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Dezember 2001
Thomas Vorwerk
für satt.org

Das Zimmer meines Sohnes
(La Stanza del figlio)
I/F 2001

Das Zimmer meines Sohnes (La Stanza del figlio)

Regie:
Nanni Moretti

Buch:
Linda Ferri, Nanni Moretti, Heidrun Schleef

Kamera:
Giuseppe Lanci

Schnitt:
Esmeralda Calabria

Musik:
Nicola Piovani

Darsteller:
Nanni Moretti (Giovanni), Laura Morante (Paola), Jasmine Trinca (Irene), Guiseppe Sanfelice (Andrea), Silvio Orlando (Oscar), Sofia Vigliar (Arianna)

Das Zimmer meines Sohnes
La Stanza del figlio



Nanni Moretti, zu dessen fraglichen Qualitäten es gehört, noch egozentrischere Filme als Woody Allen zu drehen, hat nach seinen Ausflügen ins Autobiographische nunmehr wieder ein rein fiktives Werk vorgelegt, doch wie zumindest der deutsche Titel andeutet, wird auch diese Geschichte größtenteils aus der Sicht jener Person erzählt, die im Vorspann nicht weniger als sechsmal genannt wird.

Der Titel nimmt es vorweg: Das Zimmer des Sohnes wird natürlich erst interessant, wenn jener nicht mehr darin verweilt, und wenn man als trailer-trainierter Zuschauer auch nicht auf den Anruf zu Beginn des Films hineinfällt, bei dem es um den Sohn geht, so führt das Vorwissen hier in einer schönen Parallelmontage zu einem vielfach gespiegelten, und dennoch subtilen Augenblick des dräuenden Unheils.

Überhaupt lebt der Film von den leisen Momenten ohne Narration, die aber Symbolcharakter haben. Ein Gespräch über verschiedene, bei Sportarten entstehende Geräusche findet später die Entsprechung, wenn der Sohn Tennis spielt, aber nicht den Willen zum Siegen zeigt, das Geräusch des Basketballs untergeht und im Film niemals Eishockey gespielt wird. Und wenn das Prellen des Basketballs später nachgeholt wird, dann nur, um abermals das Scheitern zu demonstrieren.

Nach dem Verlust des Sohnes/Bruders reagieren die Hinterbliebenen unterschiedlich, und auch dieses wird (neben der herkömmlichen Narration, die ich hier nicht wiederholen werde) durch Symbolismen dargestellt, wenn etwa der Vater eine CD immer wieder zurückspult, ihm dies aber bei seinem Leben nicht gelingt, er den Sprung in der zuvor so perfekten Porzellan-Familie beweint und dabei immer (selbst-)zerstörerischer wird. Die Tochter hingegen findet nicht den neuen Anfang, sucht am Kofferradio immer neue Sender, kann sich auch nicht für einen Pullover entscheiden (Bei Psychoanalyse-Patienten Teil der Therapie), sondern schließt sich in der Umkleidekabine ein. Die Mutter schließlich versucht das Leben ihres Sohnes weiterzuleben, indem sie dessen unbekannte Freundin kennenlernen will, scheitert dabei am härtesten, bringt dem Film aber versöhnliche Impulse.

Ich will gar nicht über die Schuldfrage sprechen, über das Fossil, über das karge Abendmahl und den "Hausmann", aber für einen Film vom Scheitern (Und in meiner Eigenschaft als Donaldist bin ich da Experte) ist Morettis Film eine Spur zu gut durchkomponiert. Nichtsdestotrotz ein rundum gelungener Film zum Nach- und Mitdenken. In dem man aber trotzdem auch überrascht werden kann.