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Die Box


 

April 2004
Thomas Vorwerk
für satt.org

Starsky & Hutch
USA 2004

Starsky & Hutch (Todd Philips)

Regie:
Todd Phillips

Buch:
John O'Brien, Todd Phillips, Scot Armstrong

Charaktere erschaffen von William Blinn

Kamera:
Barry Peterson

Schnitt:
Leslie Jones

Musik:
Theodore Shapiro

Songs:
J.J. Cale, Johnny Cash, Robbie Robertson, Neil Sedaka, Stephen Sondheim, Bill Withers

Production Design:
Ed Verreaux

Art Direction: Greg Papalia

Darsteller:
Ben Stiller (David Starsky), Owen Wilson (Ken Hutchinson), Snoop Dogg (Huggy Bear), Vince Vaughn (Reese Feldman), Fred Williamson (Captain Doby), Juliette Lewis (Kitty), Will Ferrell (Big Earl), Jason Bateman (Friday), Amy Smart (Holly), Carmen Electra (Staci), George Kee Cheung (Chau), Chris Penn (Minetti), Brande Roderick (Heather), Molly Sims (Mrs. Feldman), Sean Tillman (Dancin' Rick), Paul Michael Glaser (Original Starsky), David Soul (Original Hutch)

101 Min.

Kinostart:
25. März 2004

Starsky & Hutch



In den Jahren 1976 bis 1979 lief in den Staaten die Fernsehserie Starsky & Hutch, die mit der üblichen Verzögerung auch donnerstags abends im ZDF lief. Ich war damals so zehn oder zwölf und kann mich nicht mehr an viel erinnern, aber das geile rote Auto mit dem Rallye-Streifen hatte ich mal als Spielzeug – und es ist mir fast so ans Herz gewachsen wie das kleine Batmobil, das sogar brennende Streichhölzer verschiessen konnte.
Starsky & Hutch (Todd Philips)
Starsky & Hutch (Todd Philips)
Starsky & Hutch (Todd Philips)
Starsky & Hutch (Todd Philips)
Starsky & Hutch (Todd Philips)
Starsky & Hutch (Todd Philips)

In Zeiten intellektueller Dürre wird alles wiederbelebt, recyclet oder gecovert – und nach Charlie‘s Angels sind jetzt auch Starsky & Hutch dran – und manch einer wartet bereits mit Grausen auf das unvermeidliche Colt Seavers- oder Baywatch-Revival in fünf oder zehn Jahren …

Im Gegensatz zu den spätestens beim zweiten Teil unerträglichen Charlie‘s Angels nimmt Regisseur Todd Phillips (Road Trip) seine Vorlage nicht nur als Vorwand, um weibliche Möchtegern-Evel Knievels in kurzen Höschen vor der Kamera zu drapieren – Starsky & Hutch vereinigt zwar all jenen unvermeidlichen 70er-kitsch und camp, zeigt jede Menge Baywatch-Models in Rollen als Cheerleader o. ä. (in den 70ern arbeitete wohl jede gutaussehende Frau, die etwas auf sich hielt, als Nachtclubtänzerin o. ä.), nimmt sich aber dabei nicht so peinlich ernst und ist mit Ben Stiller, Owen Wilson und Snoop Dogg in den Hauptrollen ebenso kongenial besetzt wie in den Nebenrollen, wo Vince Vaughn, Juliette Lewis, Will Ferrell oder die originalen Starsky & Hutch glänzen (Paul Michael Glaser konnte man übrigens noch vor kurzem als Ex-Mann Diane Keatons in Something‘s Gotta Give erkennen).

Neben der eher dünnen Kriminalgeschichte, die durch einen frühen Mord eingeführt wird, aber danach selbst bei Attentaten mit Küchenmessern vor allem für Humor sorgt, ist das Interessanteste an Starsky & Hutch neben dem schieren Unterhaltungswert sicher der Subtext, der aus einer Männerfreundschaft mit Double Dates etwas mehr macht ("Why are you touching his hair …?"). Nach der unvermeidlichen Trennung des ungleichen Paares sieht man beide in miserablen Zustand (I always had a thing for blondes“), und spätestens, wenn sie in einer Rückblende wie verliebt in Zeitlupe und Partner-Look über den Strand rennen, hat man auch wieder das momentan in Hollywood sehr geschätzte Queer-Publikum voll auf seiner Seite. Diese Tendezen sollen auch in der ursprünglichen Fernsehserie überdeutlich vorhanden gewesen sein, in meiner präpubertären Phase, in der ich auch nichts außergewöhnliches an der Freundschaft zwischen Batman und Robin sah, habe ich davon aber definitiv noch nichts gecheckt.

Ben Stiller konnte schon jüngst in Along came Polly voll überzeugen, und Owen Wilson zeigt an seiner Seite das volle Potential (sehr viel besser als in Shanghai Knights), das die beiden schon vor und während der Oscar-Verleihung demonstrierten. Aber mindestens genauso liebenswert ist Snoop Dogg als Huggy Bear oder der fast so witzige wie gefährliche Vince Vaughn (der Norman Bates aus der Psycho-Neuverfilmung), die immer leicht over the top spielen und das Talent des Regisseurs Todd Phillips für Komödien voll unterstützen. Phillips arbeitete mit vielen der Cast- und Crewmitgliedern schon zuvor (etwa mit dem Drehbuchautoren Scot Armstrong oder Vince Vaughn und Juliette Lewis in Old School) und man erkennt als Zuschauer den guten Teamgeist, der etwa bei Charlie‘s Angels nicht einmal unter den drei Hauptdarstellerinnen zu erkennen war. Und als nächstes wird Phillips, der sich mit Starsky & Hutch vollends bewiesen hat, wieder eine 70er-Jahre-Serie neu aufnehmen – The Six Million Dollar Man mit niemandem geringeren als Jim Carrey in der Titelrolle.