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Die Box




März 2002
Thomas Vorwerk
für satt.org

Die Monster AG
Monsters, Inc.

USA 2001

Die Monster AG

Regie:
Pete Docter

Co-Regie:
David Silverman, Lee Unkrich

Buch:
Dan Gerson, Andrew Stanton

Additional Screenplay - Material:
Robert L. Baird, Rhett Reese, Jonathan Roberts

Story:
Jill Culton, Peter Docter, Ralph Eggleston, Jeff Pidgeon

Schnitt:
Jim Stewart

Musik:
Randy Newman

Originalstimmen:
John Goodman (James P. "Sulley" Sullivan), Billy Crystal (Michael "Mike" Wazowski), Mary Gibbs (Boo), Steve Buscemi (Randall Boggs), James Coburn (Henry J. Waternoose), Jennifer Tilly (Celia), Bob Peterson (Roz), John Ratzenberger (Yeti), Frank Oz (Fungus), Bonnie Hunt (Flint), Wallace Shawn (Rex, uncredited)



Die Monster AG


Meine neueste These, was funktionierende Computer-Animationsfilme von nicht so gut funktionierenden unterscheidet, ist viel zu einfach, um wahr zu sein. Warum gefallen mir "Toy Story", "Toy Story 2", "Shrek" und "Monsters, Inc." über alle Maßen, während mich "A Bug’s Life" und "Antz" relativ kalt ließen (und über "Final Fantasy" und "Dinosaurs" will ich hier gar nicht erst sprechen)?

Die vier erstgenannten sind allesamt Buddy-Filme. In meiner Rezension zu "Shrek" wurde diese Tatsache ja auch recht eindeutig ausformuliert. Die beiden Insekten-Filme sprachen mich nicht deshalb so an, weil ich ein Problem habe, mich mit Krabbeltieren zu identifizieren, sondern einfach, weil sie zu viele oder zu wenige Hauptfiguren hatten. Auch der letzte Zeichentrickfilm, der mich wirklich überzeugte, war ein Buddy-Film: "The Emperor’s New Groove". Und wenn ich an meine All-Time-Favorites denke, lässt sich meine These auch noch aufrechterhalten, wenn ich nur genügend Augen zudrücke. "The Jungle Book" ist die Geschichte von Mowgli und Baloo, "Beauty and the Beast" geht natürlich in eine andere Richtung von Zweier-Beziehung, nur bei "Pinocchio" tue ich mich wirklich schwer, Jiminy Cricket als gleichberechtigten Partner der Titelfigur zu akzeptieren.

Aber zurück zur "Monster AG".

Sulley und Mike wohnen in Monstropolis und gehen ganz normal ihrem Job nach. Sie kümmern sich für "Monsters, Inc." um die Energieversorgung der Stadt. Dazu bedient Mike, ein entfernter Verwandter der Außerirdischen in "Toy Story", die Technologie, um immer wieder neue Türen erscheinen zu lassen, in denen sein bäriger Kumpel Sulley dann verschwindet, um aus einer anderen Welt unter Lebensgefahr Energie zu besorgen. Sulley gehört nämlich zu jenen Monstern, die in unser aller Kindheit im Wandschrank oder unter dem Bett lauerten. Und wenn Sulley einem Kind einen sirenenmäßigen Angstschrei enlockt (dafür gibt es extra Trainingslager), dann ist die Energieversorgung wieder etwas besser. Nur zwei Probleme gibt es: Die Kinder sind immer hartgesottener ("Kids these days …") und bedeuten eine ernsthafte Gefahr für die Bewohner von Monstropolis, denn die Berührung eines dieser Wesen bedeutet den sicheren Tod. Und das Horrorszenario, daß ein Monster mal vergessen könnte, die Tür hinter sich zu schließen, so daß ein Kind in die Welt der Monster eindringen könnte und wahrscheinlich alles vernichten würde … Darüber wollen wir lieber gar nicht erst nachdenken.

Die geniale Idee, das Rollenverhältnis einfach umzudrehen und eine Welt zu ersinnen, in der die Monster viel mehr Angst vor den Kindern haben, wird natürlich noch weitergeführt. So kommt tatsächlich ein kleines Mädchen mit Sulley nach Monstropolis, das er angelehnt an ihren gelungenen Versuch, ihn zu erschrecken, "Boo" tauft, während Boo Sulley immer "Kiddie" nennt.

Sulleys Rivale bei der Jagd nach dem Titel des "Employees of the Month", der Chamäleon-ähnliche Randall, kommt dem Versäumnis unserer Helden auf die Schliche und hat außerdem ganz andere, finstere Pläne …

Ein unschlagbares Zweiergespann, ein supersüßes Girl, das zwischen sie gerät, ein Finsterling und diverse gut durchdachte Nebenfiguren. "Monsters, Inc." ist nicht nur ein Triumph der Computertechnik (man denke nur an den Schneeball, der in Sulleys Fell verpufft), vor allem hat man es hier mit einem Buch zu tun, daß anstelle von "Shrek" eine Oscar-Nominierung verdient hätte. Doch natürlich ist dies indirekt ein Disney-Film und somit auch ein Film für Kinder, und deshalb hat man die Disney-Verarsche mit den unflätigen Scherzen wahrscheinlich vorgezogen, obwohl "Monsters, Inc." meines Erachtens der bessere Film ist (und das soll was heißen!)

Stimmtalente der Sonderklasse, ein Skript mit immer neuen Ideen, und eine Achterbahnfahrt, wie sie selbst Steven Spielberg in einem Realfilm nicht spannender inszenieren könnte. Das Kinojahr 2002 scheint für Deutschland das Comeback des Animationsfilms mit sich zu bringen.

Als Vorfilm zu "Monsters, Inc." gibt es übrigens eine weitere Pixar-Production namens "For the Birds", die auch für den (Kurzfilm-)Oscar nominiert ist.