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Die Box




April 2001
Thomas Vorwerk
für satt.org
Tilsammans
Schweden/ Dänemark/ Italien 2000

Dt. Titel:
Zusammen


Buch und Regie:
Lukas Moodysson

Kamera:
Ulf Brantas

Schnitt:
Michal Leszczylowski, Fredrik Abrahamsen

Darsteller:
Lisa Lindgren (Elisabeth), Michael Nyqvist (Rolf), Gustaf Hammarsten (Göran), Anja Lundqvist (Lena), Jessica Liedberg (Anna), Ola Norell (Lasse), Shanti Roney (Klas), Emma Samuelson (Eva), Henrik Lundström (Fredrik)



Tilsammans

Schweden 1975. Göran gehört zu den Leuten, die zu nett für diese Welt sind. Er glaubt, es allen recht machen zu können. Als seine Schwester Elisabeth die Schnauze voll von ihrem Gatten hat, schlägt er ihr etwa vor, sie könne mit den zwei Kindern in der Kommune "Tilsammans" unterkommen. Neben dem offensichtlichen Platzproblem wird das die Wohngemeinschaft verändern, wenn etwa der nach der Tet-Offensive benannte Tet endlich auch mal das Kriegsspielzeug von Elisabeths Sohn zu fassen kommt und später bevorzugt ein Rollenspiel zelebriert, bei dem durch Elektroschocks ein Gefangener dazu gebracht werden soll, seine Liebe für Pinochet zu artikulieren.

Hier gibt es kein Fernsehen, nicht einmal Hot Dog, aber zumindest bei letzterem kann man die Vegetarier schnell umstimmen (oder vergraulen, so daß sie zur Kommune "Moder Jord"/"Mutter Erde" umziehen). Doch die Argumentation in der Gemeinschaft läßt auch oft an Nachvollziehbarkeit vermissen. Wer sich um seine Haushaltsdienste drücken will, verkündet einfach, daß Spülen bourgeois sei, in Streitgesprächen kommt es immer gut, den Gegner kapitalistische oder faschistische Beweggründe zu unterstellen.

In einer frühen Szene des Films fühlte ich mich an "A Fish called Wanda" erinnert, wenn die Neuzugänge in der WG zunächst einmal die ungezwungenen Bekleidungsriten am Küchentisch betrachten dürfen. Wenn hier jemand darauf plädiert, seinen (bzw. ihren) "Busch" "belüften" zu dürfen, so dauert es noch einige Zeit, bis sich die wahren Motivationen einiger der Bewohner offenbahren.

Bei Görans Freundin Lena dauert das nicht ganz solange. Wenn sie ihrem Liebsten ganz tolerant anbietet, doch auch mal andere weibliche WG-Teilnehmerinnen sexuell zu beglücken, wird sehr schnell klar, daß sie dadurch nur ihre eigenen Wünsche verwirklichen will, so daß sie später am Mittagstisch geschickt eine private Diskussion umgeht, um mit jemandem anders im Zimmer zu verschwinden, auf daß sich Göran später alleine das Lustgestöhne vom Nebenzimmer anhören darf und später auch noch begeisterte Lobeshymnen auf den Nebenbuhler anhören muß. Aber auch die "freie Liebe" kann sich nicht ewig halten.

Einer der Filme, über die ich unzählige Seiten füllen könnte. Welten prallen aufeinander, unter den Protagonisten findet jeder Zuschauer mehrere Personen, mit denen er (oder sie) sich identifizieren kann, auch wenn manches eigentlich menschlich gesehen eher traurig ist, kommt man aus dem Lachen nicht heraus, wenn man etwa herausbekommt, wie Hobbys wie "Meditation", das Diskutieren über Sozialismus oder das ach so harmlose "Heimwerken" ausarten können.

Nach dem bereits sehr gelungenen "Fucking Amal" noch eine Steigerung für den vielversprechenden Regisseur Lukas Moodysson, dessen Namen man sich merken sollte.