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Die Box


 

Juni 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org

Stürmische Liebe
Swept Away

USA 2002

Stürmische Liebe (Swept Away) (R: Guy Ritchie)

Buch
und Regie:
Guy Ritchie

Kamera:
Alex Barber

Schnitt:
Eddie Hamilton

Musik:
Michel Columbier

Darsteller:
Madonna (Amber), Adriano Giannini (Guiseppe), Bruce Greenwood (Tony), Jeanne Tripplehorn (Marina), Yorgo Voyagis (Käpitän), Michael Beattie (Todd), Elizabeth Banks (Debi), David Thornton (Michael)

Stürmische Liebe
Swept Away




Stürmische Liebe (Swept Away) (R: Guy Ritchie)


Stürmische Liebe (Swept Away) (R: Guy Ritchie)


Stürmische Liebe (Swept Away) (R: Guy Ritchie)

Eine romantische Komödie mit einem Quasi-Vergewaltigungsversuch, das gibt es zumindest nicht oft im Kino. Und entsprechend ist der neue Film von Guy Ritchie ("Snatch", "Lock, Stock, and two Smoking Barrels") einer, bei dem sich die Geister scheiden. Mancher vermeintliche "Filmkritiker" verlässt das Kino vorzeitig, weil er es nicht ertragen kann, wie "abgrundtief hässlich" Madonna aussieht, doch abgesehen davon, daß ich diese Formulierung etwas überzogen finde, sollte es doch darum wohl kaum in dem Film gehen. Immerhin ist es doch interessant, wie negativ der Regisseur seine Ehefrau zeichnet, eine arrogante, selbstgerechte, bösartige High Society-Braut, die nichts besseres zu tun hat, als ihren um sie bemühten Gatten (Bruce Greenwood) ein ums andere mal vor den Kopf zu stossen (man mag darüber reflektieren, inwiefern der Bezug zur Realität gegeben ist), bis sie auf einer für sie enttäuschenden Luxusyacht den Stewart Guiseppe als neues Opfer entdeckt.

Amber (so Madonnas Rollenname) gefällt sich darin, ihn nicht etwa wie die anderen Gäste Peppe zu nennen, sondern variiert zwischen "Guido", "Pippi" und schließlich "Naturfuzzi" (leider habe ich die deutsch synchronisierte Fassung gesehen, in der sich ein italienischer Akzent durch Worte wie "Fiske" (Fische), "Schlanke" (Schlange) und "Kükenmesser" (Küchenmesser) definiert). Die erste Hälfte des Films sorgt durch die als Karikatur angelegte Amber und ihre "Freundinnen" (Jeanne Tripplehorn als Alkoholikerin, Elizabeth Banks als etwas debile und sehr blonde Debi) für etwas oberflächliche Gesellschaftskritik, doch wenn Amber und Peppe dann auf einer einsamen Insel landen, kann er sich endlich an ihr rächen. Zuvor gab es nur einige Rachephantasien, jetzt lässt der Italiener den Macho raus, und Amber muß ihm buchstäblich die Füße küssen, wenn sie nicht verhungern will. Was als Robinsonade begann, entwickelt sich zu einer Neufassung von Shakespeares "The Taming of the Shrew", und die Charakterentwicklung überzeugt auch hier nicht wirklich. Zwar ist es für den Zuschauer ein Genuß, wenn Guiseppe es Amber mit markigen Sprüchen wie "Du hast dich schon wieder im Ton vergriffen, Weib. Die kühle Nacht sollte den Rest von Bestie in deinem Inneren töten" heimzahlt, doch die bereits erwähnte Fastvergewaltigung geht dabei einen Schritt zuweit, und es ist auch nicht völlig nachzuvollziehen, warum er sich in diese Frau verliebt haben soll.

Lina Wertmüller drehte 1974 "Travolti da un insolito destino nell'azzurro mare d'agosto" (Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August), den ich leider nicht kenne, aber bei dem interessanterweise der Vater des Peppe-Darstellers die entsprechende Rolle innehatte. "Swept Away" ist ein Remake dieses Films, doch Ritchie hat das Ende verändert, und das ist meines Erachtens das Beste am Film (wird hier aber nicht verraten).

Auch wenn ich "Swept Away" nicht wie andere als völligen Reinfall bezeichnen würde, gibt es doch zu viele ärgerliche Aspekte im Film. Es ist zwar nett, wenn Madonna zunächst mit Quiekstimme und dann im Fremd-Vollplayback mit einem Lied Guiseppe verzaubert, aber sobald man wieder auf den Boden der Realität zurückkommt, ist es zunehmend suspekt, wie auf der Insel zunächst lediglich eine leere Colaflasche und eine verlassene Hütte als zivilisatorische Hilfsmittel entdeckt werden, man aber im weiteren Verlauf des Films unter anderem Zigarillos, unzählige Kerzen und einen Grillrost zur Verfügung hat und die Hütte mit Wolldecken bestückt ist, die wie neu gekauft oder zumindest mit Vernell gewaschen erscheinen (Bei der Entdeckung der Hütte sahen sie noch ziemlich verlottert aus).

Guy Ritchie scheint immerhin seinen Spaß gehabt zu haben, hat den Film in Rekordzeit mit einer Minimalcrew an netten Schauplätzen abgedreht, und mir ist dieses nicht immer geglückte Experiment immer noch lieber als ein weiterer Film, der nur das Erfolgsrezept von "Snatch" variiert hätte.