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November 2006
Thomas Vorwerk
für satt.org

Children of Men
UK / USA 2006

Children of Men (R: Alfonso Cuarón)

Regie:
Alfonso Cuarón

Buch:
Timothy J. Saxton, David Arata

Lit. Vorlage:
P. D. James

Kamera:
Emmanuel Lubezki

Schnitt:
Alex Rodríguez

Musik:
John Tavener

Production Design:
Jim Clay, Geoffrey Kirkland

Art Direction:
Ray Chan, Paul Inglis, Stuart Rose, Mike Stallion

Darsteller:
Clive Owen (Theodore Faron), Julianne Moore (Julian Taylor), Claire-Hope Ashitey (Kee), Michael Caine (Jasper), Chiwetel Ejiofor (Luke), Charlie Hunnam (Patric), Pam Ferris (Miriam), Danny Huston (Nigel), Peter Mullan (Syd), Oana Pellea (Marichka), Paul Sharma (Ian), Jacek Koman (Tomasz), Juan Gabriel Yacuzzi (Diego Ricardo)

114 Min.

Kinostart:
9. November 2006

Children of Men

Filmszene
Filmszene
Bilder © 2006 Universal Studios
Filmszene
Filmszene
Filmszene

Großbritannien, 2027: Die Erde trauert über den Tod des jüngsten Erdenbewohners, “Baby” Diego. Seit dessen Geburt im Jahre 2009 wurde kein Kind mehr geboren, die Zukunft der Menschheit könnte kaum hoffnungsloser wirken. Theo (Clive Owen), ein ehemaliger Menschenrechtsaktivist, wird von seiner Exfrau Julian (Julianne Moore), die inzwischen als Terroristin gesucht wird, kontaktiert, um ihr bei der Überführung eines illegalen Flüchtlings zu helfen. Über seine Verbindungen zur Bürokratie soll er ein Reisevisum für Kee (Claire-Hope Ashitay) organisieren. Wie Theo irgendwann herausfindet und es leider in jedem noch so kurzen Text über diesen Film bereits ausgeplaudert wurde, ist die junge Farbige schwanger, eine Sensation, die diesen Auftrag aber nicht ungefährlicher macht, denn in dem mal wieder totalitären bis faschistoiden Britannien im Bürgerkriegszustand (“The world has collapsed - Only Britain soldiers on”) hat man für solche “Fugees” nicht viel übrig - sie werden bevorzugt in Lagern gesammelt und deportiert. “Protect Britain - Report all illegal immigrants!”

Alfonso Cuarón ist hierzulane wahrscheinlich am bekanntesten durch den dritten (und nicht nur in den Augen von J. K. Rowling besten) Film der Harry Potter-Reihe, von ihm stammen aber auch der mexikanische Exportschlager Y tu mamá también und die Dickens-Verfilmung Great Expectations (mit Gwyneth Paltrow, Ethan Hawke und Robert De Niro). Wie schon dieser kleine Einblick in das Werk Cuaróns offenbart, wiederholt der Regisseur sich nicht gerne, sondern zeigt gerne sein Talent, unterschiedlichste Sujets erfolgreich zu verarbeiten. Children of Men basiert zwar auf einem Bestseller von P. D. James, doch Cuarón passte die Vorlage ganz seinen Wünschen an. In einem Interview (Tip 23/2006) sagt er:

„Nun ja, es gab dort unter anderem die Flüchtlinge nicht, in dem Buch ist Theos Freundin schwanger, und das Ganze spielt in einem relativ gediegenen Upperclass-Umfeld. Trotzdem möchte ich keineswegs die Qualität dieses Romans schmälern. Wahrscheinlich hätte man daraus auch ganz nah am Buch einen wirklich tollen Film machen können, nur hätte ich das eben nicht gewollt.”

Vom “Upperclass-Umfeld” merkt man höchstens noch am Anfang des Films etwas, doch selbst dort wird man als Zuschauer über Picassos Guernica bereits früh auf die Greuel des aktuellen Bürgerkriegs vorbereitet. Bombenanschläge, Überfälle wie aus Zombiefilmen, Panzergefechte und Todeslager. Statt sich um das Design modernistisch wirkender Autos zu kümmern, lässt Cuarón diese wie 70er Jahre-Käfer auf der Strasse verrecken und inszeniert seinen Film ganz in der klassischen Kriegsfilm-Atmosphäre: mit langen Einstellungen und Handkamera. Gleich zu Beginn des Films beweist der dreimal für den Kamera-Oscar nominierte Emmanuel Lubezki (The New World, Sleepy Hollow) bereits, wie man durch die Einstellungslänge Eindrücke erzielen kann, die sonst nicht möglich sind. Und wie auch im weiteren Verlauf des Films immer wieder über die heutzutage möglichen Tricks eine Authentizität aufgebaut wird, lässt selbst Spielbergs (und Janusz Kaminskis) Anfangssequenz in Saving Private Ryan wie kalten Kaffee erscheinen.

Children of Men erzählt eine sozial relevante Geschichte auf spannende Weise, überrascht mit seinen erzählerischen Volten, lässt selbst Michael Caine, der zunächst wie eine Variation der Edward G. Robinson-Figur in Soylent Green wirkt, aufleben, und überzeugt selbst in jenen Momenten, die ich bei anderen Filmen als semi-religiös niedergemacht hätte. Der Regisseur mag sich zwar nicht um einen futuristischen Look scheren, hat aber einen Film abgeliefert, der zumindest im Mainstream-Bereich wie die “Zukunft des Kinos” wirkt.