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Die Box


 
 

Februar 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org

Herr Wichmann von der CDU
D 2002

Herr Wichmann von der CDU

Buch
und Regie:
Andreas Dresen

Kamera:
Andreas Höfer

Schnitt:
Jörg Hauschild

Mitwirkende:
Henryk Wichmann, Markus Meckel, Angela Merkel

Internationale Filmfestspiele Berlin

Panorama

Herr Wichmann von der CDU



Andreas Dresen, der auf der letzten Berlinale für "Halbe Treppe" mit dem "Großen Preis der Jury" ausgezeichnet wurde, ist in diesem Jahr selbst Mitglied der Jury, wenn auch nur für den besten Kurzfilm. Als kleines Schmankerl läuft in den "Dokumenten" des Panorama auch ein neuer Film von Dresen, der innerhalb der BR/WDR-Reihe "Denk ich an Deutschland (Filmemacher über das eigene Land)" entstand. In den letzten Jahren versuchten sich dort bereits 14 Filmkünstler an zehn Filmen zum Thema, darunter Prominenz wie Doris Dörrie, Dominik Graf, Katja von Garnier, Fatih Akin, Peter Lilienthal oder Leander Haußmann. Herr Wichmann von der CDU

Während des letzten Monats vor der Bundestagswahl am 22. 9. 2002 begleitete Dresen mit seinem Kameramann den CDU-Kandidaten Henryk Wichmann, der in seinem Wahlkreis in der Uckermark gegen den übermächtigen SPD-Konkurrenten Markus Meckel (54% bei der letzten Wahl) antritt. Wichmann will "frischen Wind" in die Politik bringen, doch der 25jährige erfährt mehrfach, daß dieser Wahlslogan wie ein Fluch auf ihm lastet, wenn sich der CDU-Schirm unter den luftigen Witterungsbedingungen selbstständig machen will.

Abgesehen von einer winzigen Einstellung, die einen Frosch zeigt (laut Wichmann einer der nichtigen Gründe dafür, daß die Grünen die Konjunktur des Industriestandortes Uckermark verhindern), kommentiert der Regisseur die Bemühungen seines Hauptdarstellers nicht. Er gab Wichmann sogar die Erlaubnis, das Drehen jederzeit abzubrechen (wovon dieser keinen Gebrauch machte), und Wichmann segnete den fertigen Film anschließend auch ab. Herr Wichmann von der CDU

Die Auswahl des Materials zeugt natürlich von einer gewissen Stellung der Filmemacher, aber als Porträt ist der Film durchaus nicht einseitig. Doch Wichmann hat natürlich keine Chance, denn wenn er rassistischen Passanten einnickt, daß schon die Zuwanderungspolitik ein Grund ist, keinesfalls SPD zu wählen, oder er mit Postkarten und Kugelschreibern in Altenheimen Wähler zu mobilisieren trachtet, so ist jederzeit klar, daß bei diesem aussichtslosen Kampf der Zweck die Mittel heiligen muß.

Und so gehören zu den schönsten Momenten des Films jene des unfreiwilligen (manchmal recht schwarzen) Humors, die Wichmann immer wieder trotz seiner sympathischen Art demaskieren. Für einen Wahlspot lächelt er gemeinsam mit seiner jungen Frau in die Kamera, aber wenn im Fernsehen das Rede-Duell Stoiber-Schröder übertragen wird, hat er keine Zeit für die werdende Mutter.

An die Zitterpartie am Wahlabend können wir uns noch alle erinnern, und auch hier läuft Wichmann natürlich voll ins Messer der zu frühen Zuversicht. Und wenn dann am Schluß des Films sein persönliches Wahlergebnis eingeblendet wird, könnte die Ernüchterung kaum größer sein.