltet ist und die nächste Generation von Tonträgern kommt, eine neue "Special Edition" von Episode III heraus, bei der auch mal Ahsoka einige Szenen bekommt wie dereinst Jabba nachträglich in Episode IV.