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Die Box




September 2007
Thomas Vorwerk
für satt.org


Zimmer 1408 (R: Mikael Håfström)
Zimmer 1408 (R: Mikael Håfström)
Zimmer 1408 (R: Mikael Håfström)
Zimmer 1408 (R: Mikael Håfström)
Zimmer 1408 (R: Mikael Håfström)
Zimmer 1408 (R: Mikael Håfström)

Zimmer 1408
(R: Mikael Håfström)

Originaltitel: 1408, USA 2007, Buch: Matt Greenberg, Scott Alexander, Larry Karaszewski, Lit. Vorlage: Stephen King, Kamera: Benoit Delhomme, Schnitt: Peter Boyle, Musik: Gabriel Yared, mit John Cusack (Mike Enslin), Mary McCormack (Lily Enslin), Samuel L. Jackson (Gerald Olin), Jasmine Jessica Anthony (Katie), Tony Shalhoub (Sam Farrell), Lee Margetts (Bellboy Noah), Alexandra Silber (Young Woman at Book Signing), Emily Harvey (Secretary), Noah Len Cariou (Father), William Armstrong (Clay), 94 Min., Kinostart: 13. September 2007

Mit einiger Regelmäßigkeit bringt Stephen King etwa alle 10 Jahre eine Sammlung von Kurzgeschichten auf den Markt, und es wird niemanden überraschen, daß auch bei diesen die Verfilmungsrechte mitunter begehrt sind. Man denke nur an die sogar mit (teilweise erschreckend schlechten) Sequels versehenen King-Verfilmungen Children of the Corn, The Lawnmower Man oder Sometimes they Come Back. Hier wirkt der Name King nur noch wie ein missverstandenes Gütesiegel, wie man es auch bei Produkten, an denen Hershel Krustowsky verdient, findet. Mit den ursprünglichen Kurzgeschichten haben die Filme manchmal nur noch wenig zu tun, und auch bei der 50-seitigen Story 1408 ist kaum ausreichend Stoff für einen abendfüllenden Film gegeben, doch diesmal waren die Drehbuchautoren immerhin werkgetreu genug, um das Füllmaterial aus anderen King-Geschichten zu übernehmen. So ist Zimmer 1408 im Buch eine enigmatische Entsprechung einer Vorhölle mit (in den Film übernommenen) Verweisen auf Dantes Inferno und einem (nicht in den Film übernommenen) australischen Sonnenuntergang, der es als Verweis auf den Lucifer in Neil Gaimans The Sandman beinahe in meine Magisterarbeit geschafft hätte. Im Film wird das Zimmer auch mit der Hölle in Verbindung gebracht, allerdings unter Zuhilfenahme der in der jüngsten Kurzgeschichten-Anthologie Kings direkt vor 1408 stehenden Geschichte mit dem etwas holprigen Titel That Feeling, You Can Only Say What It Is in French. Wie das im Film umgesetzt wird, ist nichts völlig neues, es hätte aber bei frühzeitiger Beendigung des Films aus diesem ein durchaus eigenständiges Werk erschaffen können. Stattdessen kämpfte man weiter, um die 90 Minuten zu füllen, und lässt beispielsweise das Zimmer sämtliche ausstattungstechnisch denkbaren Aggregatzustände durchleben (brennend, vereist, überschwemmt etc.) oder lässt den auf gruselige Locations abonnierten Schriftsteller Mike Enslin (John Cusack) versuchen, das Zimmer über den Mauervorsprung zu verlassen, wo alsbald störende Tauben auftauchen. Gab es auch schon als The Ledge bei King, verfilmt in Cat’s Eye.

Dann bekommt die Figur auch noch eine Exfrau und ein verstorbenes Kind, das ähnlich wie die Geister früherer Opfer des Zimmers (je nach Todeszeitpunkt in Schwarzweiß oder 50er-Jahre-Fernsehbildern) auch mal herumspuken darf. Die Geschichte versucht immer wieder, den Zuschauer zu überraschen, und wenig überraschend führt das zu einer “Mir-eigentlich-auch-egal”-Stellung des Betrachters. Am überzeugendsten ist im Film die Vorgeschichte und die Diskussion mit dem Hotelverantwortlichen (Samuel L. Jackson), die wie schon in der Short Story (hier betritt Enslin das Zimmer erst nach fast 30 Seiten) eine Spannung aufbaut, die das eigentliche Zimmer dann eigentlich mit geringsten Mitteln (“It’s only just begun …”) hätte erfüllen können. Positiv ist auch noch anzumerken, daß einige Plot Points für das Drehbuch verfeinert wurden, aber bei drei Schreiberlingen im Gegensatz zu King, der 1408 eigentlich nur als Anschauungsmaterial für sein Sachbuch On Writing ersann, darf man das vielleicht auch erwarten. Sowohl schauspielerisch (John Cusack ist klar unterfordert) als auch inszenatorisch (Mikael Håfström bleibt nach seinem US-Debüt Derailed klar hinter den Erwartungen) ist 1408 gelinde gesagt eine Enttäuschung. Aber verglichen mit einigen Vertretern des (noch) anhaltenden Horrorbooms ist der Film trotz seiner Schwächen noch überdurchschnittlich. Bei imdb kann man übrigens nachlesen, welche Zahlen, deren Quersummen 13 sind, und welche Verweise auf King im Film noch versteckt sind. Aber die Liebe zum Detail macht den Film nicht automatisch gut.