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September 2004
Thomas Vorwerk
für satt.org

Riddick - Chroniken eines Kriegers
The Chronicles of Riddick

USA 2004

Riddick - Chroniken eines Kriegers (The Chronicles of Riddick) (R: David Twohy)

Buch
und Regie:
David Twohy

Kamera:
Hugh Johnson

Schnitt:
Martin Hunter, Dennis Virkler

Musik:
Graeme Revell

Production Design:
Holger Gross

Kostüme:
Ellen Mirojnick, Michael Dennison

Darsteller:
Vin Diesel (Richard B. Riddick), Alexa Davalos (Kyra), Karl Urban (Vaako), Colm Feore (Lord Marshal), Thandie Newton (Dame Vaako), Judi Dench (Aereon), Linus Roache (The Purifier), Keith David (Imam), Yorick van Wageningen (The Guv), Nick Chinlund (Toombs)

Kinostart:
2. September 2004

Riddick - Chroniken eines Kriegers
The Chronicles of Riddick


Im Jahre 2000 kam Pitch Black auch hierzulande in die Kinos, ein einfallsreicher kleiner SF/Horror-Film, der sein eingeschränktes Budget etwa durch die Idee verbarg, daß jene blutrünstigen Drachenmonster, die den Planet der Finsternis heimsuchen, im Dunkeln halt nicht dauernd zu sehen sein müssen. Ich kam damals zu spät auf eine Sneak Preview, hatte deshalb den Filmtitel nicht mitbekommen, und kapierte deshalb wohl als letzter im Kino, daß jener Wüstenplanet mit den mehreren Sonnen irgendwann in Dunkelheit gehüllt sein würde - und dann kommen die unterirdischen Mistviecher mit Sicherheit heraus und kümmern sich um die Insassen eines notgelandeten Raumschiffs.

Riddick - Chroniken eines Kriegers (The Chronicles of Riddick) (R: David Twohy)
Riddick - Chroniken eines Kriegers (The Chronicles of Riddick) (R: David Twohy)
Riddick - Chroniken eines Kriegers (The Chronicles of Riddick) (R: David Twohy)
Riddick - Chroniken eines Kriegers (The Chronicles of Riddick) (R: David Twohy)
Riddick - Chroniken eines Kriegers (The Chronicles of Riddick) (R: David Twohy)

In jenem Raumschiff war damals auch der inzwischen zum Titelhelden avancierte Riddick, ein zu überführender Sträfling, der Letzte seiner Spezies, der seine eigentümlichen Augen hinter einer Sonnenbrille verband - und dadurch auch einen gewissen Vorteil hat. Dargestellt wurde er von einem ehemaligen Türsteher, dessen unendlich dunkle Stimme man unbedingt mal im Original gehört haben sollte - Vin Diesel wurde durch diesen Film bekannt und bekam später u.a. die Rollen in The Fast and the Furious oder Triple X, die ihn zu einem der derzeit angesagteren Actionstars machten.

Der Trailer von The Chronicles of Riddick erweckt den Anschein, man habe es mit einem monumentalen Epos á la J. R. R. Tolkien oder zumindest Michael Moorcock / Frank Herbert zu tun, und man muß auch zugeben, daß sich mit dem Budget auch die Ausmaße des Vorgängerfilms potenziert haben. Auch, wenn man Pitch Black nicht gesehen haben muß, um bei Riddick die Handlung zu verstehen, hat man auch die anderen zwei Überlebenden des ersten Massakers in den Film aufgenommen, den Geistlichen Imam (erneut Keith David) und das kleine Mädchen, das sich mittlerweile in die junge Frau Kyra verwandelt hat (diesmal von der beeindruckenden Newcomerin Alexa Davalos gespielt). Und anstelle eines Planeten mit eigentümlichen Witterungsverhältnissen gibt es diesmal gleich drei, darunter den Gefängnisplaneten Crematoria, auf dem man sich definitiv nur des Nachts auf der Oberfläche herumtreiben sollte.

Um die Welt vor der gemeingefährlichen Sekte der Nekromanger zu retten, die alle töten, die sich nicht ihrer Religion unterwerfen, wird Riddick erneut zum unfreiwilligen Helden ("I hate not being the bad guys"), der sich gegen ganze Armeen von durchgestylten Bösewichten, Monstren und gigantischen Raumschiffen erwehren muss. Nebenbei rettet er noch die mittlerweile bildschöne und fast ebenso tödliche Kyra, und Oscar-Gewinnerin Judi Dench (Shakespeare in Love) hat als luftige Aereon auch ein paar Auftritte. Neben vielen netten visuellen Ideen wie einem seltsamen Spürhund mit Taucherbrille oder jenen neuen CGI-Monstern, die man ab und zu die Insassen eines Gefängnis dezimieren lässt, leidet der Film allerdings ein wenig unter Riddicks ewigen Auf- und Absetzen seiner Brille (Furyaner haben silberne Augen, und man wollte es dem Neu-Star wohl nicht zumuten, durchgehend farbige Kontaktlinsen zu tragen) - und vor allem unter den allzu übermächtigen Gegnern, die letztendlich doch vor Riddick kapitulieren müssen. Manchmal hat man den Eindruck, daß selbst Regisseur Twohy es nicht mehr soo spannend findet, wieviele Gegner Riddick wie schnell tötet - und er schaltet dann sozusagen auf "fast forward".

Dennoch muß man auch Twohys Talent als Drehbuchautor hervorheben. Schon vor seiner Karriere als Regisseur arbeitete er an Filmen wie The Fugitive, G. I. Jane oder Waterworld mit, und wie er dem derzeitigen Geschmack der Massen mit seinem breit ausgewalzten Planetenepos in die Hände spielt, ist selbst für Freunde handfester Kost beeindruckend. Doch selbst ich sehe gnädig darüber hinweg, daß sich der Film und sein Held schließlich den epochalen Titel verdienen müssen, dafür ist die erste Hälfte des Films umso unterhaltsamer, wenn der Humor und Riddicks trockene Einzeiler noch eine größere Rolle spielen, und er von Kopfgeldjägern gejagt wird, die natürlich gegen ihn keine Chance haben, dies aber erst schmerzhaft erfahren müssen. Und die Szenen im Gefängnis mit der charismatischen Alexa Davalos entschädigen auch für jene späteren, manchmal reichlich pathetischen mit den Oberbösewichten, die teilweise in ihren durchgestylten Kutten wie aus einer von H. R. Giger aufgemotzten Matrix-Fortsetzung erscheinen - mit Thandie Newton als Monica Belluci-Nachfolgerin. Immerhin zieht sich der Showdown gegen den schier unbesiegbaren Lord Marshal nicht allzu sehr in die Länge, wofür man dem Film nach den zahlreichen Toten dankbar ist.