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Die Box


 

September 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org

Irgendwann in Mexico
Once Upon a Time in Mexico

USA/Mexiko 2003

Irgendwann in Mexico (Once Upon a Time in Mexico) (R: Robert Rodriguez)

Buch, Regie, Co-Produktion, Kamera, Schnitt, Musik und Produktionsdesign:
Robert Rodriguez

Darsteller:
Antonio Banderas (El Mariachi), Johnny Depp (Sands), Salma Hayek (Carolina), Willem Dafoe (Barrillo), Rubén Blades (Jorge), Enrique Iglesias (Lorenzo), Marco Leonardi (Fideo), Danny Trejo (Cucuy), Mickey Rourke (Billy Chambers), Eva Mendes (Ajedrez), Cheech Marin (Belini)

Kinostart:
25. September 2003

Irgendwann in Mexico
Once Upon a Time in Mexico




Irgendwann in Mexico (Once Upon a Time in Mexico) (R: Robert Rodriguez)


Irgendwann in Mexico (Once Upon a Time in Mexico) (R: Robert Rodriguez)


Irgendwann in Mexico (Once Upon a Time in Mexico) (R: Robert Rodriguez)


Irgendwann in Mexico (Once Upon a Time in Mexico) (R: Robert Rodriguez)

Die Sequels hören nicht auf, und nun haben wir es abermals mit dem dritten Teil einer Trilogie zu sehen, die sich (der Originaltitel deutet es schon an) auf die zwei Trilogien Sergio Leones bezieht, einerseits die drei Filme mit Clint Eastwood als "Man with no Name" (auch der Mariachi hat keinen Namen außer "El"), andererseits die letzten drei Filme des Meisters des Spaghetti-Western, darunter "C'era una volta il west" (dt: "Spiel mir das Lied vom Tod") und das Spätwerk "Once upon a Time in America". Warum der deutsche Titel sich außerstande sieht, den Märchenbeginn "Once upon a time" adäquat mit "Es war einmal" zu übersetzen, wird mir allerdings noch lange ein Rätsel bleiben.

Bevor ich zum eigentlichen Film komme, noch ein paar interessante Details aus dem Umfeld. Natürlich war "Desperado" mehr Remake als Fortsetzung von "El Mariachi", jenem legendären Low Budget-Film, mit dem Regisseur Rodriguez seine Karriere begann. Ähnlich wie "Rocky II" nur die Geschichte des Vorgängers mit höherem Budget nochmal erzählte und dann ein neues (enttäuschendes) Ende ranpappte, wiederholte auch "Desperado" die Geschichte seines Vorgängers (mit einem höheren Budget) und schmückte sie mit neuen Szenen aus. Wie als Kommentar darauf bietet uns der vermeintliche dritte Teil der Trilogie nun auch in Flashbacks einen Teil der Geschichte, der zwischen den Teilen stattfand. In der eigentlichen Geschichte des Films taucht etwa Salma Hayek nie auf, man sieht sie nur in Rückblenden, die dafür aber auch mythisch überhöht "out of proportion" erscheinen und dem Film zu Beginn einen besonderen Charme verleihen, wenn wir etwa erstmals vom Mariachi erfahren und er mit einer E-Gitarre, die gleichzeitig Maschinengewehr ist, seine Widersacher niedermäht.

Eine weitere Reminiszenz an einen Westernklassiker ist ausgerechnet der Auftritt des Schönlings Enrique Iglesias, der in seinem Filmdebüt natürlich auch einen Song zum besten gibt. Denn wenn der Mariachi seine zwei Sidekicks vorführt, der eine ein Sänger, der andere ein Säufer, dann bedarf es auch keiner stibitzten Dialogzeilen mehr, um einen der Überwestern, "Rio Bravo", wiederzuerkennen.

Dummerweise enden damit auch schon die Parallelen zu Klassikern der Filmgeschichte. Rodriguez filmte mit Digitalkamera und größtenteils in Personalunion (siehe Stabangaben) sein "Epos", bietet dem Zuschauer aber zu keinem Zeitpunkt etwas, was mit dem Grandeur von Leone oder gar Howard Hawks mithalten kann.

Dabei fängt es noch vielversprechend ein. Johnny Depp als neue Figur des korrupten (und gemeingefährlichen) CIA-Agenten Sands weiß durchaus zu faszinieren. Selbst wenn er aus nichtigen Gründen einen Koch über den Haufen schießt, ist das Publikum auf seiner Seite (was sicher durch das enorme Charisma dieses Darstellers zu begründen ist), und lange Zeit sieht es so aus, als sei er der Drahtzieher der Geschehnisse im Film. Doch spätestens, wenn bei einer Szene auf dem Marktplatz unzählige Motorradfahrer auftauchen und der Film zu einer einzigen Materialschlacht ausartet, kommt es einem so vor, als sei man via Zeitreise wieder im dümmsten aller Actionfilme dieses Sommers zurückversetzt, in "Charlie's Angels: Full Throttle". Wenn ungefähr das siebte Motorrad explodiert, kommt Regisseur Rodriguez wohl erst richtig in Fahrt, und er gefällt sich fortan darin, unzählige nichtige Erzählfäden aneinanderzuketten, die nicht annähernd jenen Mythos, jene Epik erreichen, die der Film zu enthalten vorgibt.

Überflüssige Nebenfiguren wie Mickey Rourke, der zumeist damit beschäftigt ist, seine Promenadenmischung hinter dem Rücken zu verstecken (man wartet immer auf eine Erklärung, aber vergebens), die beiden Aushilfsmariachis mit ihren explosiven Gitarrenkästen oder Eva Mendes als Blickfang ohne Konsequenzen verstärken noch das Gefühl, daß man sich eher in einer Landschaft befindet, die Chuck Jones bevölkert hat (Willem Dafoe als Wile E. Coyote, das wäre noch was gewesen …) und durch die jederzeit Speedy Gonzales rennen könnte, als daß man sich in einem "epischen" Spätwestern befinden könnte. Und wenn Rodriguez sich jetzt rausredet, der Film solle gar kein Western sein, immerhin gibt es ja CIA-Agenten mit Handy, eine Revolution (mit obligatorischer Treppenschießerei), öffentlichen Nahverkehr und Sony-Fernseher, dann ändert das auch nichts daran, daß die letzten zwei Drittel des Films trotz Johnny Depps humoristischer Einlagen als verhindertem Meisterschützen dem Zuschauer allenfalls müde Gags und endlos erscheinende Schießereien bietet. Mit dem Mariachi als unsterblichen Comichelden fiebert man eh nicht mit, die Bösen beißen ins Gras, die Guten reiten wie Lucky Luke in den Sonnenuntergang (mit symbolischen Pferdestärken) und einzig schade ist es nur um Johnny Depp, der als unfreiwillige Witzfigur zurückbleibt und dem es hoffentlich erspart bleibt, im nächsten Teil mitspielen zu müssen.