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März 2005
Thomas Vorwerk
für satt.org

Heffalump - ein neuer Freund für Winnie Puuh
Pooh's Heffalump Movie

USA 2004

Heffalump

Regie:
Frank Nissen

Buch:
Brian Hohlfeld, Evan Spiliotopoulos

Lit. Vorlage:
A. A. Milne

Songs:
Carly Simon

mit den deutschen Stimmen von:
Bruno Schubert (Lumpi), Lino Hirthe (Ruh), Michael Rüth (Winnie Puuh), Joachim Kaps (Tigger), Santiago Ziesmer (Ferkel)

74 Min.

Kinostart:
31. März 2005

Heffalump
Ein neuer Freund für Winnie Puuh
Pooh's Heffalump Movie

Filmszene
Filmszene

Filmszene
Filmszene
Filmszene

Nach den Filmen, die Tigger und Ferkel zum Titelhelden erklärten, folgt nun Pooh's Heffalump Movie, und wenn man bedenkt, wie wenig man über diese Kreatur aus den Büchern von A. A. Milne weiß, kann man eigentlich nicht wirklich von einer "literarischen" Vorlage sprechen, sondern wie beim 54. James Bond-Streifen baut man vor allem auf die bekannten Figuren auf. Doch dies war ja auch schon beim Tigger- und Ferkel-Film nicht anders, und aus diesen dreien gefällt mir der Heffalump klar am besten, denn den Filmemachern gelingt es, ohn das Vorschulpublikum zu überfordern, in 74 Minuten eigentlich gleich drei Filme unterzubringen.

    1) Horror für die Kleinsten: Who goes there?
Pooh's Heffalump Movie hält sich im ersten Drittel klar an die Regeln des Horrorfilm. Zunächst gibt es visuelle und akustische Hinweise auf ein mythisch überhöhtes, vermeintlich besonders starkes, gefährliches und natürlich böses Wesen: den Heffalump, dessen ohrenerschütterndes Tröten eines Morgens durch den Hundert-Morgen-Wald schallt, und dessen gigantische Fußabdrücke die bekannten Einwohner in Furcht und Schrecken versetzen. Schließlich macht sich eine Expedition auf in den etwas dunkleren Teil des Hundert-Morgen-Waldes - und natürlich wird die Gruppe in kleinere Gruppen aufgeteilt. Erst nach und nach sieht man wie in besseren Horrorfilmen (Jaws, Alien) Teile des titelgebenden "Monsters", das mitunter in Point of View-Shots Teile der Expedition beobachtet oder mal am Rande durch den Wald huscht. Doch natürlich werden hier nicht nach und nach Eule, Ferkel oder I-Aah niedergemetzelt, denn der Heffalump ist nur eine Art putziger Elefant (Der Name ist eine Verballhornung mit Merkmalen aus der Kindersprache), der im Grunde genauso viel Angst vor Winnie Puuh etc. hat, wie dessen Freunde vor ihm.

    2) Allegorie auf Völkerhass
Ähnlich wie in The Village schüren auch hier die älteren Dorfbewohner eine Furcht vor den "anderen", die auf der anderen Seite des Zaunes leben, und die durch rassistische Propaganda zu Unwesen gemacht werden. Doch wie heißt es in jenem Sting-Song: "I hope the Russians love their chidren too …" - Und natürlich sind alle Vorurteile gegenüber den Gegnern auf der anderen Seite der Grenze nur ein Abwehrmechanismus, um die eigene Gruppe zu stärken, wie man ihn wahrscheinlich auch auf jedem Schulhof erleben dürfte - als Vorbote späterer Kriege um Blödsinn wie Territorien, Bodenschätze oder Religionen.

    3) Ruhs coming-of-age, Teil 2
Bereits im Tigger Movie war Ruh der eigentliche Held und die Identifikationsfigur für Kinder, die über sich selbst herauswächst. Nachdem im zweiten Film dann das kleinwüchsige Ferkel diese Rolle übernahm, ist hier wieder Ruh die Hauptfigur, die eigentlic den title spot verdient hätte. Natürlich wissen die "Erwachsenen" (wenn man einen honigverrückten Kindskopf wie Puuh so nennen kann) alles besser, bevormunden Ruh und behaupten, daß er zu klein, jung und unerfahren für die Expedition ist - und vergessen dabei, daß es eigentlich Ruhs Idee war. Natürlich macht Ruh sich dann alleine auf, überwindet die Vorurteile und sieht den Heffalump als einen potentiellen Freund, der zwar größer als all die "Erwachsenen" ist, ihm aber altersmäßig noch am ehesten ähnelt. Nach Verantwortung und "common sense" erscheint Ruh plötzlich "erwachsener als die Erwachsenen", und deshalb gönnt man ihm auch das ausgelassene Kinderspiel mit seinem neuen Freund, bei dem ein großteil von Rabbits garten und Puuhs Honiglager in Mitleidenschaft gezogen wird - für die wiederkehrende Expedition natürlich zunächst ein klarer Akt von Fremdaggression, der geahndet werden muss. Doch schließlich ist es wie im Sting-Song und wie für einen Kinderfilm passend die Mutterliebe, die die Völkerverständigung möglich macht.

Zwar konnte ich mit den eingedeutschten Carly-Simon-Songs wenig anfangen, und nur die wenigsten werden sich an den Themen des Films so wie ich erfreuen, aber es gibt viele Kleinigkeiten im Film, die ihn auszeichnen und vielleicht doch als würdigen Vertreter der Nachlassenschaft A. A. Milnes stehen lassen. Die Macht der Fantasie, die zu Beginn des Films durch das in Wolken zu erkennende Disney-Signet des Cinderella-Schlosses eingeführt wird, findet am Schluß des Films eine gelungene closure, wenn es lumpi- und ruhförmige Wolken sind, die über den Himmel tollen. Und dieser Ausblick auf den Himmel, der nicht ohne weiteres durch Grenzen aufgeteilt werden kann, könnte auch für das ältere Publikum dei Fantasie beflügeln. Filme, die auf diese Art den Freiden und die Völkerverständigung propagieren, gibt es viel zu selten. Und wenn man dabei noch so unterhaltsam wie Pooh's Heffalump Movie ist, gibt es eigentlich nichts zu mäkeln.