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Februar 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org

Kleine Wunden
Petites coupures

F/GB 2002

Regie:
Pascal Bonitzer

Buch:
Pascal Bonitzer, Emmanuel Salinger

Kamera:
William Lubtchansky

Schnitt: Suzanne Koch

Darsteller:
Daniel Auteuil (Bruno), Kristin Scott Thomas (Béatrice), Pascale Bussières (Mathilde), Ludovine Sagnier (Nathalie), Jean Yanne (Gérard), Hanns Zischler (Verekher), Emmanuelle Devos (Gaëlle)

Internationale Filmfestspiele Berlin

Wettbewerb

Kleine Wunden
Petites coupures





Pascal Bonitzer
Pascal Bonitzer

Ein interessanter, aber längst nicht perfekter Film, den ich schon für seine erste Szene liebe: Die junge Nathalie geht auf der Strasse an einer Frau vorbei, die sich gerade die Lippen bemalt. Nathalie hält inne, und erzählt der Frau, daß sie genau denselben Lippenstift besitze, aber nicht finden könne, und sie es hasst, ungeschminkt durch die Straßen zu gehen. Die Frau bietet ihr den Lippenstift an, und trotz Nathalies Hinweis, daß ein Lippenstift etwas sehr intimes, persönliches sei, benutzt sie ihn. Dann unterhalten sich die beiden noch ein wenig, Nathalie schnorrt geschickt eine Zigarette, leiht sich noch die Bürste der Frau, weil ihre Haare so zerzaust sind, und hätte beinahe noch einen Tampon geliehen bekommen. Kleine Wunden (Petites coupures) (R: Pascal Bonitzer)

Man hält diese Nathalie für unverschämt, doch dann stellt sich am Schluß der Szene heraus, daß es wirklich ihr Lippenstift war, den die andere Frau, Gaëlle, aus einem Badezimmer entnommen hatte, das offensichtlich beide benutzt haben. Und schon wird klar, daß es eine Verbindung namens Bruno zwischen den beiden gibt. Nathalie bekommt ihren Lippenstift wieder und Gaëlle schminkt sich wieder ab.

Bruno ist die Hauptfigur des Films, ein Mann, der immer auf der Suche, aber eigentlich nicht weiß, was er finden will. Er interessiert sich nur für Dinge, die er nicht haben kann. Um beispielsweise Gaëlle wiederzugewinnen, macht er ihr eine Szene in einem Reisebüro und droht ihr, sich mit einem Teppichschneider in die Finger zuschneiden, wenn sie nicht zurückkommt. Doch sie lacht nur, allerdings zu früh, denn dies ist ist die erste von vielen "Kleinen Wunden", die sich Bruno im Verlauf des Films zuzieht. Kleine Wunden (Petites coupures) (R: Pascal Bonitzer)

Während des Films stellen wir fest, wie Bruno sich von Frau zu Frau hangelt, er rücksichtslos abserviert, was ihm nicht mehr in den Kram passt, und er dabei völlig übersieht, daß irgendwann er derjenige sein könnte, der abserviert wird. Der Film führt wie eine Komödie mit einigen Überraschungen durch diverse Episoden und Stationen in Brunos Leben, der sich dabei immer mehr verirrt, oberflächlich etwa in einem nebligen Wald, aber vor allem emotionell.

Ein leiser, langsamer, aber sympathischer Film, der seine Aussagen versteckt, aber durch die Anknüpfungspunkte am Leben jedes einzelnen Zuschauers an Bedeutung gewinnt. Daniel Auteuil ist wie immer brillant, Kristin Scott Thomas' Rolle erscheint etwas klein, und die vor allem aus "8 femmes" bekannte Ludivine Sagnier überzeugt mit ihrem Leidensweg, der den von Bruno etwas spiegelt.