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Die Box




April 2007
Thomas Vorwerk
für satt.org


300 (R: Zack Snyder)

300 (R: Zack Snyder)

USA 2007, Buch: Zack Snyder, Kurt Johnstad, Michael B. Gordon, Comic-Vorlage: Frank Miller, Lynn Varley, Kamera: Larry Fong, Schnitt: William Hoy, Musik: Tyler Bates, mit Gerard Butler (Leonidas), Lena Headey (Königin Gorgo), David Wenham (Dilios), Dominic West (Theron), Vincent Regan (Hauptmann), Michael Fassbender (Stelios), Tom Wisdom (Astinos), Andrew Pleavin (Daxos), Andrew Tiernan (Ephialtes), Rodrigo Santoro (Xerxes), Kinostart: 5. April 2007

Comic-Verfilmungen boomen momentan, und seit Sin City boomen Verfilmungen nach Frank Miller besonders. 300 ist eine ähnlich werkgetreue Umsetzung wie Sin City, und wenn man bedenkt, daß diesmal mit Zack Snyder (Dawn of the Dead) weder ein besonders bekannter Regisseur dahintersteht, noch der Film die geballte Schauspiel-Star-Power von Sin City (u.a. Bruce Willis, Clive Owen) im Rücken hat, so sind der frühe Kult um den Film - und die US-amerikanischen Einspielergebnisse - ein kleines Phänomen.

300 (R: Zack Snyder)
300 (R: Zack Snyder)
300 (R: Zack Snyder)
Bilder © 2007 Warner Bros. Ent.
300 (R: Zack Snyder)
300 (R: Zack Snyder)
300 (R: Zack Snyder)
300 (R: Zack Snyder)

Während Superhelden-Comics meist auf ein etwa pubertäres männliches Publikum abgestimmt sind, hat man bei den entsprechenden Verfilmungen (Paradebeispiele sind die Spider-Man- und X-Men-Reihen) ganz klar auch das weibliche Publikum bedient und sogar Zuschauer erreicht, die wahrscheinlich im Leben noch nicht in ein X-Men-Comic hineingeschaut haben. Der Film 300 hat zwar eine weibliche Figur (die Königin Gorgo, gespielt von Lena Headey) etwas ausgebaut, doch zur Identifikation für ein weibliches Publikum lädt sie weniger ein als daß sie - ähnlich wie die meisten weiblichen Figuren in Sin City - doch eher Augenschmaus für das männliche Publikum ist. An einer Stelle scheint sie die politischen Fäden in der Hand zu haben, an einer anderen zeigt sie, daß sie genauso brutal morden kann wie ihr Gatte, doch daß mal ihre Brustwarze aus dem Kostüm blinzelt, scheint für die Figur fast wichtiger zu sein. Ein durch ein Laken mehr entblößt als verhülltes junges Orakel wirkt noch stärker wie eine Wichsvorlage, die wahrscheinlich beim DVD-Einsatz etwa genausooft wie die abgetrennten Köpfe in Zeitlupe bestaunt wird.

Das ist aber alles nur konsequent, denn auch der Comic besteht halt aus diesen Macho-Momenten, und auch, wenn die politisch unkorrekten Stellen ("philosophers and boy lovers") schon beim Erscheinen der Einzelhefte die Diskussion ebenso anfachten wie die mitunter historisch nicht immer verbürgten Inhalte, sind es natürlich die kernigen Sprüche ("tonite we dine in hell") und Kampf- wie Schlachtszenen, die den Comic schon beim Durchblättern im Laden und den Film bei Trailern und Werbeeinsätzen "verkaufen". Als entsprechung der (übrigens auch schon im Widescreen-Format angelegten) Comic-Bilder wird das Bild im Film immer wieder verlangsamt und eingefroren, was verdeutlicht, daß die Werktreue wichtiger ist als die Umsetzung in ein neues Medium - eben ganz dem Erfolg von Sin City nachempfunden - und die Rechnung scheint ja auch aufzugehen.

Ältere Kritiker (daß beispielsweise 60jährige Frauen durch den Trailer verleitet werden, sich diesen Film anzuschauen, erscheint mir unwahrscheinlich) finden natürlich vieles, was ärgerlich wirkt: Riefenstahl-Plateaus, fast allein durch die Herkunft vorgegebene Eiegnschaften wie gut gegen böse oder durchtrainiert gegen degeneriert. Was bei Miller noch Satire war (und Miller ist einer der größten Fans politisch unkorrekter Satire, er macht sich gerne über vegetarische Lesben etc. lustig), wirkt hier nur noch reaktionär und teilweise menschenverachtend (körperliche Defizite oder tuntige Attitüde sind hier gleichbedeutend mit einem Todesurteil).

Als Miller-Fan kann man den Film natürlich auch verteidigen (vor allem über die Konsequenz Werktreue, die von Lynn Varley übernommene Farbpalette etc.), doch selbst für den Fan wirkt der Musikeinsatz etwas plump, sind die Spezialeffekte weit entfernt davon, perfekt zu sein, und wirkt die ganze CGI-Location manchmal etwas peinlich. Und was weniger die Zombiefilmer-Herangehensweise Snyders als eben doch einen Schritt in Richtung Mainstream versinnbildlicht, sind die Momente im Film, an denen man sich an Gladiator (das wogende Weizenmeer) oder The Lion King (fast glaubt man gleich, Elton John "The Circle of Life" singen zu hören) erinnert fühlt. Und an diesen Stellen schüttelte es mich weitaus mehr als bei der Leichenmauer oder dem eimerweise über die Leinwand verteilten Filmblut. Schudder!

Als erklärter Fan von Frank Miller (auch, wenn ich nicht jeden seiner Comics mag) muß ich übrigens auch noch erwähnen, daß ich die Umsetzung typischer Miller-Bilder in eine dreidimensionale Computer-Schattenshow beim Abspann des Films (passend dazu gibt es auch nachempfundenes Maschinenlettering) ziemlich daneben fand. Wie oft bei Comic-Verfilmungen ist der Comic halt doch noch 'ne Spur besser - und den fand ich auch schon nicht berauschend.