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Die Box


 

Februar 2004
Thomas Vorwerk
für satt.org

Samaritan Girl
Samaria

Korea 2004

Samaritan Girl (Samaria) (R: Kim Ki-Duk)

Buch, Regie
und Schnitt:
Kim Ki-Duk

Kamera:
Sun Sang-jae

Schnitt:
Kim Ki-Duk

Musik:
Park Ji

Darsteller:
Kwak Ji-min (Yeo-jin), Seo Min-jung (Jae-young), Lee Uhl (Yeo-jins Vater), Oh Young (Musiker), Shin Taek-ki (Mann, der sich tötet), Park Jung-gi (Mann, der getötet wird), Kwon Hyun-min (Sensor-Verkäufer), Im Gyun-hi (ordentlicher Mann), Jung yoon-soo (Tough Guy), Lee Jong-gil (Mann, der Glück hat), Seo Seung-won (Mann in den Dreißigern)

95 Min.

Dt. Kinostart:
Herbst 2004



Berlinale 2004

Berlinale 2004 (Wettbewerb):

Samaritan Girl
Samaria



Samaritan Girl (Samaria) (R: Kim Ki-Duk)
Samaritan Girl (Samaria) (R: Kim Ki-Duk)
Samaritan Girl (Samaria) (R: Kim Ki-Duk)
Samaritan Girl (Samaria) (R: Kim Ki-Duk)
Nachdem Kim Ki-Duks letzter Ausflug auf die Berlinale, Bad Guy, meines Erachtens ein Totalreinfall war, hat sich der koreanische Regisseur mit Frühling, Sommer, Herbst, Winter … und Frühling überraschend gereift gezeigt. In seinem neuesten, gerade noch rechtzeitig zum Wettbewerb fertiggestellten Film Samaria fröhnt er aber gleich wieder einem seiner Lieblingsthemen: Der Prostitution, diesmal zusätzlich auch noch der von Minderjährigen.

Yeo-jin und Jae-young gehen noch zur Schule und sind die besten Freundinnen. Jae-young prostituiert sich und Yeo-jin übernimmt Buchführung, telekommunikative Kontaktaufnahme mit Freiern und das Schmierestehen, um der Polizei zu entgehen. Mit dem zusammengesparten Geld wollen die beiden gemeinsam nach Europa.

Yeo-jin, die im liebevollen Umgang mit ihrem Vater völlig unschuldig erscheint, ist eine hartgesottene Geschäftsfrau und sieht es nicht gern, wenn Jae-young mit einem Lächeln von den Freiern zurückkommt, mit einem sogar zum Essen gehen will oder sich in der Tradition von Vasumitra sieht, einer Prostituierten aus einer buddhistischen, die die Männer, mit denen sie Sex hatte, in gläubige Buddhisten verwandelt.

Doch dann übersieht Yeo-jin eine Razzia, und Jae-young, ganz verspielt, stürzt sich aus dem dritten Stock, um bluüberströmt von ihrer Freundin in ein Krankenhaus getragen zu werden. Ausgerechnet einen ihrer Freier will Jae-young auf ihrem Totenbett noch mal sehen, und um diesen zu überreden und ihrer Freundin einen letzten Dienst zu erweisen, hat Yeo-jin Sex mit ihm. Doch als die beiden im Krankenhaus ankommen, ist Jae-young bereits verstorben.

Yeo-jin will erst das gemeinsam verdiente Geld verbrennen, doch dann besucht sie der Reihe nach die Kunden, schläft mit denen, und gibt ihnen danach das Geld wieder, was sowohl diese als auch Yeo-jins Sicht auf die Prostitution und ihre tote Freundin verändert. Doch dann sieht Yeo-jins Vater, ein Polizist, seine Tochter mit einem Freier und steigert sich immer mehr in etwas hinein …

War schon bei The Stratosphere Girl die Prostitution romantisiert bis an die Schmerzgrenze, ist Kim Ki-duks kindlich-optimistische Sicht auf das Thema derart überzogen, daß sich Aspekte des realen Hintergrunds fast verlieren (Da empfehle ich dann nach wie vor eher Lilja 4-ever, auch wenn dort auch nicht alles realistisch ist). Wenn Yeo-jins Vater dann seinen Rachezug beginnt, fließt zwar wieder jede Menge Blut, aber im Gegnsatz zu Bad Guy ist die Gewalt hier kein Selbstzweck, sondern wird sparsam eingesetzt, meistens im Off, höchstens durch die eindrucksvolle Tonspur mehr als präsent. Wenn Yeo-jins Vater zu Beginn des dritten Teiles des Films mit seiner Tochter aufs Land fährt und ihr sagt, sie solle ruhig einschlafen, er würde sie schon wecken, wenn sie da sind, ahnt man nichts gutes, haben Kim Ki-duks Filme doch oft diesen (selbst-)zerstörerischen Aspekt. Doch das ursprüngliche Ende des Films, eine tödliche Umarmung, ließ der Regisseur und Autor wegfallen, und konzentrierte sich stattdessen auf eine Auflösung, wie sie allegorischer kaum sein könnte, ganz imStile von Frühling, Sommer …

Und darin zeigt sich die Stärke des Regisseurs, der offensichtlich einen Reifungsprozeß durchmacht, nicht nur rein technisch immer besser wird, sondern auch Geschichten erzählen kann, die Hoffnung und Resignation gleichzeitig versprühen.

Samaria ist kein perfekter Film, und viele Zuschauer werden sich an bestimmten Stellen ärgern oder aufregen. Aber jeder, der ein paar Filme des Koreaners kennt, wird zugeben, daß er sehr viel stilsicherer und besser geworden ist, und Samaria das Missing Link zwischen den frühen Filmen Kims und seiner in Frühling, Sommer... bewiesenen Meisterschaft darstellt.