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September 2001
Thomas Vorwerk
für satt.org

A.I. - Künstliche Intelligenz
(A.I. - Artificial Intelligence)
USA 2001

Steven Spielberg: A.I. - Künstliche Intelligenz (A.I. - Artificial Intelligence)

Regie:
Steven Spielberg

Buch:
Ian Watson

Lit. Vorlage:
Brian Aldiss nach seiner Kurzgeschichte "Supertoys Last All Summer Long"

Kamera:
Janusz Kaminski

Musik:
John Williams

Darsteller:
Haley Joel Osment (David Swinton), Jude Law (Gigolo Joe), Frances O'Connor (Monica Swinton), Jake Thomas (Martin Swinton), Brendan Gleeson (Lord Johnson-Johnson), William Hurt (Prof. Hobby), Daveigh Chase, mit den Stimmen von Robin Williams, Ben Kingsley, Meryl Streep



A.I. - Künstliche Intelligenz



An meinem 13. Geburtstag lief “The Shining” in Deutschland an. Damals hatte ich noch keinen Schimmer, wer Stanley Kubrick (geschweige denn Stephen King) ist, aber ich erinnere mich noch sehr gut an irgendeine Filmsendung im Fernsehen, bei der man einen Ausschnitt aus dem Film sah (Dannys Flucht aus dem Badezimmer). Bei allen Kubrick-Filmen danach erwartete ich die deutschen Kinostarts sehnlichst herbei und wurde von den Filmen auch nie enttäuscht. Leider waren es aber nur zwei.

Bei Steven Spielberg habe ich seit “1941” (also schon zuvor) auch so ziemlich jeden Film kurz nach dem Kinostart gesehen. Mir fällt auf Anhieb nur ein Film ein, den ich verpasst habe (“The Color Purple”), einer, den ich mir höchstens der Vollständigkeit halber angetan habe (“Amistad”), und einer, der wirklich das Geld nicht wert war (“Hook”). Aber erst bei “A. I.” war ich so gespannt auf einen Spielberg-Film, wie vielleicht seit “E. T.” nicht mehr. Das liegt sicher vorwiegend daran, daß Kubrick gut zwanzig Jahre mit dem Gedanken spielte, diesen Film zu machen, bis er das Projekt dann an Spielberg weitergab.

Das erschreckendste Detail an “A. I.” erfuhr ich erst im Abspann. Steven Spielberg schrieb das Drehbuch, und zwar laut Credits allein. Ich mag mich jetzt ganz übel irren, aber ich glaube, daß dies eher ein seltener Fall in seiner Filmographie ist.

Ausnahmsweise habe ich mal recherchiert, und festgestellt, daß er an Drehbuch-Credits vor allem “Close Encounters” und “Poltergeist” vorweisen kann. Selbst bei “E. T.” und “Hook”, zwei Filmen, die ich als sehr persönlich einschätzen würde, haben andere das Drehbuchschreiben übernommen, mit unterschiedlichem Erfolg …

Auch “A. I.” ist ein sehr persönlicher Film, und ich bin mir voll der These bewußt, daß die Verweise auf Pinocchio bereits im Kubrick-Script dringewesen sein sollen. Ich muß jetzt mal ein wenig umständlich an das Thema herangehen. Als ich vor kurzem James M. Barries “Peter Pan” las, erinnerte ich mich an einer der schönsten Stellen dieses wunderbaren Buches an eine Szene von “E. T.”. Hier gelang Spielberg, woran er bei “Hook” so schrecklich scheiterte. “A. I.” erinnert schon vom Titel her an “E. T.”, und die Ähnlichkeiten sind frappierend. David, das Roboterkind, das so gerne ein echter Junge wäre, schaut mit den erstaunten Augen von E. T. auf seine Umwelt, sein “Stiefbruder” erklärt ihm schließlich die Welt, doch alles geht schief, weil der Außenseiter und die Alltagswelt nicht ohne Kompromisse auf beiden Seiten zusammen funktionieren können. David wird verstoßen und von seiner Mutter getrennt, er gerät an “Gigolo Joe”, einen Lust-Roboter, doch statt einer Insel voller billardspielender, zigarrerauchender Esel geraten wir an das “Flesh Fair” und “Rouge City”, zwei Ausgeburten der Zivilisation, die erschrecken sollen, aber nicht einmal amüsieren. Wenn David auf der Suche nach der “blauen Fee” an “Dr. Know” gerät, einen Computer-Schlaukopf, der so sehr Albert Einstein ähnelt, daß Spielberg mit dessen Nachkommen um die Rechte feilschen mußte, dann hören wir Robin Williams als dessen Stimme, und spätestens dann rutscht der Film so tief, daß er viel näher an “Hook” als an “E. T.” heranreicht.

Ob unser Pinocchio seine Fee findet, ob Wale oder Monolithen in der Geschichte vorkommen, wie Spielberg sich ein Manhattan der Zukunft vorstellt, all dies will ich hier nicht verraten, aber alle Reminiszenzen an das Ende von “2001” sind derart aufgesetzt, daß sie diesen Film auch nicht mehr retten können, egal, wie philosophisch man einiges interpretieren könnte. “A. I.” scheitert als Märchen, als Science-Fiction, als Kubrick-Erbschaft sowieso, doch am offensichtlichsten ist es, daß Steven Spielberg seine Drehbücher nicht selber schreiben sollte, sondern sich lieber um seine Schauspieler kümmern muß.

Für Jude Law hatte ich nie besonders viel über, hier erscheint er einem wie Daffy Duck mit Gel im Haar. Und Joel Haley Osment ist eine Spur zu süß, eine Spur zu roboterhaft, und etwa fünf Spuren zu uninteressant, um ihn über mehr als zwei Stunden zu begleiten.

Und das eine Talent, um das Spielberg wahrscheinlich Zeit seines Lebens beneiden wird, ist der Einsatz von Musik. John Wiliams hat immerhin mal die Töne komponiert, bei denen Bruce das Wasser im Munde zusammenläuft, aber das ist laaaaaaaaaaaange her. Ich habe gehört, bei manchen DVDs kann man die Filmmusik abdrehen. Dadurch würde der Film sehr gewinnen, aber retten kann das auch nichts.