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Die Box




Januar 2001
Thomas Vorwerk
für satt.org
Cast Away
(dt.: Verschollen)
USA, 2000

Regie:
Robert Zemeckis
Buch:
William Broyles jr
Kamera:
Don Burgess
Musik:
Alan Silvestri
mit
Tom Hanks, Helen Hunt

Cast Away


Der Beginn des Films erinnert wie der gesamte letzte Film Zemeckis an Hitchcock, eine verlassene Landstraßen-Kreuzung. Dann taucht ein FedEx-Lieferwagen auf und natürlich muß ich dabei an den anderen Film denken, der die Hitchcock-Situation zu seinen Gunsten einsetzte, "Seven". Im weiteren Verlauf sieht man, wie einige FedEx-Pakete zugestellt werden, oft genug aus der Sicht des Paketes, was ein etwas auffäliges Spielchen ist. Auch sollte man bereits hier besser aufpassen, als ich es tat, denn in diesen verwirrenden, überflüssig verspielten Momenten des Films kommt auch etwas ins Bild, was später wichtig sein wird.

Irgendwie gelangen wir mit FedEx nach Russland, vielleicht war auch ein und dasselbe Paket immer unser Hauptdarsteller, und mir ist es nur entgangen, aber vielleicht sollte Zemeckis nur nicht soviel Kasparkram machen, dann merken die Zuschauer auch, was wichtig ist, und was nicht.

Auf jeden Fall werden wir dann Zeuge, wie Tom Hanks seine russischen Untergebenen so richtig rund macht, auf daß sie gefälligst flinker arbeiten, sonst könnten die Kunden ja gleich die "US Mail" benutzen. Das Thema Zeit wird natürlich übermäßig betont, und wir wissen alle warum. Wenn Hanks später seine Geliebte, die von Helen Hunt dargestellt wird, während des Weihnachtsmahls verlassen muß, und die beiden im Auto am Flughafen noch schnell ihre Geschenke austauschen müssen, bekommt er eine goldene Uhr mit ihrem Bild darin, ein Familienerbstück, sie hingegen ein kleines Päckchen, daß die beiden zu Neujahr gemeinsam öffnen wollen, und in dem man einigermaßen sicher einen Verlobungs- oder Ehering vermuten darf. Er verabschiedet sich mit "Be right back" und verspricht ihr noch vorher, die Uhr immer auf "Memphis-Time" zu halten, eine nette Geste für einen Typen, der sich wegen seines Jobs überall auf der Welt rumtreibt.

Die Uhr führt auch dazu, daß der Flugzeugabsturz, den jeder Zuschauer natürlich erwartet, trotzdem spannend bleibt, denn während wir wissen, daß Hanks überleben wird, sonst aber keiner, weiß man natürlich nicht, ob er die Uhr wird retten können, ob er sie tatsächlich auf der Insel, auf der er landen wird, immer auf "Memphis-Time" halten kann. Und deshalb verrate ich euch das auch nicht.

Auf der Insel hat Hanks so seine Probleme, Feuer zu entfachen, Fische zu fangen und Kokosnüsse zu öffnen. Er sammelt fein säuberlich angeschwemmte FedEx-Pakete auf, ist aber schließlich doch mehr der verzweifelte Schiffbrüchige als der dienstbeflissene Postbote und öffnet alle bis auf eines. Was er dabei so zutage fördert, ist recht nett, ich will nur den Volleyball erwähnen, von dem eh jeder weiß. Dieser "Wilson" (eine Menge Product Placement für so eine Robinsonade …) wird sein einziger Vertrauter, sein bester Freund, sein Gewissen, sein Gesprächspartner. Bemerkenswert ist neben dem Humor dieser Passagen (Auch wenn es mitunter schmerzhaft wird), die fehlende Filmmusik. Stände nicht in den Stabangaben was von Alan Silvestri, würde ich glattbehaupten, es gäbe gar keine Filmmusik in diesem Film, stattdessen wird sogar mal zum Rhythmus eines Fotokopierers getanzt.

Und nun zum SPOILER!!!!: Sicher habe ich es Hanks gegönnt die Insel zu verlassen, von mir aus auch mithilfe eines Gegenstandes, der in der ersten Big Brother-Staffel eine geringfügige Rolle spielt. Daß aus dem vormals geistig zumindest sehr verwirrten Volleyball-Fan ohne viel Erklärung wieder ein angepasster Anzugträger wird, war schon etwas seltsam, das Wiedersehen mit seiner Frau war ebenso logisch nachzuvollziehen wie ergreifend, aber vielleicht lag das auch nur wieder an Parallelen zu meiner Person. Doch alles, was danach kam, war einfach schrecklich schlecht. Ein bißchen Symbolismus ist ja ganz nett, wenn aufgemalte Gesichter und Flügel einem armen kleinen Schiffbrüchigen den Mut zum Weitermachen geben und ihn Hindernisse überwinden lassen, so beschwere ich mich nicht. Immer noch SPOILER!!!! Aber wenn das Product Placement sich schließlich verselbstständigt, wenn das angedeutete Happy End vom Drehbuch-Schicksal dermaßen penetrant vorgegeben wird, daß obsessive Vorliebe für ein Firmenlogo herhalten muß, um eine Verbindung herzustellen, die schon zuvor unglaubwürdig an den Haaren herbeigezogen erschien, dann verwünsche ich den Autoren auf irgendeine einsame Insel, mit Stromanschluß, TV und Videorecorder, aber keinen Senderempfang, sondern nur einem Tape der letzten zehn Minuten dieses Films. End of SPOILER!!!!