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Februar 2004
Thomas Vorwerk
für satt.org

Red Lights
Feux rouges

Frankreich 2003

Red Lights (Feux rouges) (R: Cédric Kahn)

Regie:
Cédric Kahn

Buch:
Cédric Kahn, Laurence Ferreira-Barbosa

Lit. Vorlage:
George Simenon

Kamera:
Patrick Blossier

Schnitt:
Yann Dedet

Darsteller:
Jean-Pierre Darroussin (Antoine), Carole Bouquet (Hélène), Vincent Deniard (Tramper), Charline Paul (Serviererin), Jean-Pierre Gos (Inspektor)

105 Min.



Berlinale 2004

Berlinale 2004 (Wettbewerb):

Red Lights
Feux rouges



Nach Roberto Succo ist Cédric Kahns neuer Film abermals eine Mischung aus crime story und Road Movie, in der ein Paar die Hauptrolle spielt, noch dazu diesmal nach einer Vorlage von George Simenon.
Red Lights (Feux rouges) (R: Cédric Kahn)
Red Lights (Feux rouges) (R: Cédric Kahn)
Red Lights (Feux rouges) (R: Cédric Kahn)
Red Lights (Feux rouges) (R: Cédric Kahn)

Paris. Antoine freut sich auf seine oft sehr beschäftigte Frau Hélène, sie wollen gemeinsam die Kinder aus dem Feriencamp in Südfrankreich abholen. Doch Hélène verspätet sich, Antoine überbrückt die Wartezeit mit einem Bier. Er bezahlt, der Kellner fragt, ob es sonst noch etwas sein soll, "Nein nein". Und dann ein Achsensprung, das zweite Bier. Antoine muß noch etwas länger auf seine Frau warten, die Stimmung wird schon etwas angespannter, woran auch das dritte Bier nichts ändern kann. Die beiden fahren noch kurz zuhause vorbei, wo man ja auch eine Hausbar hat, und während Antoine auf der Fahrt immer unkonzentrierter und in seinem Fahrstil waghalsiger wird, verpasst er auch noch eine Abbiegung, und das alte Streitgespräch über die Verursachung von Umwegen geht wieder los …

Als Antoine zum zweiten Mal an einer Bar hält (angeblich, um auszutreten), droht Hélène damit, ohne ihn weiterzufahren, soll Antoine ihretwegen doch mit dem Zug fahren, woraufhin er logisch reagiert - und den Zündschlüssel mitnimmt. Als er zehn, zwanzig Minuten später wieder zum Auto kommt, ist seine Frau weg und hat nur einen Zettel hinterlassen, daß nun sie den Zug nimmt.

In einer waghalsigen Aktion versucht Antoine, Hélène an diesem und dem nächsten Bahnhof abzufangen - umsonst. Auf einem Parkplatz nimmt er stattdessen einen Tramper mit, den er schon in der einen Bar kurz kennengelernt hatte, und der aufmerksame und simenonerfahrene Zuschauer ahnt, daß es sich um den bereits mehrmals im Radio erwähnten entflohenen Häftling handeln könnte …

Feux rouges erinnert teilweise an Filme von Claude Chabrol, was natürlich schon vom Sujet herrühren könnte, denn der französische Altmeister verquirlt ja auch gerne den Niedergang von Beziehungen und ganzen Familiene mit der einen oder anderen Gewalttat. Und Antoines Reise in die Nacht lässt sich schon allein am Zustand seines Oberhemdes ablesen, als Zuschauer lauert man eigentlich ab dem ersten Autobahnabschnitt auf einen Verkehrsunfall, Simenon und Kahn lassen sich aber Zeit, bauen die sich verschlechternde Beziehung des Ehepaars auf, und mit dem Tramper wird der Focus noch mal völlig verschoben, Antoine darf nun beweisen, ob er wirklich ein richtiger Kerl ist, und inwiefern der Alkohol dabei hilft.

Nach zu Beginn allzu mechanischen Kameraeinstellungen lockert sich auch der Inszenierungstil, aus Ordnung wird Chaos, und ob aus diesem Chaos wieder Ordnung werden kann, ist fraglich. Zu den Höhepunkten des Film gehört auch das Ortsgespräch in der letzten Kneipe, Cédric Kahn kann durchaus mit Chabrols letzten Filmen (wie den letztjährigen Wettbewerbsbeitrag La fleur du mal) mithalten, den Eindruck, den Roberto Succo auf mich gemacht hat, kann er jedoch nur verstärken, nicht übertrumpfen.