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Die Box




Januar 2005
Thomas Vorwerk
für satt.org

Team America:
World Police

USA 2004

Filmplakat

Regie:
Trey Parker

Regie 2nd Unit:
Matt Stone

Buch:
Trey Parker, Matt Stone, Pam Brady

Kamera:
Bill Pope

Schnitt:
Thomas M. Vogt

Musik:
Harry Gregson-Williams

Songs:
Trey Parker u. a.

mit den Stimmen von:
Trey Parker (Gary Johnston, Joe, Kim Jong Il, Hans Blix, Carson, Tim Robbins, Michael Moore, Helen Hunt, Drunk in Bar, Matt Damon u. v. a.), Matt Stone (Chris, George Clooney, Matt Damon u. v. a.), Kirsten Miller (Lisa), Masasa (Sarah), Daran Norris (Spottswoode), Maurice LaMarche (Alec Baldwin), Fred Tatasciore (Samuel L. Jackson)

Kinostart:
30. Dezember 2004

Team America: World Police


Filmszene
Filmszene
Filmszene
Filmszene
Filmszene

Nachdem die Incredibles im vorweihnachtlichen Kinoprogramm als kommerziell überaus erfolgreiches Superhelden-Team für den amerikanischen Frieden sorgen durften, folgt nun in der Woche nach Weihnachten ein Film, der nur dem unbedarften Beobachter "ähnlich" erscheinen mag. Wie Animationsfilme sind auch Filme mit Marionetten als Kinderbelustigung verschrien (ganz selten man solche Filme überhaupt im Kino sehen, selbst die Thunderbirds werden lieber als misslungene Realverfilmung aufs Publikum losgelassen), doch ähnlich wie The Incredibles es durchaus mit Real-Actionfilmen aufnehmen konnte, so sollte man den aus gutem Grund mit einer Altersfreigabe "ab 16" versehenen Team America keinesfalls als intellektuell minderbemittelt auffassen. Ganz im Gegenteil, mit welcher satirischen Schärfe und respektloser political incorrectness hier die amerikanische Außenpolitik durch den Kakao gezogen wird (selbst wenn nur die "Unamerikanischen" die "Bösen" sind), ist selbst für die Verhältnisse der South Park-Macher Trey Parker und Matt Stone außerordentlich. Statt Saddam Hussein oder Osama Bin Laden muss nun der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il als Bösewicht herhalten, dessen fiesen Pläne (und die unverzichtbaren WMDs) das Hundertfache von "nine-eleven" bewirken sollen.

Bereits in den ersten Minuten tauchen düstere Turbanträger mit einem verdächtig blinkenden Koffer in Paris auf, und nur dem tatkräftigen Einsatz des fünfköpfigen Team America ist es zu verdanken, daß die Übeltäter dingfest gemacht werden können - und einige Wahrzeichen der französischen Kultur pulverisiert werden. Als kurz nach einer feurigen Liebeserklärung eines der Teammitglieder durch einen heimtückischen Anschlag getötet wird, exerzieren Stone und Parker bereits sämtliche Klischees amerikanischer Haudrauf-Filme, die sie wie Pearl Harbor nebenbei auch noch in einigen der extrem witzigen Songs veräppeln.

"I miss you more than Michael Bay missed the mark, when he made Pearl Harbor. [ …]
I need you like Ben Affleck needs acting school, he was terrible in that film …"

Wenn es auch dem Rundumschlag gegen liberale Schauspieler der "Film Actors Guild" (F.A.G.) wie Sean Penn, Tim Robbins oder Susan Sarandon mitunter an Subtilität mangelt, und hier ähnlich wie beim "Gastauftritt" von Michael Moore nur Kanonenfutter für eine Marionettenversion des Celebrity Death Match geliefert wird, so überzeugt Team America dennoch von der ersten bis zur letzten Minute, weil nicht nur eine Geschichte erzählt wird, die auch als (schlechter) Realfilm funktioniert hätte, sondern Parker und Stone mithilfe routinierter Filmemacher wie dem Kameramann Bill Pope (The Matrix, Spider-Man 2) oder dem Komponisten Harry Gregson-Williams (Phone Booth, Shrek) gleichzeitig State of the Art-Filmmaterial liefern, dabei aber immer wieder auf die limitierten Ausdrucksmöglichkeiten ihrer "Darsteller" verweisen - nur um sie dann im nächsten Moment durch beeindruckende Trickeffekte wie das ausgiebige Übergeben der Hauptfigur Gary wieder als beabsichtigte Stilmittel vorzuführen. Wenn die Marionetten wie bei der Augsburger Puppenkiste munter klappernd durch die Gegend tapern, während sie Massnahmen zur Wahrung des Weltfriedens diskutieren, so kommt man teilweise aus dem Lachen gar nicht wieder heraus. Insbesondere die eindeutig nicht jugendfreien Passagen des Films wie eine wilde Liebesnacht oder eine feurige Rede über die Unterschiede zwischen "three kinds of people" bleiben ebenso wie die wilden Tiere im Verlies des vereinsamten koreanischen Despoten ("I'm so ronery") noch lange im Gedächtnis des Betrachters. Wer South Park oder Meet the Feebles mochte, wird auch hier seinen Spaß haben, und allein für den "Montage"-Song möchte man sich den Soundtrack kaufen …