Anzeige:
Die Box




Juli 2001
Thomas Vorwerk
für satt.org


What Women want
USA 2000

Dt. Titel:
Was Frauen wollen

Regie:
Nancy Myers

Buch:
Josh Goldsmith, Cathy Yuspa

Kamera:
Dean Cundey

Musik:
Alan Silvestri

Darsteller:
Mel Gibson, Helen Hunt, Marisa Tomei, Mark Feuerstein, Lauren Holly, Alan Alda



Es fängt ja noch relativ vergnüglich an. Wenn Mel Gibson wieder seine "Rocky"-Rolle aus "Chicken Run" als unverbesserlicher Macho-Arsch Revue passieren lässt, nehmen wir ihm das ohne weiteres ab, selbst wenn es an manchen Stellen doch arg strapaziert ist. Wenn er dann nach einem Stromschlag zunächst glaubt, er höre die Äußerungen seiner Haushaltshilfe, und nicht deren Gedanken, funktioniert diese Stelle des Films nicht, weil jeder Zuschauer aus dem Medien-Bombardement weiß, was in dem Film passiert. Ähnliches versaute auch schon die ersten zwanzig Minuten von "Absolute Power", das können wir dem Streifen also nur schwer zum Vorwurf machen,

Sehr wohl aber alles, was danach passiert, und das ist eine ganze Menge. Mein Sitznachbar Daniel wollte sogar das Kino vorzeitig verlassen, weil sich der Film dahinzog wie ein altes Kaugummi, das längst keinen Geschmack mehr hat. Die Wendungen des Mel Gibsons sind einfach unglaublich, sowohl was die darstellerische Leistung, als auch, was das nicht sehr überzeugende Drehbuch angeht. an der traurigen Rolle, die Marisa Tomei in diesem Film spielen "durfte", kann man dies recht eindeutig illustrieren:

Zunächst ist sie eine Bedienung in einem Kaffee, die sich alle zweideutigen Bemerkungen des sich für ach so unwiderstehlich haltenden gefallen lässt. Dann kann er ihre Gedanken lesen und erfährt, daß sie sich gedanklich immer wieder dafür ohrfeigt, daß sie nicht mit diesem "tollen Typen" längst mitgegangen ist. Was jener natürlich sofort ausnutzt. Im Bett erfährt er dann, wie ungeschickt er, der sich immer für den Super-Liebhaber hielt, anstellt. Was ihn natürlich gewaltig abtörnt und sexuell versagen läßt.

So weit, so gut. Oder eher ausreichend. Doch dann benutzt er seine Gedankenlesefähigkeiten, es Marisa "richtig zu besorgen" auf alle ihre unausgesprochenen Wünsche einzugehen, er weiß immer genau, welchen Knopf er wann zu drücken hat. Was sicher für einen unsicheren Mann eine verlockende Wunschvorstellung sein mag, die Frau aber zum Apparat, den Sex zur aufmerksam gelesenen Gebrauchsanleitung degradiert. Ich verzichte. Im Drehbuch ist dies aber die schärfste Nacht ihres Lebens …

Doch wie geht es weiter? Gar nicht, denn Helen Hunt spielt die weibliche Hauptrolle in diesem Film. Und wohlgemerkt kriegt er diese letztendlich erst rum, nachdem er seine besondere Fähigkeit wieder verloren hat, weil es nur so die Imitation einer romantischen Liebe sein kann. Doch zurück zu Marisa Tomei. Nach sechs Tagen oder so trifft sie den Max, der sie so "mad" machte, zufällig auf der Straße, und kann es sich natürlich nicht verkneifen, ihren Frust zu verbalisieren. Erst verschafft ihr der Typ die absolute sexuelle Erfüllung, dann meldet er sich nicht mehr wieder. Wie soll sie das verstehen? Und an dieser Stelle ist der Film dermaßen verlogen, dermaßen unehrlich zu seinen Zuschauern, das es schlichtweg zum Kotzen (oder besser Umschalten) ist: Denn aufgrund seiner inzwischen errungenen Sensibilität kommt sie zu dem Schluß, der tatsächlich noch einige stumpfsinnige Zuschauer während meiner Vorstellung zu verblüffen fähig war. Er ist natürlich schwul. Mel braucht ein wenig Überwindung, etwas so ungeheuerliches (was natürlich nicht stimmt), zu gestehen (vgl. William Goldman, "Adventures in the Screen Trade", Kapitel "The Star"), verspricht ihr aber gönnerhaft, sich wiederzumelden, falls er doch wieder zum heterosexuellen Lager überläuft, und das Problem ist vergessen, Marisa Tomei taucht im Film nicht mehr auf, Mel kann sich ganz darauf konzentrieren, Helen mit der Güte seines Herzens für sich zu gewinnen. Und die Drehbuchautoren denken sich, über das penetrant an den Haaren herbeigezogene Happy End würde der Zuschauer vergessen, daß der ach so geläuterte Mel noch wenige Tage vor dem Ende des Films eine Frau dermaßen zu einem Dummchen abgestempelt hat, daß er dafür sofort seinen kümmerlichen Schniedel in einer langen, schmerzhaften Operation hätte einbüßen müssen. Eine Frau, die Verständnis zeigt, wo es nicht weniger angebracht sein könnte, wird zur unter den Teppich gekehrten Witzfigur eines Films, der zu allem Übel auch noch von einer Frau gedreht wurde. Mit Abstand der schlechteste Scheiß, den ich dieses Jahr gesehen habe, und auch, wenn ich mich noch seitenlang darüber aufregen könnte, hat er keine weitere Zeile verdient.