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Februar 2002
Thomas Vorwerk
für satt.org

Der Passierschein (Laissez-Passer)
F/D/Es 2001
170 Minuten

Der Passierschein (Laissez-Passer)

Regie:
Bertrand Tavernier

Buch:
Bertrand Tavernier, Jean Cosmos

nach den Erinnerungen von Jean Aurenche und den Memoiren von Jean-Devaivre

Kamera:
Alain Choquart

Schnitt:
Sophie Brunet

Musik:
Antoine Duhamel

Darsteller:
Jacques Gamblin (Jean-Devaivre), Denis Podalydes (Jean Aurenche), Marie Desgranges (Simone Devaivre), Marie Gillain (Olga), Charlotte Kady (Suzanne Raymond), Maria Pittaresi (Reine Sorignal), Ged Marlon (Jean-Paul Le Chanois)
u. a.

Weitere Informationen:
www.berlinale.de



Berlinale-Wettbewerbsfilm:

Der Passierschein
Laissez-Passer



1942, im besetzten Paris. Jean-Devaivre arbeitet als Regieassistent für Maurice Tourneur an dessen "La main du diable", eine Produktion der deutschen Firma "Continental", die seinerzeit in vier Jahren mehr als 30 Filme herstellte. Während Devaivre seinen Posten unter den Deutschen nutzt, um nicht aufzufallen, während er seine Frau und das kleine Kind aus der Stadt schafft und in der Resistance tätig ist, weigert sich die andere Hauptfigur des Films, Jean Aurenche, ein Drehbuchautor, für die Deutschen zu arbeiten, wobei ihm aber langsam die Ausreden ausgehen, ohne dem Feind direkt vor den Kopf zu stoßen.

Um diese beiden sehr unterschiedlichen Figuren und etwa zehn Personen aus ihrem Umfeld dreht sich der neue Film von Tavernier, nach "Ca commence aujourd-hui" wieder ein "period piece", mit großem Aufwand produziert und einer Länge von fast drei Stunden. Die große Frage des Films, die sich zumindest mir stellte, ist die nach dem potentiellen Publikum. Cinephile, die sich besser als ich in der Filmgeschichte dieser Zeit auskennen, werden den Film wahrscheinlich lieben. Man kann (auch in Filmausschnitten) miterleben, wie neben dem bereits erwähnten Film andere Meisterwerke jener Zeit entstehen. Doch hierin besteht auch ein kleines Problem, denn wer zum Teufel kennt etwa "Huit hommes dans un château" von Richard Pottier? Wer weiß, daß Charles Spaak der Co-Autor von "Le grande illusion" war? Eine Menge der liebevoll rekonstruierten Sets wird das Publikum somit nicht zu schätzen wissen, und ob die Geschichten von Kollaboration und Zivilcourage die Massen ins Kino ziehen werden, ist mehr als nur fraglich. Leider muß man auch sagen, daß die erste Hälfte des Films sich ein wenig dahinschleppt, bis dann die letzte Stunde mit den unglaublichen Erlebnissen Devaivres wieder einiges gut macht, und als Parodie von James Bond-Filmen herhalten könnte, nur daß James Bond nicht mit Luftpumpe und geschenktem Tee im Auftrag ihrer Majestät unterwegs war.

Nichtsdestotrotz muß man Regisseur Tavernier für seinen Mut, solch einen Film zu realisieren, einfach gern haben, und in heutigen Zeiten weiß man solch einen Streifen einfach zu schätzen. Aber nur wenn der ganze Film so spannend und witzig gewesen wäre wie letzte Stunde, wäre es ein wirklicher Erfolg auf ganzer Linie gewesen.