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Die Box




Januar 2008
Thomas Vorwerk
für satt.org


Das Beste kommt zum Schluss (R: Rob Reiner)
Das Beste kommt zum Schluss (R: Rob Reiner)
Bilder © 2007 Warner Bros. Ent,
Das Beste kommt zum Schluss (R: Rob Reiner)
Das Beste kommt zum Schluss (R: Rob Reiner)
Das Beste kommt zum Schluss (R: Rob Reiner)

Das Beste
kommt zum Schluss
(R: Rob Reiner)

Originaltitel: The Bucket List, USA 2007, Buch: Justin Zackham, Kamera: John Schwartzmann, Schnitt: Robert Leighton, Musik: Marc Shaiman, mit Jack Nicholson (Edward Cole), Morgan Freeman (Carter Chambers), Sean Hayes (“Thomas”), Beverly Todd (Virginia), Rob Morrow (Dr. Hollins), Alfonso Freeman (Roger), Rowena King (Angelica), Taylor Ann Thompson (The Most Beautiful Girl in the World), Alex Trebek (Himself), Kinostart: 24. Januar 2008

Während der Beginn des Kinojahrs von recht unerfahrenen Regisseuren der zweiten Generation wie Jason Reitman (Juno) oder Jake Kasdan (Walk Hard: The Dewey Cox Story) geprägt ist, gibt es auch ein Wiedersehen mit einem Regisseur der zweiten Geberation, der seine größten Zeiten hatte, als Ivan Reitman und Lawrence Kasdan noch aktiv waren und nicht ihre Söhne vorneweg schickten: Rob Reiner, der schon allein durch The Princess Bride und When Harry met Sally für viele Filmfreude eine Art Unsterblichkeit erreicht hat, dessen letzte Filme (The Story of Us, Alex and Emma, Rumor has it) aber allesamt deutlich hinter den Erwartungen blieben.

Das Drehbuch von The Bucket List soll ihn bereits nach zehn Seiten überzeugt haben, und das Casting von Jack Nicholson und Morgan Freeman dürfte eines der vielversprechenden Filmpaare sein, die noch mit 70 die Zuschauer in die Kinos ziehen können.

Soweit das Positive. Der eigentliche Film aber ist leider so formelhaftes Hollywood-Mainstream-Kino mit Taschentücher-Material an den mathematisch exakt berechneten Stellen, dass das erwartete Vergnügen größtenteils auf der Strecke bleibt. Jack Nicholson gibt mal wieder den kaltherzigen Millionär (vergleiche As Good as it Gets), der aber doch das Herz an der richtigen Stelle hat und aus einer aufgezwungenen Teilung eines Krankenhauszimmers (als Besitzer diverser Krankenhäuser hat er selbst den Grundsatz geschaffen, dass es keine Ausnahmen bei der Zimmerteilung geben dürfte) eine Freundschaft mit dem Automechaniker Carter (Morgan Freeman) schließt. Was aber zu großen Teilen auch damit zusammenhängt, dass beide mit Krebs im irreparablen Stadium diagnostiziert werden und noch sechs bis höchstens zwölf Monate Lebenszeit prophezeit bekommen. Aus der eher metaphorisch gedachten “Bucket List” Carters bastelt der stinkreiche Millionär Edward eine Art Spaßtherapie mit Dingen, die die beiden (größtenteils zusammen) noch erleben wollen, bevor sie dann den Löffel abgeben (oder auf englisch “to kick the bucket”).

Dies bedeutet Reisen nach Afrika und Ägypten, Feinschmeckereien in Frankreich, aber auch mal ein Autorennen oder Fallschirmspringen. Viele dieser Listeneinträge werden vom Drehbuch mit langer Hand vorangekündigt wie das Auto, das es dem Mechaniker immer angetan hatte, und das er dann auf einer Rennstrecke ziemlich unnötig misshandelt (einer der gröbsten Schnitzer im Drehbuch, der die Figur einfach für einen schlaffen Witz verrät [Man beachte auch den inkonsequent-seltsamen Einsatz von Glatzen zur Verdeutlichung der Chemotherapie]). Ich persönlich habe bis zuletzt damit gerechnet, dass der Jeopardy-Fan Carter sich irgendwann in einem Fernsehstudio wiederfindet, doch immerhin hat der Film auch einige nette Überraschungen (allerdings viel zu wenige) wie die Bemühungen des alternden Lustgreises Nicholson, “the most beautiful girl in the world” einen Kuss aufzudrücken.

Doch vieles ist einfach unerträglich bieder und die guten alten US-amerikanischen Familienwerte proklamierend, während selbst noch bei den nicht wenigen Kontakten des Millionärs mit Prostituierten immer seine “putzige” Restscham ins Spiel gebracht wird, die so verlogen wie vieles in diesem Film wirkt. Mit der Kitschgrenze hatte Reiner auch zu seinen besten Zeiten öfters ein Problem, doch damals hat er noch versucht, Geschichten auf neue Arten zu erzählen. The Bucket List ist ein Film, der die Inszenierung seiner Eckdaten wie auf einer Liste von Syd Field oder David Boardwell abhakt - dies aber für ein Publikum, das einfach nur Unterhaltung und ein bisschen Gemenschel erwartet, aber keinerlei Filmkunst. Nicht einmal auf geringem Niveau.