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Die Box




März 2007
Thomas Vorwerk
für satt.org


Junebug (R: Phil Morrison)

Junebug
(R: Phil Morrison)

USA 2005, Buch: Angus MacLachlan, Kamera: Peter Donahue, Schnitt: Joe Klotz, Musik: Yo La Tengo, mit Embeth Davidtz (Madeleine), Alessandro Nivola (George Johnsten), Amy Adams (Ashley Johnsten), Ben McKenzie (Johnny Johnsten), Celia Weston (Peg Johnsten), Scott Wilson (Eugene Johnsten), Frank Hoyt Taylor (David Wark), 106 Min., Kinostart: 1. März 2007


Junebug (R: Phil Morrison)
Junebug (R: Phil Morrison)
Junebug (R: Phil Morrison)
Junebug (R: Phil Morrison)

Bei der Oscar-Verleihung gibt es ja immer einige Entscheidungen, die man nicht unbedingt nachvollziehen kann oder will. Daß Amy Adams vor zwölf Monaten nicht den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle erhielt, ist so ein Fall (Es gewann Rachel Weisz für The Constant Gardener). Da der dazugehörige Film Junebug jetzt erst mit zweijähriger Verspätung auch in Deutschland anläuft, wußte man dies damals noch nicht. Die von Amy Adams gespielte Ashley kommt einem zunächst wie eine nicht besonders helle, extrem begeisterungsfähige, hochschwangere Südstaaten-Dorfschönheit vor, deren Gegenpart die Galeristin Madeleine (Embeth Davidtz) darstellt. Madeleine hat in Chicago George (Alessandro Nivola) geheiratet, und verbindet nun das Scouting eines kauzigen (und politisch extrem unkorrekten) autodidaktischen Malers mit einem Besuch bei der Familie ihres Gatten. Ashley hat wiederum ihren Highschool-Freund Johnny Johnsten (Ben McKenzie) geheiratet, Georges Bruder.

Auf den ersten Blick könnten die zwei Frauen kaum unterschiedlicher sein, doch schon bei den ersten Dialogen sieht man neben dem verschieden ausgeprägten Hang zur Euphorie einige Ähnlichkeiten …

Ashley: "I'm pregnant."
Madeleine: "You're not!"
Madeleine: "I was born in Japan."
Ashley: You're not!"

Ashley hat sich als Mutter des zukünftigen Großkindes natürlich schon eingelebt bei der Familie Johnsten, Madeleine tut sich damit zunächst schwer, spricht ihre Schwiegermutter mehrfach mit dem falschen Namen an und zerbricht dann auch noch einen geliebten Wandschmuck - wofür Ashley aber sofort die Schuld übernimmt, so daß sich schon früh eine Bindung entwickelt, auch wenn die beiden nicht wirklich viel haben, worüber sie sich unterhalten können, da sie aus völlig unterschiedlichen Welten stammen.

Immerhin sind sie aber z. B. mit Brüdern liiert, die zwar auch recht gegensätzliche Charakterzüge haben, aber etwa (ahem!) gleich riechen ("You smell like George") …

Junebug gehört wie unser letzter "Film des Monats" Jagdhunde zum Genre der Familienkomödie, wobei es diesmal keinen Feiertag als Anlass zum Besuch gibt, und gerade die Südstaaten-Kleinstadt-Mentalität (Regisseur und Autor kommen beide aus der Gegend, in der gedreht wurde) detailliert beschrieben wird, ohne daß der Film sich über die Charaktere lustig macht. So spielt etwa die Religiosität eine Rolle ("God loves you just the way you are - but he loves you too much to let you stay the way you are") und anhand der Beziehung zwischen Ashley und Johnny wird beispielsweise durchdekliniert, daß man jemanden von Herzen lieben kann, aber gleichzeitig unfähig ist, dies zu zeigen (die Meerkatzen-Dokumentation …).

Jagdhunde und Junebug verbindet noch ein anderes Detail, das manche Zuschauer (zumindest im Fall von Jagdhunde) etwas aufzubringen scheint, in meinen Augen aber beide Filme veredelt, insbesondere Junebug, dessen Titel ich an dieser Stelle nicht erklären werde - jeder, der sich diesen großartigen Film anschaut, wird aber später nicht vergessen, wie es zu diesem seltsamen Titel kommt.