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Die Box




April 2002
Stephan George
für satt.org

Panic Room
USA 2002

David Fincher: Panic Room

Regie:
David Fincher

Drehbuch:
David Koepp

Kamera:
Conrad W. Hall, Darius Khondji

Schnitt:
James Haygood

Darsteller:
Jodie Foster (Meg Altman), Kristin Stewart (Sarah Altman), Forest Whitaker (Burnham), Dwight Yokaman (Raoul), Jared Leto (Junior), Patrick Bauchau (Stephen Altman), Ann Magnuson (Lydia Lynch), Ian Buchanan (Evan Kurlander), Paul Schulze (Officer Keeney), Mel Rodriguez (Officer Morales)



Coole Sprüche, bemühte Spannung
PANIC ROOM


David Fincher ist ein Regisseur der es geschafft hat, mich mit jedem seiner Filme zu fesseln - er hat erst 4 Filme gemacht (Alien3, The Game, Se7en, Fight Club) und ich finde jeden verdammt gut - und das will schon etwas heißen. Sein neuster Film "Panic Room" kann allerdings keinem seiner bisherigen Werke auch nur annähernd das Wasser reichen.

Kurz zur Story. Die geschiedene Meg Altmann (Jodie Foster) zieht mir ihrer Tochter Sarah (Kirsten Stewart) in ein neues, riesiges Haus in Manhattan. Gleich in der ersten Nacht wird eingebrochen, Meg und Sarah fliehen in den Panic Room, ein mit High Tech Geräten ausgestattetes Refugium. Doch was die Gangster (Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto) wollen, ist im Panic Room.

(Mit dabei ist übrigens auch Patrick Bauchau, manchen vielleicht bekannt als Sydney aus der Serie "The Pretender" als Jodie Fosters Mann.)

Soweit, so gut. Schon der Plot ist weitaus simpler gestrickt als bei seinen bisherigen Filmen. Allerdings hätte der Film etwas werden können, wenn man die Handlung auf die Szenen im Panic Room reduziert hätte. Jodie Foster versteht es nämlich perfekt, den Zuschauer in den Bann zu ziehen und perfekte Spannung zu erzeugen (nichts anderes hatte ich von dieser phantastischen Darstellerin - Oscars als beste Darstellerin für "Angeklagt" und "Das Schweigen der Lämmer" - erwartet).

Die Szenen außerhalb des Panic Rooms (die Szene mit den Einbrechern) zerstören aber leider sämtliche Spannung. Hier werden coole Sprüche geklopft und auf simplen Humor gesetzt. Und das macht leider alles kaputt, da können Jodie Foster und Kirsten Stewart (die hier erst in ihrem zweiten Film spielt, phantastisch!) noch so eindringlich spielen, gegen das schlechte Drehbuch kommen sie nicht an.

Logische Fehler gibt es zuhauf: Meg leidet an Klaustrophobie, wie man bei der Präsentation des Panic Rooms sofort erkennt, aber wenn sie eingeschlossen ist, bekommt sie keine Attacke - sehr seltsam. Oder wenn sie aus dem Raum flieht und vorerst in Sicherheit ist (denn nun sind die Gangster im Panic Room), nimmt sie natürlich ihr Handy nicht mit. Warum auch, schließlich wäre das die einzige Möglichkeit gewesen, die Polizei zu rufen.

Was wohl gewesen wäre, wenn wie ursprünglich geplant Nicole Kidman die Rolle der Meg Altmann gespielt hätte - der Film wäre eine komplette Katastrophe geworden. (Kidman hatte sich verletzt und so ist Jodie Foster eingesprungen; für die Rolle hat sie den Vorsitz der Jury in Cannes aufgegeben - rückblickend betrachtet ein ziemlicher Fehler).

Visuell ist der Film gewohnt gut - die Kamera gleitet genial durch das Haus, "fliegt" durch Wände und Türschlösser - absolut genial. Allerdings vermisse ich seine phantastischen Schattenspiele Finchers; oftmals ist mir das Bild auch weitaus zu dunkel (aber was will man in einem Haus ohne Licht auch verlangen).

Absolut genial ist eine Zeitlupensequenz, in der Meg kurz aus dem Panic Room ausbricht, um ein Handy zu holen - wer wird den Raum zuerst erreichen, Jodie Foster oder die Einbrecher? Eine phantastische Sequenz.
Das Ende, der "guten" Einbrecher, der Foster das Leben rettet, muß sich ergeben und ihm fliegen die ganzen Wertpapiere aus der Hand, ist sehr zynisch, hat mich ein bißchen an Kubricks "The Killing" erinnert (Wenn ich nur denke, was Kubrick aus der Story gemacht hätte …)

Und dann die absolut überflüssige Schlußsequenz: Meg sitzt mit ihrer Tochter im Park und sucht mit ihr aus der Zeitung eine neue Wohnung - "Brauchen wir denn wieder soviel Platz?" - Was soll uns das denn sagen? Sie hat ihre Lektion gelernt (aber welche?). Willkommen im ersten David Fincher Film ohne Message.

Ein netter Insidergag: Als schlafender Nachbar, der von Fosters Tochter mit Morsezeichen geweckt wird, ist Andrew Kevin Walker, der Autor von Finchers Se7en zu sehen (er hat u.a. auch "Sleepy Hollow" geschrieben).


Fazit: Leider, leider wenig spannend, trotz toller Kamera und zwei tollen Hauptdarstellerinnen.