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September 2005
Thomas Vorwerk
für satt.org

Dogtown Boys
Lords of Dogtown

USA 2005

Dogtown Boys (Lords of Dogtown) (R: Catherine Hardwicke)

Regie:
Catherine Hardwicke

Buch:
Stacy Peralta

Kamera:
Elliot Davis

Schnitt:
Nancy Richardson

Musik:
Mark Mothersbaugh


Darsteller:
Emile Hirsch (Jay Adams), John Robinson (Stacy Peralta), Victor Rasuk (Tony Alva), Michael Angarano (Sid), Nikki Reed (Kathy Alva), Heath Ledger (Skip Engblom), Rebecca De Mornay (Philaine), Johnny Knoxville (Topper Burks)

107 Min.

Kinostart:
8. September 2005

Dogtown Boys
Lords of Dogtown

Catherine Hardwicke hat vor zwei Jahren mit Thirteen, einer Momentaufnahme über die Experimentierfreude dreizehnjähriger Mädchen, zumindest ein wenig Staub aufgewirbelt, und ihr zweiter Spielfilm, Lords of Dogtown, ist auch so ein narratives Dokument über die Ungestümheit der Jugend, wie man sie sonst von Larry Clark (Kids, Ken Park) oder Gus Van Sant (Elephant, My Own Private Idaho, Drugstore Cowboy) kennt. Doch die Themen Sex und Drogen spielen sich hier nicht (wie sonst üblich) in den Vordergrund, denn die Lords of Dogtown, auch bekannt als die Z-Boys, sind einige Skateboard-Fahrer, die Mitte der 1970er diese noch junge Sportart revolutionierten.

Filmszene
Filmszene
Filmszene
Filmszene
Filmszene

Jay Adams, Tony Alva und Stacy Peralta sind drei sehr unterschiedliche Jungen am Rande der Volljährigkeit, die über ihre gemeinsame Liebe zum Surfen verbunden werden. Skateboard fahren sie auch, aber verglichen mit dem Adrenalinstoß in den Wellen ist dies zunächst nur eine Ersatzbefriedigung. Frühmorgens stehlen sie sich aus den Elternhäusern, brettern zum Strand am eigentlich seit 1967 geschlossenen Pacific Ocean Park, und wenn sie sich gut aufführen, lassen sie die größeren und stärkeren jungen Erwachsenen auch mal ins Meer. Einer der Anführer der jugendlichen Horde ist Skip Engblom, der, wenn er nicht bekifft ist oder surft, in seinem heruntergekommenen Laden von Gleichgesinnten gebaute Surfbretter und Skateboards verkauft. Mit der Einführung des Urethans, eines bernsteinfarbigen Hartgummis, das aus Öl gefertigt wird, werden die Räder der Skateboards plötzlich sehr viel flexibler und schneller, erstmals sind die Räder griffig, um sich auch an fast senkrechten „Unter“gründen „an“ der Oberfläche zu halten, und Skip begreift recht früh, daß hiermit viel mehr Geld als mit Surfbrettern gemacht werden kann. Er rekrutiert die Jungs (und ein paar Mädels) aus seiner Nachbarschaft und macht sich auf, mit auffälligen T-Shirts seines Ladens „Zephir“ bei regionalen, zumeist eher vertrödelten Skateboardmeisterschaften für Aufsehen zu sorgen.

Die Punktrichter und Kommentatoren bei diesen Veranstltungen sind durch die Z-Boys schlichtweg überfordert, für diese oftmals Surfbewegungen nachempfundenen Freestyle-Figuren haben sie keine Bezeichnungen, doch auch, wenn die etwas übermütigen Z-Boys sich fast mit den Hinterwäldlern prügeln müssen, ist die Karriere der Z-Boys nicht mehr aufzuhalten.

Doch Lords of Dogtown ist kein langweiliges Biopic über eine Sportlerkarriere, der Film gibt sich vielmehr Mühe, die Atmosphäre der jugendlichen Ausgelassenheit einzufangen. Während einer Trockenperiode stehlen sich die Jungs beispielsweise in die leeren Swimmingpools in den reichen Vororten, und erfinden in den stilvoll geschwungenen Nieren- und Kreisformen, die höchstens mal von leicht zu umfahrenden Treppen unterbrochen werden, sozusagen die Halfpipe, die heute zum Skateboard dazugehört wie das Wasser zum Surfen.

Wie bei nahezu jedem Film, der sich mit dem Geist der Siebziger befasst (Boogie Nights, Carlito’s Way, Studio 54, Velvet Goldmine), ahnt man auch hier bereits früh, daß dem Höhenrausch der jugendlichen Karrieren nur ein Absturz, eine Ernüchterung folgen kann, und natürlich geht mit dem großen Geld, den ersten Verträgen und einer Loslösung von Ziehvater Skip auch die Unschuld verloren, Stacy Peralta etwa (von dem auch das Drehbuch stammt) kommt bei einem Aufenthalt in Australien nicht einmal dazu, dort zu surfen …

Abgesehen von zwei Sonnenuntergangs-Szenen, die in den restlichen Film, der teilweise fast dokumentarisch wirkt, überhaupt nicht hineinpassen, ist Frau Hardwicke mit Lords of Dogtown ein mitreissendes Jugendporträt gelungen, das dem Zuschauer wie nebenbei auch noch die Evolution einer Sportart vorführt. Ein mutiges Casting stellt neben einen erstaunlich überzeugenden Heath Ledger so unterschiedliche Jungdarsteller wie Emile Hirsch aus The Girl next Door, John Robinson aus Elephant oder Michael Angarano, den Elliot aus der TV-Serie Will and Grace, und als Z-Boys wachsen diese dynamisch zusammen. Kameramann Elliot Davis (Out of Sight, A Love Song for Bobby Long) schraubt teilweise die Kamera unter das Board oder lässt jemand mit einer Kamera auf einem Skateboard die Protagonisten selbst auf kleinstem Raum verfolgen, diese Dynamik kann nur noch durch den nostalgiekräftigen Soundtrack (Jimi Hendrix, T. Rex, David Bowie, Sweet, Rod Stewart, Nazareth, Deep Purpe usw.) verstärkt werden. Alles in allem ein Film, der selbst Leute mittreißen wird, die noch nie auch nur in Rollschuhen steckten.