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Juli 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org

Fear Dot Com
GB/D/Luxemburg 2003

Fear Dot Com (R: William Malone)

Regie:
William Malone

Buch:
Josephine Coyle

Kamera:
Christian Sebaldt

Schnitt:
Alan Strachan

Musik:
Nicholas Pike

Darsteller:
Stephen Dorff (Mike Reilly), Natasha McElhone (Terry Huston), Stephen Rea (Alistair Pratt / "The Doctor"), Jeffrey Combs (Styles), Amelia Curtis (Denise), Nigel Terry (Turnball), Udo Kier (Polidori), Michael Sarrazin (Frank Bryant), Jana Guttgemans (Kleines Mädchen), Gesine Cukrowski (Jeannie), Anna Thalbach, Matthias Schweighöfer

Kinostart:
17. August 2003

Fear Dot Com




Fear Dot Com (R: William Malone)

Fear Dot Com (R: William Malone)

Fear Dot Com (R: William Malone)

"Promise me you won't go there!"

Durch Filme wie "The Silence of the Lambs", "Scream", "The Sixth Sense" oder "The Blair Witch Project" wird das Horror-Genre immer mal wieder kurzzeitig wiederbelebt, doch die Nachfolge-Filme, die oft bloße Rip-Offs sind, bestätigen dann wieder sämtliche Vorurteile und beleidigen die Intelligenz des Zuschauers.

Der letzte erfolgreiche (und einigermaßen interessante) Horrorfilm war "The Ring", das amerikanische Remake eines japanischen Phänomens. "Fear Dot Com" bedient sich zu ca. 90 Prozent an den (bereits recycelten) Ideen dieses Films, weil ich eh niemandem empfehlen mag, sich diesen Film anzuschauen, kann ich die Parallelen hier auch ohne Gewissensbisse ausplaudern: Der Geist eines ermordeten Mädchen, das irgendwo als Wasserleiche rumliegt, manifestiert sich in der Technologie (hier als Internet-Site), verbreitet über dieses Medium rätselhafte Visionen, lässt dabei einen Countdown (hier 48 Stunden) ablaufen, bis die Voyeure, die sich an seinem Schicksal weiden (im "Ring" nicht so offensichtlich), durch Geisterheimsuchung getötet werden (hier mit einem kleinen Bonus), und ein Ausweg könnte darin bestehen, die Leiche zu bergen und den Mörder dingfest zu machen.

War dies in "The Ring" schon nicht durchgängig logisch nachvollziehbar, so sind die Löcher in der Handlung hier noch offensichtlicher. Insbesondere der Schluß des Films scheint übereilt und unmotiviert, die gerade noch hysterisch kreischende Heldin steigt kurzentschlossen in die Kanalisation herab, hat sogar eine wasserdichte Taschenlampe dabei und birgt bereits beim ersten Versuch die Leiche, bevor man dann zum Nebenplot wechselt, der zwar nicht aus "The Ring" kopiert ist, aber auch nicht besonders innovativ rüberkommt.

Nebenbei gibt es da nämlich noch den "Doctor", der für seine per Webcam zugeschalteten Internetfans genüßlich junge Frauen foltert und ausweidet. Als Abonnent der Snuff-Site kann man sogar ein Folterinstrument wählen, eine interaktive Option, die sich dem Kinobesucher natürlich nicht bietet, auch wenn er ansonsten schon mal unterschwellig mit den voyeuristischen Mittätern auf eine Stufe gestellt wird.

Derlei medienkritische Ansätze in diesem Film ausfindig zu machen, ist aber ungefähr so sinnvoll, wie ein "John Sinclair"-Heft als Basis einer Untersuchung über gotische Architektur zu benutzen.

Der mit Abstand interessanteste Aspekt des Films war Jeffrey Combs, der Darsteller diverse Star-Trek-Nebenfiguren (Brunt, Weyoun, Shran etc.), der meines Erachtens unter den ganzen B-Schauspielern wie Stephen Dorff, Stephen Rea, Udo Kier, Michael Sarrazin oder Matthias Schweighöfer heraussticht, jedoch eine undankbare Rolle bekam und gegen Ende des Films schnöde (und besonders unmotiviert) entsorgt wird.

Man könnte jetzt noch darüber sinnieren, inwiefern eine bei "Blade Runner" oder "Seven" abgeschaute Atmosphäre (im Gegensatz zu "The Ring" hat dieser Film auch gar keine Atmosphäre) sich mit einem Internet-Thriller kombinieren lässt, warum man in Kanada und Luxemburg wenig erfolgreich (aber wahrscheinlich ziemlich teuer, die Stadtsparkasse Köln macht's möglich) ein Film Noir- / 30er-Jahre-New York kreieren wollte oder warum man im Nachspann sogar die Namen der Putzfrauen erfährt, aber diese Film ist eine ernsthafte Beschäftigung einfach nicht wert.

"Promise me you won't go there!"